Zünftige Berufe

STUBENGESELLSCHAFT UND FESTLICHKEITEN

Wie die gewerblichen Rechte und Pflichten in der Zunft und in den Handwerksordnungen, die kirchlichen in der Bruderschaft und deren Satzungen, so treten uns die gesellschaftlichen Gepflogenheiten der Safranzünftigen in der Stube und dem Stubenrecht entgegen. Die Stube auf dem Zunfthaus diente vor allem der Gesellschaft. Sie war der Ort, wo das gesellige, weinfröhliche und oft ausgelassene Leben der Gewerbsgenossen frei zutage trat. Auf der Stube, die weder öffentliches Wirtshaus noch Herberge war, sondern nur den Stubengesellen offen stand, fand der Zünftler bei seinesgleichen Unterhaltung, Spiel, Speise und Trank. Hier konnte er auch einen guten Geschäftsfreund aus der Fremde oder sonst einen Biedermann, dem er Ehre erweisen wollte, einfuhren. Hier feierte er mit den Seinen freudige Familiengeschehnisse, wie Brautlauf und Kindstaufe und beim Tode eines Angehörigen hielt man auf der Stube den Leichenschmaus. Das waren die «Schenkenen» zu Freud und Leid, von denen in den mittelalterlichen Zunftakten viel die Rede ist. Eine besondere Ordnung regelte Wesen und Treiben in diesem Raum. Die älteste Stubenordnung der «geselschaft zem Safrant» reicht in das Jahr 1372 zurück und hat folgenden Wortlaut: «In dem ior do man zalte von gottes geburt XIII C ior in dem LXXII ior an dem nechsten zinstag vor der phaffen vasnacht do wart dis ordenung zum ersten gesriben noch unsers briefz lut und sag, den wir dar uber hant durch friden willen und durch unsers notdurff und nutzes willen und hant ouch daz gelopt stet ze hant by der truwe an eines eyd stat do wider nie mer ze tuont.

  • It. dez ersten wir sönt wissen, weller ie stuben meister ist, der selb meister und sin fier sönt aller stukken gewaltig sin waz wir ie ze schaffen habent, es sig klein oder gross ze erkennent, ze richtent, on all einen gesellen von der stuben ze verstossent, daz sol ein gemeint tuon.
  • It. es ist ouch ze wissent, weller den andern heist sin muotter gehygen frevelich oder einen heist liegen vrevelich oder ander scheltwort, die denen gelichen, der git V s. d. on genad.
  • It. es ist ouch ze wissent, weler uber den andern uff wist in zorn wis ald in ubel oder uber in tringe, der git ouch V s. d.
  • It. weller ouch gegen den andern schlügy und in nüt ruorte noch en treffe, der git V s. d.
  • It. ist aber, daz er in trift oder rürt, der git X s. d.
  • It. weller uber den andern messer zukt, der git ouch X s. d.
  • It. ir sönt ouch wissen, weller ie wirt sol sin, dem es geseit wirt, der sol es sin, duot er sin nüt, so sol er V s. gen, er en slach sich den daz in benügt den meister und sin vier.
  • It. weler mit einem andern spilt, den mit einem stuben gesellen, als dick alz man ims verbüt und er es dar uber me duot, alz dick git er VI d.
  • It. ir sönt ouch wissen, wel zwen sitzen und spilent mit en andern wen do der meister und sin vier oder der wirt oder der knecht sy heissent ab hin sitzen nid wendig dem krütz, alz dick sy dz nüt en duont so mans inen gebüt, git er VI d.
  • It. wen ein meister und sin vier einen heissent sriben und dz nüt enduot, alz dik er es uber set, der git VI d. on genod.
  • It. wen ein meyster oder ein fierer ein heisset zuo der ürten gon, alz dick erz nüt enduot oder wider redet, so git er VI d.
  • It. wen der meyster oder sin einen fier heisset ze tisch dienen, wer sich dez wert und er ez nüt enduot, so git er VI d.
  • It. weller zuo der ürten got ungebotten, so mans in nüt heist und luogen wil, waz man ze schaffen hat oder ieman stroffen wil von der ürten, als dick er dz tuot, so git er Vl. d.
  • It. ir sönt ouch wissen, wie wir es geordenet haben von der schenke wegen, wie man die schenke halten wil; weler unser gesel ist, dem man schenken wil unn sol, der git V s. d. von sins selbz wegen, oder von sinen kinden wegen, oder von siner swester wegen oder von sines bruoder wegen, der git ouch V s. d., oder ob einer einen stief sun het oder ein stieff dochter, eb sy sin muos und sin brot essynt, der git ouch V s. d. wölt aber einer, daz man im fürbas diendy von siner fründen wegen, der git einen guldin, mag ers han an dem meister und an denen gesellen, daz sy im schenken welen.
  • It. man sol ouch wissen, daz nieman den andern sol füeren von der kilchen oder von den boren und von der touffe, er sig den gesel hie, wer daz brechy und ein bar fuorte, der nüt gesel wer, der git V s. d. on genod.
  • It. ir sönt ouch wissen, daz nieman dem andern sol die stuben verbietten, gebristett ieman unn an dem andern, daz sol er dem meister unn sinen fieren sagen und sol nieman im selber richten, wer aber ieman dar uber hiessy ab der stuben gon, der git V s. d.
  • It. es sol ouch kein knecht har uff gon zeren, es sig den ze liep oder ze leit.
  • It. ir sönt ouch wissen, waz wir ze schaffen haben in allen sachen, do lossen wir uss unser zunftmeister nun unsern rot herren unn rot nun meyster und unsern zunft knecht.
  • It. ir sönt ouch wissen alz wir unser iorzit begont gewonlich ze phingsten, an der mitwuchen, in den virtagen, und wem dar [zuo] gebotten wirt und nüt dar kunt, der git einen fierdling wachz an die kertzen.
  • It. wissent ouch, wem man ab der stuben schenken sol zuo denen brüten und so mans vordret, der sol alz menig schebelin har uff dise stuben geben alz vil der gesellen ist und söllent zwen die scheppelin umbtragen, die man dar zuo ordenet und sönt die zwen ieglichem sin scheppelin heim tragen und wem dz scheppelin geschikt wirt, der sol dem botten alz vil geltz geben als der meister und sin fier dar zuo geordenet haben, er sig in der stat oder nüt und wen erz git, so mag er doheim, beliben oder mag dar gon.
  • It. weler mit dem andern spilt höcher den umb einen d. verbotten zwen mit geferden, alz dik sich daz enphint, der git X f., allerleyg spil dar über daz und wer spilte nach der ürten, der git X s. d.
  • It. es ist ze wissent, daz man niemant schenken sol, dem ein kind stibt under V ioren, want ein morgenbrot und einen inbiss, stirbet ez zem dorff, so sol man im nüt schenken, und sol man ouch nieman schenken, dem ein frünt stirbet zem dorf oder anderswo, er sig den sin vatter oder sin muotter oder sin bruoder und sin schwester, es wer den daz er sin no wendig frünt wer und er selber by der bor wer und ein kertzen truegy, so sölt man im schenken.
  • It. es ist ze wissent, wen man zuo einem stubenmeister setzt, daz er sin sol, wo erz nüt endete, so sol er von sinen stuben rechten sin, er koufz den wider oder enslach sich vor dem meister und sinen fieren. ob erz von redlichen sachen nüt tuon möchty.
  • It. es ist ze wissent, daz wer die geselschaft zem Safrant enphahen wil, daz der geben sol IIII guldin und einen halben guldin an daz geschirr und sol die IIII guldin geben inwendig einem monat, det er dez nüt, so wer er komen umb den halben guldin, den er git an daz geschir.
  • It. es ist ze wissent, daz der meister und sin fier erkent haben, wen daz ist, dz einer abgot, der gesel ist zem Safran, der kint het, die knaben sint, ir sig wenning oder vil, so möchte einer under dien knaben der unser zunft het und mit uns dienet, kouffen die gesellschaft an sines vatters stat umb einen guldin unn einen halben guldin an daz geschir, und der andren en keiner me, den umb so vil geltz alz einem frömden ob er mit uns diendy.
  • It. man sol ouch nie niemant die gesellschaft lichen, er diene den mit der zunft.
  • It. ditz ordenung hant die gesellen zem Safran gemacht dur nutz und dur notdurft willen und dur friden willen, unsern herren iren rechten unschedlich in allen sachen.»

