Die E. Zunft zu Safran Basel

Zunftleben

Aschermittwoch
Der Höhepunkt des Gesellschaftsjahres der Safanzunft ist ohne Zweifel das Zunftessen, welches traditionell am Aschermittwoch, das heisst zu Beginn der christlichen Fastenzeit und damit fünf Tage vor dem "Morgestraich" der Basler Fasnacht stattfindet. Um ein Uhr mittags beginnt dann das festliche Mahl mit dem Einzug von "Meister und Sechs" und den Gästen in den Zunftsaal, wo sich die ganze Zunftgemeinde schon versammelt und an den festlich gedeckten Tischen Platz genommen hat. Die Sitz- und Tischordnung ist dabei ein Mysterium aus Geschichte, Tradition und vielerlei Korrektur. Die Bezeichnung "Meister und Sechs" oder auch "Sechser" für ein Vorstandsmitglied ist ebenfalls historisch, denn seit langem ist der Vorstand der Zunft auf zehn Mitglieder vergrössert.

Nach einem überlieferten Protokoll läuft die Zunftversammlung immer gleich und doch immer wieder auf neue Art ab. Die Meisterrede, die Aufnahme der neuen Zunftbrüder in die Zunftgemeinde und das Singen des Zunftliedes - fest gefördert durch das Auftreten des Zunftchores - sind dabei die Höhepunkte.

Einer alten Tradition folgend, führt der Statthalter die neu Aufgenommenen (über deren Aufnahme hat der Vorstand schon vorher entschieden und sie aufgenommen) in den Zunftsaal. Dort stellen sie sich der Zunftgemeinde vor und trinken zur Bekräftigung ihrer Zunftannahme einen Pokal mit Weisswein aus. Jeder kann sich diesen Pokal selber aussuchen, wobei das Volumen dieser Gefässe sehr stark variiert! Unter Trommelwirbel muss in einem Ansatz ausgetrunken werden. Es versteht sich von selber, dass die Zunftgemeinde ihre neuen Zunftbrüder nun durch Zurufe zu animieren sucht, einen möglichst grossen Pokal auszuwählen. Schon mancher hat es wohl sehr bereut, sich dazu verleitet haben zu lassen. Das legendäre "Schiff" - eigentlich eine wunderschöne historische Silberarbeit von Ulrich Sauter - spielt dabei eine grosse Rolle. "s'Schiff", "s'Schiff" hört man schon am früheren Nachmittag einzelne Zwischenrufe, die sich im Laufe des Essens (und Trinkens!) zu einer akustischen Armada verstärken, gegen die anzureden der Statthalter oft seine liebe Mühe hat.

Die drei anderen Herrenzünfte halten ihre Zunftessen ebenfalls am Aschermittwoch ab, so dass es sich eingebürgert hat, sich gegenseitig auf den Zunftstuben zu besuchen. Die Zunftgemeinde wird auf diesen Umgängen vom Zunftspiel angeführt, das in seinen wunderschönen historischen, in den Zunftfarben Gelb und Grün gehaltenen Uniformen auch für viele nicht zünftige Bewohner Basels zum bekannten Bild des Aschermittwochs gehört. Der Plan für diese Besuche (eine eigentliche Choreographie mit minuziösem Zeitplan, der selten eingehalten wird) ist seit einigen Jahren Gegenstand eifrigster Debatten. (Früher hat die Weinleutezunft ihr Essen nicht am Aschermittwoch abgehalten, sodass das Reglement einfacher war. Nun gilt es, sich an das neue Reglement zu gewöhnen!)

Den Abend dieses langen Tages verbringen die Safranbrüder dann wieder auf ihrer Stube, wo zu einem einfacheren Mahl, zum Beispiel "Beckenofen", für einen gemütlichen Abend und gute Unterhaltung gesorgt wird. Seit einigen Jahren hat sich aus der Mitte der Zunftgemeinde eine Gruppe - das Saffere-Satyricon - gebildet, die dabei mit gespielten Szenen für pointierte Reflexion sorgt.

