Zünftige Berufe

WEISSGERBER

Ursprünglich wurde das feinere Leder, das sog. Weissleder von Krämern und Kaufleuten als Importware auf den Basler Markt gebracht. Spätestens seit der 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts gab es aber bei uns selbstandige Weissgerber, welche den Taschenmachern, Secklern und Gürtlern, später auch den Schustern und Buchbindern zu den schönsten Arbeiten den nötigen Lederbedarf bereiteten. Diesen zu Safran zünftigen Handwerkern verdankten die Weissgerber ihre Existenzmöglichkeit. Aus diesem Grunde wurden sie auch auf der Zunft ihrer Abnehmer und nicht auf der Lederzunft der Rotgerber zünftig, trotzdem die Zugehörigkeit zu dieser aus technischen Gründen viel näher gelegen hätte. Der gemeine Weissgerber verarbeitete dünnere Felle von Kälbern, Schafen, Ziegen zu weissgarem Leder. Zu diesem Zweck wurden die Häute in einem fliessenden Wasser gehörig eingeweicht und gut gereinigt, dann auf dem Schabebaum ausgestrichen und darauf gekalkt und enthaart. Nach dieser Prozedur wurden die Häute verglichen, d.h. man schnitt die Ohren, die Fuss- und Schwanzzipfel weg. Alsdann kamen die Häute zwei bis drei Tage lang in eine aus Wasser, Kleie und Sauerteig bereitete Beize, worin sie einer sauren Gärung ausgesetzt waren und wodurch alle Kalkteile entfernt und die Haut poröser wurde. Auf das Beizen folgte die eigentliche Gerbung vermittelst einer Auflösung von Alaun und Kochsalz.

Seit ihrer Niederlassung als selbständige Handwerker wohnten die Weissgerber bis in das 17. Jahrhundert hinein fast ausschliesslich an der Gerbergasse, wo sie das Wasser des Rümelinbaches und Birsigs für ihre Hantierung nutzen konnten. Sie zählten im Mittelalter mit durchschnittlich acht Meistern numerisch und pekuniär zu den mittleren Handwerkern. Im 14. Jahrhundert hatten sie neben dem Haus zur Treue am Rindermarkt ihre besondere Trinkstube. Dass der Beruf in Ansehen stand, beweist die Wahl des Weisslederers Hans Uebisheim, sesshaft im Haus «zum schwarzen Kolben», zum Meister der Krämerzunft im Jahre 1405.

Im Jahre 1501 schlossen sich die Basler Meister dem grossen Handwerksbund der deutschen Weissgerber an, der die vier Hauptladen Frankfurt, Speier, Marburg und Würzburg umfasste. Mit seinem Beitritt unterzog sich das Basler Handwerk der dort geltenden Handwerksordnung. Nach ihr betrug die Lehrzeit drei Jahre. Wer diese nicht getreulich ausdiente, sollte von keinem Meister in deutschen Landen eingestellt werden, «ouch mit demselbigen nit essen oder drincken oder sust gemeinschaft halten by hoher straffe des hantwercks». Offenes oder heimliches Abspannen der Geselle war strenge verboten. Verpönt war auch das Gesellengeschenk: «Item und so bisher under den gesellen ein gewohnheit gewest, wan ein frembder gesel oder mer in ein stat komen sein, so sein die knecht alle von irer arbeitt uffgestanden und mit den frembden zu wein gangen, dadurch die meister an irer notturftiger arbeit gehindert worden sein, ist nur furter beredt, das nit merer dan ein knecht, den sie darzu verordnen sollen, uff stehen soll und den frembden gesellen getruwlichen zu erbeyt verhelfen, und die andern sitzen blieben bey pene und straff noch erkentnus des hantwereks».

Ohne begründete Ursache sollte kein Geselle während der Woche Urlaub nehmen, sondern nur auf Sonntag zu Mittag. Hatte ein Geselle von seinem Meister Vorschuss erhalten, so sollte er diesen dem Meister nicht in Geld zurückerstatten, sondern mit getreuer und redlicher Arbeit abverdienen.

Berufliche Anstände, Späne und Irrungen zwischen Meistern und Gesellen sollten vor dem Handwerk resp. vor den vier genannten Hauptladen ausgemacht werden, konnten aber zu letzter Entscheidung jeweilen an der Frankfurter Messe vor das Frankfurter Handwerk als Appellationshof gezogen werden. In jedem Fall hatte der Kläger vor Anhörung seiner Klage dem Handwerk einen alten «Thornus», zu zahlen. Was an Geldbussen ausgesprochen wird, fällt zur einen Hälfte den Meistern, zur andern der Gesellenschaft zu.

