Zünftige Berufe

TASCHENMACHER

Die «Tescher» oder Taschenmacher  bildeten seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar ein krämerzünftiges Handwerk. Sie waren die Verfertiger eines der mittelalterlichen Tracht unentbehrlichen Gebrauchsgegenstandes: der ledernen, bisweilen auch mit Fischhaut überzogenen Taschen die am Gürtel getragen wurden.

Ihr frühestes, 1413 unter Zunftmeister Konrad zum Haupt genehmigtes Kondikt  gibt Auskunft über die Technik ihres Gewerbes, über das Gesellen- und Lehrlingswesen und über die Strafe bei gewerblichen Vergehen. Die Artikel lauten wie folgt:

«Des ersten das man das überleder sol machen von einer leyele ... Item und was man stücklet, es sig lid oder boden, flügel oder hen ..., das sol man stücklen mit dem trot oder mit einer st ... nadlen, nit me denne ein stück an den boden und sol das stück nit alt sin. Item wil er ein schlüssel fuoter daruff machen, das sol verwulst sin, was über den III s. model ist, das sol also sin und die übergurt söllent guot sin oder ein hilff dazu mit gantzen stützen machen. Item die böden söllent eines tumen breit minre sin danne die lid und nit me. Item das nadelblatt sol eines tumen breit nider sin von dem höfften und nit minre und söllent alle verwulst sin. Item der knopf an dem seckel sol über den belegriemen ußgon. Item alle stück söllent geneyet sin. Item und was man ander teschen hie veil hat, die sol man ouch schouwen.

Item die meister, die hie seßhafftig sint und zunfft haben, do sol einer nit me setzen, noch bi im ze wercken lossen, denne zwen lon knecht und einen lerknaben. Item wenne des lerknaben jor ußköment, so mag er einen andern lerknaben dingen in dem hindersten jor und nit ee. Item keme ein frömder knecht bar, so mag im ein meister ze wercken geben vierzechen tag und nit me.

Wer diss ordenung überfert, der git von jedem stück XVIII d. und als vil das vint.»

Dass die Taschenmacher neben dem Handwerksrecht auch schon frühe auf persönliche Reputation hielten, beweist eine am 3. Februar 1422 von Zunftmeister und Sechsern ausgestellte Urkunde zu Gunsten der Taschenmachergesellen Ulrich Bollierer. Sie bezeugt auf seine Bitte wegen der ehrenrührigen Reden, die über ihn geführt wurden, dass ihm Unrecht getan worden und er fromm und biderb sei.

Während der Konzilsjahre erfuhr das Handwerk eine bedeutende Zunahme, traten doch von 1434-1441 zehn Meister der Zunft bei. Der Mehrzahl nach waren es Zugewanderte aus Nürnberg, Nördlingen. Straßburg, Zürich und Feldkirch. Einige von ihnen finden wir während der Hochkonjunktur als Mieter der am Zunfthause vorgebauten Verkaufsgaden. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts machte sich ein starkes Abebben geltend, indem durchschnittlich nur alle fünf Jahre ein Taschenmacher sich Zunftrecht erwarb. Auch hier handelte es sich fast ausschließlich um Neubürger, unter denen vier Nürnberger figurieren.

Den bedeutendsten Betrieb scheint damals der 1450 zünftig, aber erst 1457 Bürger gewordene, wohlhabende Joachim Morauer mit seinen beiden Schwiegersöhnen besessen zu haben. Er wurde deswegen von den andern safranzünftigen Taschenmachern angefeindet. Im Jahre 1469 kam zwischen der Krämerzunft einerseits und Morauer und seinen Tochtermännern andererseits ein Vergleich zustande, dass fortan jeder der drei Genannten eine eigene Behausung haben, d.h. auf eigene Rechnung arbeiten solle. Im übrigen aber sollten die andern Taschenmacher die drei Meister «ihr jeglichen drei Knechte haben lassen und ihnen keinen Eintrag darin tun ».

Im 16. Jahrhundert erlosch allmählich das Handwerk. Die Eintrittsrodel erwähnen nur noch drei Taschenmacher oder «Gollermacher» wie sie das offizielle Verzeichnis  der safranzünftigen nunmehr auch nannte. Der letzte Vertreter, Jakob Huser, ein Gollermacher von Renningen aus der Vogtei Schenkenberg kaufte sich 1588 ins Bürgerrecht  ein, ohne aber der Safranzunft beizutreten.