Zunftanlässe
Ein weiterer regelmässiger Anlass im Laufe des Zunftjahres ist das weniger formelle "Mässässe", welches eben während der Basler Herbstmesse stattfindet. Nach einem gemütlichen Nachtessen wird auf der Zunftstube gespielt. Beliebt sind natürlich Jasskartenspiele, aber auch Schach-, Bridge- und auch Tischtennisspieler wurden schon gesehen. In einem alternierenden Turnus organisiert die Zunft auch regelmässig einen Zunftausflug und auch einen Familienausflug. Zweimonatlich findet ein "Saffrestamm" (im Zunftrestaurant) satt.

Fabian Sebastian Güntzer
Der Basler Gewürzhändler Güntzer hat im 17. Jahrhundert seiner Safranzunft ein Legat vermacht, aus dessen Ertrag jährlich ein Mahl des Vorstandes für die Honoratioren der Stadt ausgerichtet werden sollte. Bis auf den heutigen Tag wird dieses Mahl als sehr festliches Mittagessen vom Zunftvorstand für eine Anzahl illusterer Gäste an jenem Samstag abgehalten, der dem Geburtstag Güntzers (20. Januar) am nächsten liegt. Die Tafel wird mit schönem Zunftsilber gedeckt und ein Essen von historischer Üppigkeit gereicht. Immer eingeladen werden die Präsidenten von Regierung und grossem Rat, daneben abwechselnd Vertreterinnen (!) und Vertreter anderer Zünfte, der Universität, der Industrie, der Politik und aus der Kultur.

"Safferemärt"
Natürlich können auch einzelne Ereignisse das Zunftleben bereichern. So findet zum Beispiel gelegentlich ein "Safferemärt" statt, wo alte Handwerkstradition gezeigt wird.

Blick über die Mauer
Bis ins 19. Jahrhundert war unsere Stadt von einer kräftigen Mauer umschlossen. Zwar wurde nie auch nur ein einziger Kanonenschuss von der Stadtmauer auf einen Feind abgefeuert, aber das Bild der Welt war sehr eingeengt durch dieses Gefühl der Abgeschlossenheit. Die Mauern sind längst gefallen, die Stadt expandiert, die Wege von Verkehr und Kommunikation werden dichter und dichter. Und in den Köpfen? Wenn ich manchmal Mitbürger über unsere Nachbarn reden höre, sei die Grenze nun der Rhein oder der Dorenbach, scheint mir der Horizont noch immer häufig an einer Mauer anzustossen. Dies wollen wir aber nicht unter Traditionsverbundenheit unserer Zunft verstehen. Ganz im Gegenteil!
In der Schweiz gibt es drei weitere Safranzünfte, mit denen ein sehr freundschaftlicher Kontakt gepflegt wird. Es sind dies die Safranzünfte aus Zürich, Luzern und Mund. Dort im Kanton Wallis findet sich übrigens der letzte europäische Safrananbau nördlich der Alpen. (Früher wurde auch in der Gegend von Basel Safran angebaut!).

Seit vielen Jahren verbindet die Basler Safranzunft eine enge Freundschaft zu einer verwandten Zunft in England. Es ist dies die Londoner Zunft der Handschuhmacher, The Worshipful Company of Glovers of London. (London hat als viel grössere Stadt natürlich viel mehr Einzelzünfte, im ganzen über 100). Gegenseitige Besuche zu den Zunftessen führen zu einem sehr engen, auch persönlichen Kontakt. Wer je die Ehre hatte, an einem Annual Banquet im Londoner Mansion House teilzunehmen, hat eine Vorstellung vom heute noch enormen Traditionsbewusstsein und auch vom grossen Einfluss der Londoner Zünfte.

Text: © 2002 Michael L. Kessler, Statthalter