Wenn der Meisterschaftsverband in der Frankfurter Messe «von gemeins hantwercks wegen» tagte, hatte er vier der «verständigsten und redlichsten» Gesellen, die in Frankfurt waren, zu seinen Beratungen beizuziehen, «damit die Gesellen sehen, dass desto redlicher mit den sachen umgegangen werde».

Zweifellos trug Basels Zugehörigkeit zum deutschen Handwerksbund zur gewerblichen Stärkung der Basler Meister bei. Nachdrücklich verlangten sie anlässlich der 1521 vom Rat vorgenommenen grossen Enquete über Schäden und Mängel in den Basler Gewerben und Handwerken ein striktes Verbot des Fellimports und des Detailverkaufs durch Krämer und sogenannte «Samentkäufer». Der Rat erkannte denn auch, es solle kein Kaufmann oder Krämer Felle oder Leder, so die Weissgerber hier machen, weder einzeln noch in Stücken in ihren Häusern oder Läden teilhaben, sondern die Weissgerber, denen solcher Verkauf allein zustehe, ungeirrt und ungesäumt lassen. Nur im Kaufhaus stand den Kaufleuten der Fellverkauf - aber nur für Felle über einen Gulden Wert - frei.

Derart brachte die Zunftreform von 1526 dem Handwerk das ausgesprochene Monopol auf den Verkauf von Weissleder, ein Handwerksprivileg, das 1536 neuerdings bestätigt wurde. Dank dieser Vorzugsstellung erfreute sich das Weissgerberhandwerk eines starken Aufschwunges und entwickelte sich zu einer namhaften Exportindustrie, die neben der einheimischen Messe und dem Zurzacher Verenämarkt sich insbesondere die Strassburger Messen als wichtigsten Absatzmarkt für ihre Produkte sicherte. Die von ca. 1550 bis 1650 dauernde Blütezeit, welche das Basler Handwerk anerkanntermassen zum Vorort der eidgenössischen Weissgerber aufsteigen liess, war durch das in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus Sulz und St. Pilt zugewanderte Weissgerbergeschlecht Recher inauguriert worden.

Das Basler Weissleder stand in der Folgezeit dermassen in Ansehen, dass seine Verfertiger 1588 zum Schutze gegen Usurpation seines guten Namens zu folgender Massnahme griffen: «Wann die Weissgerber in der Messe feil haben und ihren Diener des Ladens liessen warten und die Gesellen von den Käufern gefragt würden, von wannen sie wären vermeinend es wären fremde Meister, so sollen sie - die Diener - bei ihrem Eid anzeigen, wer ihr Meister ist und dass die Ware hier bereitet worden und nicht anderswo ... »

In der Blütezeit des Handwerks hielt nicht nur der tägliche Rhythmus der Arbeit, sondern ein vom Reich ausgehender gewerblicher Kampf die Kräfte der Weissgerber rege. In Deutschland hatte sich nämlich das Handwerk gespalten. Die schwäbischen Meister sagten sich von der alten Gemeinschaft mit den rheinischen Berufsgenossen los, weil diese burgundische Gesellen förderten. Der im Reich darob tobende scharfe Kampf warf seine Wogen auch nach Basel, wo sich 1558-1565 nicht weniger als fünf Meister aus dem Schwäbischen und Nassauischen Bürgerrecht und Zunft erworben hatten. Im Basler Weissgerberhandwerk hatten aber zuvor auch etliche welsche Lederbereiter Duldung gefunden. Ihretwegen kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Zunft und Rat sahen schliesslich keinen anderen Ausweg als Weissgerber und Lederbereiter zu gesonderten Handwerken zu erklären und durch Aufstellen von Satzungen beider Arbeitsbereiche abzugrenzen.

So kamen 1568 die Weissgerber zu ihrer eigenen Handwerksordnung. Sie bedeutete einen Sieg der schwäbischen Richtung, da sie die Meister verpflichtete, keine Welschen als Lehrlinge aufzunehmen.

Daneben enthält sie scharfe Bestimmungen über die Währschaft der Ware und Arbeit. Jeder Meister, der den Häutehandel treibt, soll jede Haut selbst unterscheiden und mit ihrem Namen bestimmen, damit nicht ein Schaffell für ein Geissfell, ein Geissfell für ein Bockfell, ein Bockfell für ein Hirsch-, Reh- oder Gemsfell, oder Kalbs- und Kuhhäute gar für Elendshäute, «also das schwächer für das besser kaufs- und vertriebsweise» hingegeben werde. Wer das überfährt, hat die verkaufte Ware wieder zu seinen Handen zu nehmen und ist dem Käufer zur Rückerstattung des Geldes pflichtig, nebst einer Busse von einer Mark Silber, die zu halben Teilen an die Obrigkeit und an die Zunft fällt.