Heben wir die wichtigsten Punkte dieser 1372er Ordnung hervor: Die Gesellschaft zum Safran wurde niemand geliehen, der nicht mit der Zunft diente. Die Eintrittsgebühr betrug die ansehnliche Summe von vier Gulden nebst einem halben Gulden an das «Geschirr», der mit dem Eintritt zu entrichten war. Wer die vier Gulden nicht inwendig eines Monats erlegte, verlor sein Geschirrgeld. Starb ein Stubengeselle mit Hinterlassung von Söhnen, so hatte einer derselben, sofern er safranzünftig war, das Vorrecht, um einundeinhalb Gulden an seines Vaters Statt Gesellschaftsmitglied zu werden, während für die anderen Söhne, gleich Fremden, die volle Einkaufsumme galt.

Das Stubenrecht handhabten der Stubenmeister und vier ihm zugeteilte Gehilfen, die «Vierer», späterhin auch Irtenmeister genannt. Denn ihre wesentlichste Aufgabe bestand darin, die Uerte zu machen,d.h. bei jeder Zusammenkunft den Verbrauch von Speise und Trank zu kontrollieren und den auf jeden Teilnehmer entfallenden Geldbetrag einzuziehen.

Weiter sorgten Stubenmeister und Vierer dafür, dass die Tisch- und Anstandsgebote beachtet wurden. Sie besassen das Recht, auf der Stube gefallene Scheltworte, Lästerungen, vorkommenden Unfug wie Raufen und Messerzücken mit Geldbussen und Verweisung ab der Stube zu ahnden. Ausgenommen von ihrer Strafgewalt waren Zunftmeister, Ratsherr, Sechser und der Zunftknecht. Die Ausstossung eines Stubengesellen wegen schwererer Vergehen konnte nur die Gesellschaft in corpore beschliessen.

Besondere Aufmerksamkeit hatten die mit der Stubenordnung Betrauten dem viel gepflegten Karten- und Würfelspiel zu schenken. Nur den Stubenmitgliedern unter sich war das Spiel erlaubt. Wer mit einem Nichtstubengesellen kartete oder würfelte, unterlag jedesmal einer Busse von sechs Pfennig. Den Spielenden war auf der Stube ein besonderer Platz, «nidwendig dem krütz» angewiesen; wer sich trotz Mahnung an einen andern Ort zum Spiel setzte, verfiel in Busse.

Nach altem Herkommen hatte der Stubenknecht Karten und Lichter zu besorgen und durfte dafür von einem neuen Spiel Karten 1 s. und von einem gebrauchten Spiel 2 Rappen nehmen; von einer Kerze, die er den Spielern darsetzte, gehörte ihm ein Rappen.

Dann regelte die Stubenordnung die Schenkenen zu Freud und Leid. Wenn man einem Stubenmitglied wegen seiner selbst, oder wegen einem seiner Kinder oder Geschwister, oder wegen eines Stiefsohnes oder einer Stieftochter, die sein «Mus und Brot» assen, schenken wollte, so hatte der Betreffende von sich aus fünf Schillinge daran zu bezahlen. Wollte aber einer, dass man ihm von wegen seiner Freunde eine Schenke anrichtete, so hatte er der Gesellschaft einen Gulden abzustatten. Wer nicht der Gesellschaft Angehörige bei Taufe, Brautlauf oder Grablege auf die Safranstube führte, musste ohne Gnade fünf Schillinge geben.

Ein hübscher Brauch war mit der Brautlaufschenke verknüpft. Wem man bei solchem Anlass schenkte, der hatte vor dem Fest so viele «Scheppelin» 5 auf die Stube zu geben, als sie Mitglieder zählte. Zwei dazu geordnete Gesellen trugen jedem Mitglied einen solchen Kopfputz heim ins Haus. Wem das Scheppelin geschickt wurde, der hatte den Boten soviel Geld einzuhändigen, als Stubenmeister und Vierer pro Person festgesetzt hatten. Doch stand es jedem nach Entrichtung seines Anteils frei, zur Brautgastierting zu kommen oder ihr fern zu bleiben.

Endlich gebot die Stubenordnung ihren Mitgliedern an den kirchlichen Festen, vorab an der Jahrzeitfeier zu St. Andreas teilzunehmen. Wer dazu nicht erschien, war zur Bezahlung eines Vierlings Wachs an die Kerzen verpflichtet.

So die Stubenordnung von 1372 mit ihrer Regelung der Zunftgeselligkeit. Der jeweiligen Lebensart entsprechend, erhielt sie in den nachfolgenden Ordnungen Abänderungen und Ergänzungen, bis mit der letzten Stubenordnung vom Jahre 1535 der Begriff des exklusiven Stubenrechts zu schwinden begann.

Wichtige Stubensache aber blieben nach wie vor die grossen Mahlzeiten an den Ehrentagen der Zunft.

Die mittelalterliche Vorläuferin der solennen Zunftessen des 17. und 18. Jahrhunderts ist unstreitig bei allen Basler Zünften in der Neujahrsgallerte und dem mit ihr verbundenen Schmaus zu suchen. Das ist der «Galrey», der jeweilen «uff das nüw ingend jore, zu dem achtesten tag»die ganze Zunftgemeinde zu fröhlichem Beisammensein veranlasste. Bei dieser Gallerte handelte es sich um ein Gericht, das schon seit Jahrhunderten bei festlichen Anlässen auf den Basler Tisch kam. In seiner Urform figuriert es bereits in der ältesten baslerischen, um 1180 entstandenen Speiseordnung, die dank Wurstisens Sammeleifer uns wenigstens in einer Abschrift erhalten blieb. Nach ihr war nämlich der Dompropst verpflichtet, sämtlichen Domherren zu Weihnachten und Ostern als ersten Gang des umfangreichen Mittagsmahles eine aus jungen Schweinen hergestellte Gallerte vorzusetzen.