Wenn ein Meister Felle oder Häute irgendwelchen Gattung zu bereiten annimmt, so hat er nach der Zubereitung die empfangenen Häute und keine andern dem Kunden zu geben, bei vier Gulden Strafe im Widerhandlungsfall.

Mehrfache Übertreter sollen aus der Zunft gestossen und ihres Handwerks «entsetzt und beraubt» werden.

Der im Reich nicht zur Ruhe kommen wollende Gegensatz zwischen schwäbischen und rheinischen Meistern trug auch nach Basel wiederum Zwiespalt, so dass die hiesigen Weissgerber rheinischer Observanz die Gemeinschaft mit dem Handwerk aufhoben und sich in den 1570er Jahren als besondere Meisterschaft mit eigenem Bottmeister zusammentaten. Eine 1586 durch die Zunft veranlasste offizielle Einigung  war nicht von Dauer. Während des Dreissigjährigen Krieges trat nochmals eine Trennung ein, wobei sich die Gemüter bis zur gegenseitigem Verpönung erhitzten. Die schwäbische Partei behielt aber wieder die Oberhand, da der Zunft bis ins 17. Jahrhundert hinein mehrteils Meister schwäbischer Provenienz, aus Ulm, Reutlingen, Blochingen, Schwäbisch Gmünd und Schwaz  zuströmten. Die Rivalität trat letztmals offenkundig zutage, als 1672 das Handwerk den jungen Meister Lux Geymüller vor dem Zunftgericht verklagte, weil er wider Brauch mehr als drei Gesellen hielt. Geymüller wandte ein, die Ordnung beziehe sich nur auf schwäbische Gesellen; rheinische Gesellen könne ein Meister halten so viel er wolle; auch seien die rheinischen Gesellen nicht schuldig, sich umschauen zu lassen, sondern könnten nach ihrem Belieben in eine Werkstatt eintreten. Der Zunftvorstand liess es aber bei der alten Ordnung von 1568 bewenden, dergestalt, dass ein Meister nur zwei Gesellen und einen Lehrling oder drei Gesellen und keinen Lehrknaben zu halten berechtigt sei.

Das Arbeitsverfahren der Weisslederei hatte einen Übelstand im Gefolge, den das Mittelalter als unabwendbar ohne weiteres geduldet hatte, der aber in der Folgezeit Bürgerschaft und Rat auf die Nerven gab. Das waren die bei der Lederbereitung entstehenden schlechten Gerüche. Solche gab es schon beim Leimsieden, einer Nebenarbeit aus den Abfallprodukten der Felle. Besonders üble Dünste aber entwickelte die Bereitung des sämischgaren Leders, das ohne Anwendung von Lohe oder Alaun durch anhaltendes Walken mit «Fischschmalz» (Tran) bereitet wurde.Endlich war auch das Färben der Häute eine Hantierung, die keineswegs Wohlgerüche verbreitete.

Schon in der Handwerksordnung von 1568 hatten Zunft und Rat all diesen Übelständen erstmals ihr Augenmerk geschenkt. Den Weissgerbern wurde geboten, ihre Werkstätten an gebührenden Orten und Enden zu haben und die Häute nicht wie bisher geschehen, in ihren Läden zu bereiten, damit sich niemand des Geschmacks halben zu beschweren habe. Im Jahre 1582 erwog der Rat allen Ernstes, die gesamte Weissgerberei vor die Stadttore zu verweisen. Den stichhaltigen Einwänden der Meisterschaft - Inkonvenienz der Arbeitszeit und Torzeit, sowie Unsicherheit des ausserhalb der Ringmauern gelegenen Geländes - konnte die Obrigkeit ihr Ohr nicht verschliessen. Sie war bereit, sich mit einer Verlegung der Betriebe in die Vorstädte zu begnügen, sah schliesslich aber auch von dieser Massregel ab, als die Weissgerber sich anerboten, ihre Tranbeize in der Walke der Rotgerber vor dem Steinentor vorzunehmen. Im Jahre 1585 musste der Rat neuerdings gebieten, das Färben der Häute in der Stadt zu unterlassen. Da zwei Jahre darauf die Rotgerber die Weisslederer von der Benützung ihrer Walken ausschlossen, griffen die alten Übelstände Platz. Mochte auch die 1600 ergangene Klage der Bürgerschaft, es werde dadurch eine ««pestilenzische Sucht unter den Menschen erweckt»  übertrieben gewesen sein, eine angenehme Nachbarschaft waren die Weissgerberwerkstätten kaum. Noch im Jahre 1685 begründeten die beiden Weissgerber Hans Jakob Müller und Johannes Müller ihr Gesuch um Zuweisung eines Platzes am Teich zwischen Brüglingen und der Walke bei St. Jakob zur Errichtung einer Walkmühle mit dem Hinweis, dass sie dort wegen des «starken Geschmacks» keinem Menschen beschwerlich fallen würden. Der starke Rückgang des Gewerbes gegen Ende des 17. Jahrhunderts liess Zunft und Rat schärfere Bestimmungen wegen der Geruchbelästigung vergessen.

Noch ist zum Schluss ein Wort über die Konkurrenz und Eingriffe zu sagen, die den Weissgerbern durch andere Gewerbe und Handwerke geschahen. Zunächst durch die Kaufleute. Zwar hatte schon bei der grossen Zunftreform von 1526 der Rat die Krämer und Kaufleute, die Fellhandel trieben, mit aller Deutlichkeit in die Schranken des Kaufhauses gewiesen und den Verschleiss eindeutig den Weissgerbern zugewiesen. Die Ordnung von 1568 wiederholte solches. Trotzdem ergingen immer wieder Klagen über unerlaubten Verkauf von Hirsch-, Gems- und Bockleder an Soldaten und andere Leute. Im Jahre 1633 wurden namentlich die Kaufleute Ratsherr Emanuel Schönauer und sein Sohn Emanuel, ferner Hieronymus Frey , Melchior Im Hof , Hans Georg Russinger und Jakob Schreiber solcher Praktiken geziehen. Ihre Entschuldigung, es handle sich darum, die Kunden, «so eilends durchpassieren», rasch neben andern auch mit diesen Waren zu «sortieren», liess der Rat nicht gelten. Der 1636 dem Weissgerberhandwerk neu erteilten Handwerksordnung wurde denn auch die alte Bestimmung von 1526 als erster Artikel wieder wörtlich einverleibt

Der immer grössere Dimensionen annehmende Lederhandel der Kaufleute wurde im September und Dezember 1640 Gegenstand eingehender Erörterungen der zu Zurzach tagenden Weissgerber, der Meister und Gesellen, des «loblichen schweizerischen und schwäbischen Kreises» an welcher Tagung neben Basel dreizehn andere Städte der Eidgenossenschaft und der Reiches vertreten waren. Das Ergebnis dieser und nachfolgender Verhandlungen bildete der 1641 durch das gesamte Grosshandwerk zu Zurzach erlassene Freiheitsbrief der Weissgerber  zum Schutze gegen die Lederhändler.

In Basel waren es bezeichnender Weise Refugianten, wie die Thierry und Fattet, die trotz Brief und Handwerksordnung vom Lederhandel nicht lassen wollten, zumal es ihren Gegnern oft schwer fiel, vor den Ratsbänken den Nachweis einer dolosen Handlungsweise zu erbringen.

Wo die Weissgerber aber ihrer Sache sicher waren, da griffen sie rücksichtslos zu. So verklagte 1675 das Handwerk den jungen Ludwig Iselin zum Hasen mit der Anschuldigung, er habe «Ochsenhaut so gleich elendsleder gearbeitet», in seinem Laden öffentlich feil. Iselin. beteuerte, es handle sich um «rechtes Büffelleder», das er nicht stückweise, sondern dutzendweise verkaufe, wie es den Kaufleuten erlaubt sei. Die Zunft gebot ihm, bei Strafe einer Mark Silber den Verkauf in seinem Laden augenblicklich zu sistieren und seinen Ledervorrat in das Kaufhaus zu legen.