Der Neujahrsgallerte der Zünfte kam im 15. Jahrhundert eine solche Bedeutung zu, dass es Meister und Sechser nicht für unwürdig erachteten, die Art der Herstellung und den verursachten Kostenaufwand, gleich wichtigen Ratserkenntnissen, schriftlich ihren Zunftbüchern einzuverleiben. Solches taten die Brotbecken mit der frühesten Erwähnung vom Jahre 1450; so geschah es bei den Kaufherren zum Schlüssel und bei den Krämern zum Safran, in deren Rechnungsbuch der «Gallereigen» seit den 1460er Jahren angeführt wird. Es war jene Zeit starker Blüte des Gewürzhandels und die Basler Krämer mochten in ihrem ureigensten Interesse handeln, wenn sie den Geschmack des Basler Publikums für diese gewürzreiche Speise erzogen. Derart wurde der Galrey mit einem Stolz, der seinen guten Grund hatte, ständiger Neujahrsgast, dem die Safranzunft die Ehre eines eigens zu seinen Zwecken geführten Buches zuteil werden liess, das sie 1491 von dem Buchdrucker Hans von Kempten kaufte. Es ist dies das Galrey-buochlin, das älteste noch erhaltene «Kuchibuch» zu Safran.

Man unterschied zwei Arten von Galrey, nämlich die Fleischgallerte und die Fischgallerte, von welchen die letztgenannte zu Safran häufiger erwähnt wird und darum wohl auch dort das beliebtere der beiden ungefähr gleich teuren Gerichte war.

Lassen wir vorerst dem Galrey-buochlin das Wort zum Rezept der 1491 hergestellten Neujahrsgallerte. Es bedurfte dazu 10 Ferkel, 80 alter Hühner, 32 Kalbsfüsse, 12 Rindsfüsse und 131 Mass Wein. Hiezu kamen als weitere Zutaten 12 Pfund Mandeln und an Gewürzen 3½ Pfund «ungefärbte Wurtz», d. i. eine von den Pulverkrämern hergestellte Mixtur zu Küchenzwecken, ferner Pfeffer, Ingwer, Zimt, Nelken, Muskatblüte oder «macis» und mehr denn ¾ Pfund Safran!

Zur Zubereitung der Fischgallerte benutzte man stets Karpfen und Hechte, ausnahmsweise auch «Balchen» (Felchen). Für den Galrey auf Neujahr 1492 wurden beispielsweise 65 Karpfen und 18 grosse Hechte beansprucht. Wein und Gewürze kamen in ähnlichen Gesamtmengen wie bei der Fleischgallerte zur Anwendung; doch zeigen sich öfters im Verhältnis der einzelnen Gewürze zueinander Abweichungen, sowie die Beimischung von «bariss»-Körnlein und «lorbonen» (Lorbeer) und die Verwendung von Hausenblase als Gallertstoff.

Die Fische bezog die Safranzunft von einheimischen Fischern und aus den Karpfenteichen benachbarter Edelleute, ebenso oft aber auch von fremden Fischverkäufern aus Bern, Luzern und Schaffhausen. Die Ware wurde jeweilen nach dem «gesicht», d. h. schätzungsweise nach dem Augenmass per Stück erhandelt, bis im Jahre 1521 der Rat verfügte, künftighin die grossen Fische nach dem Gewicht und die kleinen nach dem Mass zu verkaufen.

Die bei beiden Gallertarten auffallend starke Verwendung teure Gewürzes war es, welche den Galrey zu einem kostbaren Ausnahmegericht stempelte, das man sich darum auch nur einmal des Jahres leistete.

Da ausser dem Galrey-buochlin der Safranzunft auch das Rechnungsbuch der Schlüsselzunft für die Jahre 1485 bis 1500 über den Galrey Notizen enthält, welche diejenigen des Safranbuches treff lieb ergänzen, lässt sich an Hand beider Quellen der Werdegang dieser begehrten Gutjahrspeise sozusagen lückenlos rekonstruieren.

Schon die Herstellung, gewöhnlich am letzten Tage des Jahres, brachte Leben in das Zunfthaus. Da stach der Metzger die meist von Bäckern erworbenen Ferkel und richtete sie zu, während die «fryetten», d.h. die Freiheitsknaben, Leute des untersten Standes, welche der Bürgerschaft als Lastträger dienten, aus dem Keller des Weinmannes den Wein zuschleppten. Der Zunftknecht, seine Hausfrau und ihr Mägdlein rupften die Hühner, die oft auf Wochen vorausgekauft, auf der Birsigallmend gehalten und mit Gerste und Krüsch gefüttert worden waren. Umgeben von Zubern, « Schuopfen», hölzernen Schüsseln und ganzen Burden von Schindeltellern, welche die Zunft für diesen Anlass jeweilen beim Dreher neu machen liess, hantierte am Herde gewichtig der Koch, darauf bedacht, mit seiner Arbeit Ehre einzulegen, damit die Gallerte «in mengklichen und der merteyl lütten mund vast guot» erfunden werde.

All das geschäftige Durcheinander entbehrte aber nicht einer gewissen Feierlichkeit durch das Dabeisein der Stubenmeister, die anordnend und prüfend bei der fast rituellen Bereitung die Aufsicht führten. Auf dem «Schlüssel» begnügte man sich mit der Anwesenheit von zwei Vorgesetzten; denn «wen fill sind, so irend sy einander, und will einer anders, dan der ander», oder wie es im nämlichen Buch noch prägnanter heisst: «den durch vyl hieten, wurt selten wol gehüt.» Insbesondere hatten sie darauf zu achten, dass das vorgeschriebene Quantum Wein wirklich auch in den Galrey und nicht in die Kehlen des Kochs und seiner Helfer kam. Als es 1494 etliche Herren vom «Schlüssel» dünkte, der Galrey «wessere», ward dem Stubenknecht auf das strengste eingeschärft, inskünftig den Galrey nicht überzutun, es seien denn die dazu Verordneten samt dem obersten Stubenmeister zugegen.

Zuerst kochte man die zerlegten Schweine und Hühner in Wein, indem man dem Fleisch kleingeschnittenen Ingwer und langen Pfeffer beigab, beides in einem «pulver tüchly» wohlverbunden, damit die Brühe nicht trübe wurde. Ebenso sott man die Kalbsfüsse und Rindsfüsse in Wein, und zwar gesondert, da man von den letztern nur die Brühe benützte, auf dass der Galrey «dest herter stunde». Besondere Sorgfalt erheischte dann die weitere Zubereitung der Gallertbrühe, der gelegentlich noch Malvasier beigefügt wurde, ein Genuss, den sich damals nur wenige gönnen durften. Der Kunst des Koches war es anheimgestellt, die Ingredienzien im rechten Augenblick beizugeben, sie ja nicht mit aufkochen zu lassen, und die Brühe zu klären, wenn die Gallerte «in farw und wurtz» wohlgeraten sollte. «Und soll man die galrey bruogy suffer sechtten, zweigmol, und die wurtz nütt zu heiss darin duon und nütt daran har wellen.» Erst wenn dies geschehen war, wurde der Sud in die bereitstehenden grossen und kleinen, mit Fleisch und Kalbsfüssen belegten Schüsseln geschöpft und erkalten gelassen.

Bisweilen misslang allerdings die ganze mühsame Arbeit. In gerechter Entrüstung anvertrauen die Zunftgewaltigen ihrem Küchenbuch, dass Oerttly, der Koch, 1487 die Gallerte «lutter verderbt» habe.

Sie klagen: «die kalbfuoss hatt er lossen fersieden und die bruogy nütt abgescheft und hatt dofur wasser in den galreig don, ist wider miner heren ordnung, dan sy nütt dan den win dorin duond und hatt, in nütt gesaltzen recht und hatt man in wider muossen usser nemen und die bruogy sieden und me wurtz dor zuo bruochen durch Lienhartt Riecher und ander guott gesellen und giengend do mitt um biss mitternacht.»

Solch vereinzeltes Missgeschick tritt aber zurück hinter der ehrlichen Freude, mit der jeweilen volles Gelingen gebucht wird, wofür die Zunftsprache den sprechenden Ausdruck «vermeistern» anwandte. Dazu gehörte, dass zu Paradezwecken einzelne Gallertplatten mit einem Schweinskopf oder einem mächtigen Hechtkopf geschmückt wurden der kunstvoll mit Blattgold vergoldet war. Im Rufe eines famosen Kochkünstlers muss in den 1490er Jahren der Stubenknecht zu Schmieden gestanden haben, dessen Dienste sowohl «Safran» als «Schlüssel» mehrfach beanspruchten.

Im Beisein der Zunfthäupter, der Stubenmeister, des Koches und der Fischer wurde in der Regel anderen Tages eine Kostprobe vorgenommen und etwaige «fragmenta» gleich verzehrt. Lobte das Werk seinen Meister, dann war der Koch eines schönen Lohnes sicher, während die Stubenmeister, der Zunftknecht, sein Weib und das «meytlin» ein Stück Geld «in das bad» erhielten.

Am Neujahrstag und dem ihm folgenden «Sant Bechtentag» (Berchtoldstag) kam die Zunftgallerte dann zur Verteilung. Teils wurde sie, als Hauptgericht, dem ein «Brotmus» oder Blut- oder Leberwürste vorausgegangen waren, zum Imbiss und Nachtmahl an diesen beiden ungehemmter Ess- und Lebenslust geweihten Tagen aufgetischt; teils aber wurde sie daheim im Familienkreis der Zunftangehörigen verzehrt. Dafür entrichtete man das «Gutjahrgeld», das oft ganz bedeutende Summen einbrachte. Je nach dem Betrag, den ein Zunftbraderuder dem Zunftvorstand zum guten Jahr in den bemalten hölzernen Deckelbecher oder in den bemalten Vogel aus Holz legte, wurde ihm ein grösseres oder kleineres Quantum Gallerte zur Ergötzlichkeit nach Hause geschickt. Wer fünf Schilling und darüber bezahlte, erhielt «ehrlich galreig, alls es minen heren wol zimpt», nämlich «3 stuck fleisch undein fiertell ei(ne)s huon und fill mandel deruff». Zu diesem Zweck wurden die Gallerten in Hunderte von Portionen geteilt. Der Fleischgalrey zu Safran vom Jahre 1491 ergab 740, der Fischgalrey des folgenden Jahres 720 Stück. Die für den Hausbedarf und zu Geschenken bestimmten Mengen kamen in den sogenannten Sendschüsseln und Schenkplatten zum Versand. Im Jahre 1495 verschickte die Safranzunft 97, das Jahr darauf 98 solcher hölzerner Schüsseln; 1497 bezog sie vom Drechsler sogar 120 derartige Gefässe.

Geschenkweise erhielt ausser den Vorgesetzten auch der Oberknecht regelmässig eine Schüssel Galrey ins Haus geliefert. Zu gleicher Zeit gedachte die Zunft aber auch der Armen, unter die sie vor der St. Andreaskapelle zwar nicht Gallerte, wohl aber Hunderte von Spendbroten verteilen liess. Von «alter har» war es auch Ehrensache, dass sich die Safranzunft und die Zunft zum Schlüssel mit besonders schön zugerichtetem, mit vergoldeten Köpfen verziertem Galrey begabten. In festlichem Aufzuge, durch die Stadtgassen von fünf oder sechs Mannen getragen, die dafür am Neujahrsschmaus ihrer Zunft nur die halbe Irte zu bezahlen hatten, wurden diese Paradeplatten einander von Zunft zu Zunft zugestellt. Schon damals aber scheint die üble, für den Basler Charakter typische Gewohnheit geherrscht zu haben, kühl berechnend, die gegenseitig gemachten Geschenke in ihrem Wert gegeneinander abzuwägen. Im Jahre 1489 schickte die Schlüsselzunft den Krämern zu Safran gegen einhundert Portionen guten Galreys. Die Gegengabe fiel nicht nach Erwartung aus, denn spitzig meldet das Schlüsselzunftbuch:«min heren zuom Schlussel hand inen (denen vom Safran) ein gar fill erlichel guot jor geschickt dan sy.» Auch im folgenden Jahre machte der Schreiber zum Schlüssel aus seinem Herzen keine Mördergrube, wenn er kritisch bemerkt: «und schickten min heren zuom Schlussel min heren zuom Saffran ein erlich guot jor, eb sy inen schickten und ist erlicher gesin dan irs.»

Nicht nur der befreundeten Schlüsselzunft schickte die Krämerzunft von ihrer Neujahrsgallerte. Regelmässig werden auch die Insassen des Barfüsserklosters damit beschenkt; ja im Jahre 1482 spenden die mitleidigen Safranherren solchen «um Gotzwillen» den infolge des Klosterstreites ausgetriebenen Klingentaler Nonnen. Bis zum Ende des Mittelalters blieb der Galrey auf den Zünften in Übung. Das Neujahrsfest 1501, das letzte, welches Basel als Glied des heiligen römischen Reiches deutscher Nation beging, sah auch zum letzten Male auf den Tischen der kerzenhellen Zunftstuben die offizielle Neujahrsgallerte prangen. Denn noch im gleichen Jahr verbot die Regierung der eben eidgenössisch gewordenen Rheinstadt «aus mercklichen Ursachen und um gemeiner Stadt Basel und deren Einwohner Nutz und Notdurft willen» seine Herstellung ein für allemal. Die Gründe, welche den Rat, zu diesem Schritt bewogen, werden des näheren nicht bezeichnet. Wohl ging es bei diesen Galrey-Essen mit Füllen und Prassen oft bunt genug zu, und auch ihnen mochten die bittern Invektiven gelten, die Sebastian Brant sechs Jahre zuvor in die Welt geschleudert hatte:

«Der dut eym narren an die schu
Der weder tag noch nacht hat ruw
Wie er den wanst füll, und den buch
Und mach uss im selbs eyn wynschluch.»

Bezeichnend sind auch die Strafandrohungen der Stubenordnung zu Safran gegenüber solchen Zunftbrüdern, die bei Tisch Anstand und gute Sitte verletzten:

«Wer uff die stuben gatt on hosen zeren (zum Essen), er habe dene einen langen rok an,  das man im die bein nütt gesechen mag, der git VI d. zu besserung»,  und weiter «wer der ist, so man isset, der dem andren in sin schüssel griffet oder dem andren uff sinen teller griffet und im etwas dor ab nimet, es sig schimpff oder ernst, der git on gnod VI d. ze besserung.»