Von den beruflichen Reibereien zwischen Weissgerbern Secklern und wird bei den Secklern noch die Rede sein. Stümpeleien gegenüber den Weissgerbern liessen sich auch die Schuhmacher zu Schulden kommen, indem sie Koller und andere lederne Kleidungsstücke wuschen. Im Jahre 1634 gingen die Weissgerber so weit, den Schuster Jakob Ritter «der durch Gottes hilf in der fremde erlernt, goller zu steppen und zu waschen» einen Schelm und Dieb zu schelten. Ritter suchte vor der Safranzunft um Reparierung seiner Ehre nach, erhielt aber den Bescheid, das Steppen möge er wohl ausüben, das Waschen hingegen gebühre allein den Weissgerbern. Man darf bei einem solchen Entscheid nicht vergessen, dass jede Zunft in ängstlicher Wahrung der Handwerkskompetenzen so handelte. Das musste 1642 auch der Weissgerber > Heinrich Fischer erfahren, der den Kürschnern ins Handwerk pfuschte. Seine Bittschrift und die Ahndung seines Vergehens sindfür die Zunft- und Handwerksverhältnisse überaus typisch. In seiner beweglichen Supplikation schrieb Fischer: «Dieweyl der schlag leider gotterbarmen mich auf einer seiten also getroffen, dass ich auf gedachtem weissgerberhandwerck nicht mehr arbeiten, desgleichen meine hausfrau an ihren armen so arbeitsseelig und übelmögend, dass sie keine buchenen, weschen und dergleichen schwere arbeit nicht mehr vertragen kann, derentwegen damit wir unseren gnädigen herren nicht überlästig werden, sondern uns mit gott und lehren ausbringen und ernähren könnten, habe ich hasen und küngelin bälg zu bereiten und meine frau halskräglin und gar schlechte kindtskäplin daraus zu machen angefangen und hierdurch neben versehung von lohnwachten unser nahrung nach unserm vermögen gesucht.» Fischers Rechtfertigung fand aber vor Meister und Sechsern zu Kürschnern taube Ohren. Sie verboten ihm jeden Eingriff in ihr Handwerk und liessen ihm kurzerhand die fertige Ware - bei zwanzig zubereitete Hasenbälge - Lädelein wegnehmen Diese Strenge ging den Stadtvätern zu weit. Der Rat erkannte, es solle Fischer demütig eine Ehrenzunft um Restitution der abgenommenen Sachen bitten, Ratsherr und Meister dagegen zugesprochen werden, weil Fischer seines elenden Leibeszustandes wegen ein armer Geselle sei, möchten sie ihn förbass arbeiten lassen ... Unter sich selbst sahen die ältern Weissgerber ihre jüngeren Berufsgenossen oft scheel an; auch nur die Spur eines persönlichen Vorteils liess sie der Kollegialität vergessen. Auf solche Missgunst deuten die Vorwürfe und Schikanen einiger alter Meister gegen zwei junge Weissgerber, die auf dem Kornmarkt an den gewöhnlichen Markttagen Mittwoch, Freitag und Samstag Stände hielten und dort ihre Häute verkauften und dadurch, nach Ansicht der Kläger, «die ihre Häuser sehr teuer erkauft und teure Läden hatten», diesen den Gewinn vor der Nase wegschnappten! Die Zunft wies allerdings die neidischen Meister ab mit, der spitzen Bemerkung, «wann kläger klagens nit ab sein können, sollen sie für u. g. h. kehren und sich entscheiden lassen». Verhielt man sich so schon gegen seine Mitmeister ablehnend, umso viel feindlicher gegenüber Fremden. Wir sehen darum seit Mitte des 17. Jahrhunderts das Weissgerberhandwerk auf wenige einheimische Geschlechter, Geymüller, Müller, Frischmann, Im Hof und Oser konzentriert. Einen Beleg für die Zugeknöpftheit und engherzige Beschränkung gegenüber anerkannt tüchtigem Können gibt der von sieben Meistern und sieben Gesellen unterschriebene «Consens-Schein» unter dessen Bedingungen 1745 ausnahmsweise einem fremden Weissgerbermeister Aufenthalt gewährt wurde:

«Eine ehren meisterschafft der weissgerber alhier zu Basel thut sich hiemit öffentlich erklären, dass wan unsere gnädige herren, e.e. wohlweiser rath der stadt Basel, meister Johann Augustus Schuman, den weissgerber von Lörrach, unter caution meister Balthasar Osers, des weissgerbers, zum schirmsverwandten anzunehmen gnädig geruhen, sie denselben daran keines wegs hinderlich sein wollen, behalten sich aber vor, dass er Schumann keine fähl weder sämisch noch weissgar für sich selbsten noch für andere gerben, kein handel weder mit gegerbter noch rauher wahren treiben, keine goller, cammischler oder hosen waschen und keine gearbeite fähl zu ferben annehmen soll, welchem allen den derselbe getreulich nachzukommen verspricht. Darbey verpflichtet sich auch meister Balthasar Oser, obgemelt ihme Schuman das jahr durch arbeit genug zu geben und zu verschaffen, dass er genug nahrung haben mag, indessen soll er Schuman auf benötigten fahl anderen meistern auch behülflich sein, doch dass es mit vorwüssen meister Balthasar Osers bescheche und dieser alle zeit den vorzug habe ».