Aber derlei Unziemlichkeiten konnten für die Massnahme des Rates kaum bestimmend gewesen sein. Eher ist an die infolge der Geldentwertung einsetzenden hohen Gewürzpreise und den zwischen dem Rat und den Gewürzhändlern um 1500 ausgebrochenen schweren Konflikt zu denken.

Auf den Zünften fand man sich mit dem Gallertverbot wohl oderübel ab. Zu Safran kamen nach ergangener Ratserkanntnis die Vorgesetzten überein, «dz sy und ir zunfftbrüder früntlich by einander sin, ein guot gesottens und gebrottens haben und damit den VIII tag ouch sant Bechtentag vertriben werent». Statt des Galreys spendeten sich fortan die befreundeten Zünfte zum Schlüssel und zum Safran auf Neujahr einen Laib Schweizerkäse.

Als regelmässig am Gefechtsmahl aufgetischtes Gericht lebte die Fischgallerte fort, freilich nur in dem bescheidenen Ausmass von zwei bis vier Platten. Wie sehr ihr auch da noch die Bedeutung des Sondergerichts zukam, dokumentiert ein Vorfall am Gefechtsmahl 1538, als sich Stubenmeister und Zunftknecht gelüsten liessen, eine Platte des fürgestellten Galreys unter sich zu verzehren, so dass andern Tags zum Verdruss der geladenen Stadthäupter nicht mehr genug vorhanden war. Zur Ahndung dieses «Frevels» wurden alle Beteiligten in eine Vorstadt verwiesen.

Auch in der privaten Basler Küche hat der Galrey weiterhin sein Dasein behauptet; denn um nichts anderes als um die mittelalterliche Zunftgallerte handelt es sich, wenn 1601 ein Alumnus im Collegio, in freudigem Nachgefühl des erlebten Genusses, begeistert den «schönen Fischgalleren mit Mandeln überlegt» preist, welchen Landvogt Uebelin auf Münchenstein seinen Gästen versetzte.

Wenn auch durch das Galreyverbot von 1501 das typische Neujahrsgericht von den Zunfttafeln verschwand, so blieben doch im übrigen die Schmausereien mit grosser Bedienung am Neujahrs- und Bechtentag zu Mittag und zu Abend unangetastet. Wohl wurde 1545 der Bechtentag abgestellt, «da man in nit mer hann wil von einer ersamen obrikeit». Aber der mahnenden Stimme eifernden Reformationsgeistes gab man nur insoweit Gehör, als es galt, schlimmste Auswüchse zu beschneiden. Nach zweijährigem Unterbruch wurde zu Safran am 2. Januar wieder in gewohnter Weise gegessen und getrunken, und dieser breit behagliche Anfang des Jahres mit wenigstens drei Zunftessen bestand zu Recht bis zur Staatsumwälzung im Jahre 1798.

Nach wie vor gab man dabei seinen Herren das Gutjahrgeld und zahlte jeder Teilnehmer seinen Beitrag an jede Irte, wobei allerdings die Zunft regelmässig einen mehr oder minder grossen Fehlbetrag aus gemeinsamem Zunftsäckel zu tragen hatte. Die Mahlzeiten nn denen sich in der Regel über hundert Zunftbrüder, auf zwei Tischreihen verteilt, beteiligten, kennzeichnen den Basler jener Zeit in bezug auf das Essen als durchaus konservative Natur; denn mit einer rührenden Beharrlichkeit bleibt das zünftige Neujahrsmenü sich treu. Die gleichen Gerichte, an denen sich zu Beginn des 16.Jahrhunderts das jungeidgenössische Basel erlabt hatte, rücken noch auf zu einer Zeit, da schon die an einen feineren Geschmack gewöhnten Welschen: ein Battier, Socin, Insula, Verzasca, d'Annone, auf Safran erstmals zu Tisch gingen. Gaben doch 1592 Meister und Vorgesetzte den Stubenmeistern Weisung, das Neujahrsmahl und den Bechtentagschmaus so zu bestellen, «wie mans 88 jor gehalten»!

Was dem Gaumen dabei dargeboten wurde, erhellt eben aus der 1504 gutgeheissenen Speisenfolge, auf welche sich der Zunftvorstand 1592 berief. Sie sah an Neujahr vor:

«Des ersten sol man geben ye vieren (je vier Mann) ein
gut alt huon und gut rindfleisch dorzu.
Dornoch ein gut rysmuos.
Zu lets ein gut brotens von lamber (Lämmern), zungen
und Kalbfleisch und dornoch
kes und opffel.

Zum nachtmol:
Ein gut pfefferlin von den gericken,
aber ein gut brotens.
Am Bechtentag zum Imbis:
Des ersten köpff und krösse,
aber vieren ein alt huon, dorzu ein gut rindfleisch,
kes und opffel.

Zum nachtmol:
Ein rysmus und
aber ein brotens.»

Eine Abweichung von diesen Gerichten griff nur dann Platz, wenn Neujahr auf einen Freitag, also einen gebotenen Fasttag fiel. Dann traten Fische an die Stelle des Fleisches. Je vier Mann erhielten ein Plättlein mit Stockfischen und fünf Stück grüne Fische, Karpfen oder Hechte, zu denen Hirsebrei oder Habermus als Beilage serviert wurden. Daran hielt auch das reformierte Basel lange fest. Noch im Jahre 1552 setzte man, kraft der obenerwähnten Begründung, den Safranzunftbrüdern ein fleischloses Neujahrsmahl vor.

Der Übergang des Mittelalters in die neuere Zeit mit seinem Suchen und Schaffen neuer Lebensformen, seinem elementaren Hervorbrechen der Lebensmächte auf allen Gebieten, brachte auch eine Umgestaltung der ganzen Lebenshaltung mit sich. Sie trat bei den Zünften, die an den, fröhlich-begehrlichen Erdendasein der Zeit vollen Anteil nahmen, in gesteigerten Bedürfnissen, Wohlstand, Behagen, Üppigkeit, als den Wirkungen betriebsamer Tätigkeit in Handel und Gewerbe zutage. Besonders stark seit den 1510er Jahren. Es ist die Zeit, da das zünftische Element in Basel über das Junkertum endgültig politisch siegt und Jakob Meyer zum Hasen, der Prototyp des kraftvollen und gescheiten Zünftlers, Basels Geschicke leitet.

Diese Lebensfülle, Höchstes und Niederstes umfassend, macht sich sichtlich auch zu Safran geltend und lässt sich zahlenmässig durch die ab 1463 lückenlos erhaltenen Rechnungsbücher belegen. So, wenn die Zunftherren ein Wappenfenster in das Spital stiften oder wenn sie durch Künstler, wie Hans Balduff, Hans Herbst, Hans Holbein und Hans Dyg ihr Hausgeräte und ihre Zunftgemächer bemalen lassen. Die neue Lebenshaltung zeigte sich aber auch in einer Vermehrung und stärkeren Beteiligung der von der Zunft regelmässig zu begehenden Festivitäten. Besonders an Aschermittwoch. Wohl «tünstete und zerte» man von altersher auf allen Zünften an diesem die stillen Fastenwochen einleitenden Tag, der zu Safran noch die besondere Bedeutung besass, dass an ihm das Wachsgeld, d. h. die an die kirchliche Andreasbruderschaft zu entrichtende Gebühr auf dem Zunfthause bezahlt werden musste. Aber die Ausgabenposten der Safranbücher lassen uns den Schmaus auf die «eschende Mittwuchen» eher als exklusives Mahl erkennen, an dem nur die Vorgesetzten und ihr nächster Anhang Anteil hatte. Dies änderte sich mit dem 16. Jahrhundert. Im Jahre 1515 wird der Aschermittwoch den offiziell zu begehenden Zunftmahlzeiten beigesellt und als solcher 1516 erstmals im Kuchibuch eingetragen. Der oberste Stubenmeister erhielt Macht und Gewalt, drei oder vier Zunftbrüder auszulesen, die ihm beim Aufwarten behilflich sein mussten. Der durch die Feierlichkeit gebotenen Dezenz wegen, hatte jeder Stubenmeister eine Zwechle 7 umzubinden, «die ihm den Latz decke» Den Kirchengeboten entsprechend, kamen an Aschermittwoch nur Fastenspeisen auf die Tafel. Es gab:

ein durchgeschlagenes Mus,
ein gut Essen Stockfische und
je vieren fünf Stück grüne Fische.

Seit 1517 trat dazu ein Nachtmahl, aus einer «Mertrübelsuppen» und Fischen bestehend. Ganz ausnahmsweise wurde das Aschermittwochmahl vollständig aus dem Zunftsäckel bestritten. Unverändert feierte man auch diese Fastenschmäuse über die Reformationszeit hinaus, bis sie plötzlich aus unbekannten Gründen eingestellt wurden. Für das Jahr 1544 sind letztmals die Gerichte gebucht, die sich die siebzig am Aschermittwoch zur Tafel kommenden Zunftgenossen schmecken liessen, nämlich ein durchgeschlagenes Mus, grünes Kraut, Heringe, Obst, Käse und zum Nachtmahl die traditionelle Weinbeerensuppe, Fische, Obst, Käse, Wecken und Ringe. Erst 1614 reiht sich zu Safran das Aschermittwochessen unter dem Namen «Eschemer Mittwochen» oder «Vassnachtmol» mit grossem Bankettieren wieder in die regelmässig gehaltenen Jahresmahlzeiten ein.

Hervorzuheben ist, dass die auf den Aschermittwoch folgende Fastnacht neuen Stils, von der angenommen wird, sie habe nach der Reformation den Zünften zu Fest und Schmaus besondern Anlass geboten, zu Safran bis in das 17. Jahrhundert keine Rolle spielte. So ist von ihr in den Kuchibüchern nur ein einziges Mal während hundert Jahren die Rede, als Meister und Vorgesetzte nach vollzogener Harnischschau, bei der die neue Zunftfahne mit der goldenen « Saffranblumen»mitgeführt worden war, die ganze Zunftgemeinde auf Montag nach Invokavit des Jahres 1540 zu einem in Anbetracht der getrunkenen Quantitäten recht weinfröhlichen Nachtmahl aufboten, dem die Anwesenheit von fünf «pfifern und drumenschlehern» aus dem befreundeten Mülhausen noch ein besonders heiteres Gepräge verliehen haben mochte.

Mit Neujahr und Aschermittwoch waren aber die Zunftessen nicht zu Ende. Und zwar war es der festliche Rhythmus des Kirchenjahres, der – solange Basel der katholischen Lehre anhing – zunächst ein feierliches Jahrmahl auslöste. Das war am Herrgottstage (Fronleichnam). An der glänzenden Prozession schritt die Bürgerschaft zunftweise mit. Meister und Sechser, von ihren Dienern begleitet, trugen die kostbaren, der Zunft gehörenden Stangen- und Stockkerzen 8. Dem profanen Kuchibuch anvertraute die Safranzunft, wer jeweilen dieses Amtes zu warten hatte. Nach dem kirchlichen Prachtaufzug fanden sich Vorgesetzte und Zunftbrüder seit 1466 regelmässig auf ihrem Zunfthaus zum gemeinsamen Imbiss und Nachtmahl ein; der Stadtschreiber, sein Unterschreiber und der Kaplan der Andreaskapelle gehörten stets zu den Geladenen. Braten, Geflügel und, Reisbrei bildeten das stereotype Menü, wobei es von altersher Sitte war., den Zunfthäuptern, dem Seckelmeister und dem Schreiber, Reismus und ein Huhn heimzusenden.

Als grössere Mahlzeit nennt der zünftische Festkalender des weitern den um Johanni stattfindenden Akt der Regimentserneuerung, d.h. den Tag der alljährlichen Neuwahl der Zunfthäupter, mit Mittags- und Nachtmahl. Diesen wohnte stets auch eine erkleckliche Anzahl von Zunftbrüdern bei, die mit ihrer Anwesenheit dem neuen Meister und Ratsherrn Ehre antun wollten. Gleichwie mit der Renaissance das alte dunkle Basler Kleid einer erstaunlichen Farbigkeit der Gewandung weicht, so wird auch dieser festliche Zunftanlass seit dem Sieg der Zünfte mit erhöhtem Pomp begangen. Aber in alter Übung blieb dabei der schöne mittelalterliche Brauch des Kränzleins, das dem neugewählten Meister vom abtretenden aufgesetzt wurde, und das Bestreuen des Bodens der Zunftstube mit frischem sommerlichem Grün.

Auch die Speisezettel dieser Mahlzeiten blieben noch jahrzehntelang auf das Derbe und Massige eingestellt.

So hatte der Stubenknecht Auftrag, auf Sonntag vor Johanni 1516 für fünfzig Personen zu kochen

«Zimis: Rüben und fleisch und
allweg zweyen ein gebraten hun.
znacht: uff 1 man ein rismus,
ye zweyen ein gebrotten hun
und lambfleisch dorzu
und kefen und ein sos zum fleisch
und kirsen.»

Seine Fortsetzung fand das Regimentsmahl in der am zweiten Montag nach der Wahl erfolgenden Einführung der neuen Räte. Nachdem man auf dem Zunfthaus «ein löffel mit Suppen und ein trunckh» als Frühimbiss zu sich genommen hatte, begaben sich Ratsherr, Meister und Sechser nach dem Rathause, auf dem sich alle Turmbläser hören liessen. Während nun der Rat eingerichtet wurde, warteten die Sechser im Rathaushof oder auf dem Marktplatz, um nach erledigtem Amtsgeschäft ihre Herren Häupter zu einem gemeinsamen Imbiss mit an schliessendem Nachtmahl auf die Stube zurückzuführen, bisweilen im Geleite von Stadtknechten, Söldnern und Trompetern, die dann kostenlos mitschmausen durften. Hiezu fand sich auch regelmässig ein halbes Hundert Zunftangehöriger ein. All diesen gab man beispielsweise 1516 zu Mittag:

«Rübenn und fleisch, halb rindtfleisch,
halb spinnwiderfleisch und
ein gut gebrottes und
ye zweyen 1 hun,
kirsen, rettich und kes»;

zu Nacht:

«ein rismus
ye zweyen 1 gebrottenn hun,
kirsen unnd rettich und kes.»

Noch zweimal bevor sich jeweilen des Jahres Kreislauf schloss, assen Häupter und Sechser miteinander, mit Zuzug zahlreicher Gäste aus den wohlhabenderen Schichten der zu Safran zünftigen Berufskreise. Nämlich zu Beginn des Winters, an dem am Dienstag vor Lucia stattfindenden Gefechtsmahl. Es verdankte sein Begehen einer amtlichen Funktion der Zunft, eben dem Gefecht, d.h. der Prüfung der in den Kramläden in Gebrauch stehenden Masse und Messinggewichte. Seit der Zeit, da sich die Krämerzunft rühmen konnte, «dass ihr von altersber die Elle gegeben und empfohlen sei zu versorgen», schloss sich an diese wichtige Amtshandlung eine ehrenfeste Mahlzeit. Sie erhielt ihre besondere feierliche Weihe, weil ihr in der Regel die vier Stadthäupter – alter und amtierender Bürgermeister und alter und amtierender Oberstzunftmeister – nebst dem Stadtschreiber als Geladene beiwohnten; nicht minder auch dadurch, dass neben dem üblichen Fleisch und den gebratenen Hühnern stets einige Platten des offiziell verbotenen Galreys die Tische zierten.

Wenige Tage nach dem Gefechtsmahl nahte dann das letzte der grösseren Zunftessen, gewissermassen schon der Auftakt zu den vor der Türe stehenden Neujahrssolennitäten. Das war am Sonntag vor Thomastag, an dem man die Stubenmeister erkor. Ursprünglich nur zu Ehren der neuen Stubenbeamten gehalten, vereinigte dieses Nachtmahl seit dem sechzehnten Jahrhundert stets eine stattliche Zahl Zunftgenossen; aber ausdrücklich wurde 1517 bestimmt, dass bei diesem Anlass niemandem ausser den Stubenmeistern die Irte geschenkt werden dürfe.

Ein ausgesprochenes Vorgesetztenmahl, das aber bereits im 16. Jahrhundert wieder abkam, war das Gansessen um Jakobi, gewöhnlich im Beisein des Bürgermeisters und anderer Notabeln gehalten. Bescheidener Art war die am Ostermontag stattfindende Zusammenkunft der Vorgesetzten, um sich bei Osterfladen zu erlustigen; auch dieser zwanglose Ostertrunk kam schon im 16. Jahrhundert ausser Übung.

Wohl aber wurde im 17. Jahrhundert den bestehenden Ehrenmählern ein neues beigefügt, das bis auf den heutigen Tag als löbliche Satzung zu Safran hochgehalten wird: das Fabian-Sebastian-Essen, hervorgegangen aus einer Stiftung des Sebastian Güntzer. Aus einem angesehenen Elsässer-Geschlecht stammend – sein Grossvater war Bürgermeisteir von Schlettstadt gewesen – liess sich Sebastian Güntzer 1607 dauernd in Basel nieder, kaufte sich 1614 als Bürger ein und erarb sich als Spezierer 1615 die Safranzunft, die ihn 1629 zum Sechser und Stubenmeister erkor und 1636 mit dem Seckelmeisteramt betraute. Doch starb er schon zwei Jahre später. Im Mannesstamm erlosch seine Linie bereits in der ersten, Generation, während drei Töchter Güntzerisches Blut in mehreren der angesehensten Familien weiterpflanzte.

In der 1638 durch Pfarrer J. J. Werenfels in Münster gehaltenen Leichenpredigt auf den «ehrenvesten, fürgeachten und weisen Herrn Sebastian Güntzer, wolberühmten Kaufherrn und Beisitzer eines E. Stadtgerichts» wird besonders seine Güte und Freigebigkeit hervorgehoben mit den Worten: «Er war auch ein getreuer Knecht gegen den Nebenmenschen, also, dass er menniglichen, Armen und Reichen, nach äusserstem seinem Vermögen zu dienen, sich nicht allein beflissen, sondern es für ein Freud und Ehr gehalten. So hat er sein Brot über das Wasser fahren lassen und den Armen reichlich, mitgeteilet auch aller Enden, da sich Mangel und Notdurft befand, mit miltreicher Steuer zugestanden, wie solches vielen Ehrenleuten genugsam bekannt.»

Aus solch guter Gesinnung ist denn auch sein Zunft-Legat geflossen, welches bestimmte, dass alljährlich am Tage seines Namensheiligen (20. Januar) jedem Vorgesetzten durch den Oberknecht ein Gulden zu einer «Ergötzlichkeit» ins Haus gebracht werde.

Schon 1640 beschlossen aber Ratsherr, Meister und Sechs, statt dieser buchstäblichen Ausführung bei einem gemeinsamen Freudenmahl des Stifters ehrend zu gedenken. So wandelte sich das Geldgeschenk in ein Stück frisches, fröhliches Zunftleben und in der mit Güntzers Wappen geschmückten, heimeligen Fabian-Sebastian-Stube, wo alljährlich das Mahl gehalten wird, haben die Vorgesetzten ihrem wohlgesinnten Donator ein anmutiges Kränzlein der Unsterblichkeit gesetzt ...

Endlich ist eines erst im 18. Jahrhundert aufgekommenen gemütlichen Anlasses zu gedenken, der mit den Neujahrsfestivitäten zusammenhing, des «Siessen Wein Versuchsmähli», ein kurz vor Neujahr ge haltenes Nachtessen der Vorgesetzten, bei welchem der an Neujahr zu spendende Hypokras probiert wurde. Denn am Neujahrsmorgen erhielten Ratsherr, Meister und Sechser aus dem von der Zunft erhobenen «Gutjahrgeld» jeder einen halben Taler nebst einem grossen Ankenwecken und einer Mass Hypokras. Designierte Sechser bekamen nur den Wecken. Ein grosser Neujahrs-Wecken im Werte von einem halben Gulden wurde jeweilen auch jeder Ratsherrn- oder Zunftmeisterwitwe bis an ihr Ende ins Haus heimgeschickt.

Neben die jährlich wiederkehrenden Mahlzeiten, die in den Kuchibüchern mit dem Ernst von Geschäften auftreten und gleich solchen als integrierende Bestandteile von Zunftordnung und Zunftpflicht erschienen, traten häufig genug Veranstaltungen verschiedener Art, die zu Safran Anlass zum Bankettieren boten. Nicht zu reden von den Konferenzen und Augenscheinen, an die sich wenigstens ein Trunk und ein bescheidenes Abendbrot anschloss; so wenn die Vorgesetzten zu Allschwil oder einem der benachbarten Sundgauer Dörfer Holz und Wellen besahen, die für die Feuerung des Zunfthauses gekauft werden mussten, oder wenn die der Zunft gehörenden Kriegszelte alljährlich vom Estrich herabgenommen, gesonnt und nachgesehen wurden.

Dann die Menge der freizufälligen Anlässe, wo von Zunftes wegen Gastfreundschaft geboten schien. Bald sind es die Herren zum Schlüssel, bald die vom Bären oder die benachbarten Schmiede, die mit den Krämern gastlich zehren. Singulär war das Festmahl 1466 zu Ehren der Priesterschaft, als die Safranzunft für ihre AndreaskapeIle ein Heiltum vom Kreuze des heiligen Andreas empfing. Ein fröhliches Zwischenspiel dann der Besuch der Kleinbasler Gesellschaften im Jahre 1484, «als sy min heren zu Saffran im harnnest (Harnisch) suchtten (besuchten) in gutter geselschafft uff sunnentag vor Sanct Sebastianstag ... »

Anlass zu fröhlichem Tafeln gab es auch, wenn vornehme Standespersonen der Zunft Wildbret schenkten, wie 1487 der Bischof von Basel, 1492 Peter Offenburg, 1501 der Landvogt von Rötteln. Bisweilen spendete auch der Rat seinen Bürgern Rotwild aus den obrigkeitlichen Bannwäldern des Baselbietes; man möchte fast sagen, in familiärer Betätigung gegenüber der Gemeinde, ohne dass durch dieses vertrauliche Gebaren das Ansehen und die feierliche Souveränität des Regiments Schaden genommen hätten. So meldet das Kuchibuch zum Jahre 1537:

«Uff Mittwuch den erstenn tag des monatt Ougsten 1537 jor handt min gnedig heren ettlich wiltprett uff al zunff geschenck. Von disenn wilprett ist einer ersamen zunfft zum Saffren worden XXXX lb. Uff denselben tag (handt) min heren rotzher, meister und sex erkannt, dass man gmein zunffbriedern sol umsagen, uff nesten Donstag dornoh kochen uff das naht mol uff 80 man, namlich ein pfeffer und brottes unnd ops und zu der irten uffnemen 1 s.»

Auch einzelnen Personen erweist die Zunft Ehre bei Speise und Trank. Dem 1482 der Zunft beigetretenen Drucker Meister Jakob von Pfortzen schenkt die Zunft bei Anlass seines hochzeitlichen Kirchganges; in gleich festlicher Weise begeht sie 1495 die Hochzeit Hans Wattenschnees, des bedeutsamen Repräsentanten im damaligen Buchgewerbe, und der «artzat», den sie 1492 bewirtet, ist wohl niemand anders als der kurz darauf zum Stadtarzt berufene Johann Roman Wonnecker, welcher sich später durch sein leidenschaftliches Auftreten gegen die Reformation einen Namen machte.

Eidgenössische Standespersonen, wie der Schultheiss von Solothurn und der Luzerner Junker Jakob von Hertenstein, finden sich unter den Gästen so gut wie der durch seine Kriegstaten berühmte als durch seine Verschwendung berüchtigte Mitbürger Graf Wilhelm von Fürstenberg, dann der Landvogt von Rötteln und andere angesehene Herren der Nachbarschaft.

Neben Einheimischen stellen sich aber auch Gestalten aus der Ferne ein. Wie vielsagend ist beispielsweise die kurze Notiz, man habe 1504 den Fugger von Augsburg gastiert. Die Honneurs machte namens der Zunft deren oberster Stubenmeister Hans Oberriet, jener weltgewandte Safrankaufherr, dessen ausdrucksvolles Gesicht uns auf Holbeins Tafelwerk überliefert ist. Nebenbei bemerkt handelte es sich bei Fuggers Besuch um eine geschäftliche Transaktion im grössten Massstab, indem Jakob Fugger, durch die Vermittlung etlicher Basler, Kleinodien, die wahrscheinlich aus der Burgunderbeute stammten, im Werte von vierzigtausend Goldgulden aufkaufte.

Aber auch die grossen Geschehnisse der Schweizergeschichte finden ihren Widerhall in den Zunftbüchern. Die Safranbrüder, die mit dem Basler Kontingent gen Grandson und Murten ziehen, werden vor ihrer Abreise auf der Zunftstube bewirtet, wie auch der Träger des Basler Hauptpanners vor Murten, Jakob von Sennheim, Ehrengast der Zunft ist. Und zu der Freudenstimmung, die nach den glänzenden Siegen Basel erfüllte, gehört auch der vom Zunftvorstand angebotene Schmaus, «alss unser gesellen von Murtten komen uss der reyss». Solches wiederholt sich1489 bei der Heitersheimer Fehde so gut wie bei den italienischen Feldzügen, «do sy von der slacht Noforia  komen».

In mannigfacher Weise wird seit der Zugehörigkeit Basels zum Schweizerbund das Festleben der Zunft durch das Dasein der Eidgenossenschaft berührt. Die alle sechs Jahre erfolgende Erneuerung des Bundesschwures beging auch die Safranzunft festlich in ihren mit Blumen und Grün geschmückten Räumen.

Zu diesen Feiern mit ernstem Hintergrund gesellen sich als fröhliche Gegenstücke gelegentliche eidgenössische Besuche. Der berühmteste derselben, an dem auch die Safranzunft besonders Anteil hatte, war der Besuch der Luzerner zur Heimholung ihres Bruders Fritschi, einer phantastisch,aufgeputzten, in den Luzerner Farben gekleideten Strohpuppe mit greisenhafter Maske. Zur Mehrung fastnächtlerischer Kurzweil hatte auf Jahresende 1507 das jungeidgenössische Basel durch seinen Mitbürger Heinrich zum Hasen die berühmte Fastnachtspuppe heimlich rauben und nach Basel bringen lassen, um dadurch die Luzerner zu einem Freudenbesuch an der Fastnacht 1508 zu veranlassen. Auf Wunsch der Luzerner wurde er auf den Frühherbst verschoben. Auf den angesagten Tag erschienen denn auch anderthalb hundert schmuckgekleidete Luzerner, geführt von den beiden Schultheissen und achtzehn Ratsherren sowie einer Abordnung Urner und Schwyzer. Sie landeten mit ihren Langschiffen unterhalb der Birsmündung. Im Feld bei der heutigen «Breite» boten ihnen Basels Bürgermeister hoch zu Ross und eine Ratsdeputation den Willkommgruss. Von allen Zünften waren die hübschesten und bestgerüsteten Bürger samt der städtischen Jungmannschaft den Gästen entgegengezogen und geleiteten sie unter Trommel- und Pfeifenklang nach dem Marktplatz. An einem Fenster des neuen, seiner Vollendung entgegengehenden Rathauses wurde die Gestalt Bruder Fritschis sichtbar; zu seiner Seite standen Basels vornehmste Standespersonen. Als der fröhliche Festzug «das redlin an dem Kornmerkt» machte, d.h. vor dem Rathaus defilierend den Platz umschritt, begrüsste die lang vermisste Fritschipuppe ihre Landsleute mit freundlichem Kopfnicken, «darob sy gross gefallen gehebt». Unter Entfaltung des üblichen Zeremoniells fand dann auf dem Markt die eigentliche Begrüssung durch die Stadtbehörden statt, worauf man die Gäste in ihre Herbergen führte. Ein Teil der Gäste tafelte auf der Safranstube. Dort wurde ihnen nach Vermögen mit Fisch, Fleisch, Hühnern und Wildpret aufgewartet. Zu Ehren der Besucher ward am folgenden Tag auf dem Petersplatz ein «erlicher tantz» veranstaltet, der wegen der grossen Menge der Teilnehmer in drei Abteilungen geteilt wurde. Für die Männer stand ein mächtiges Fass Wein bereit; den Damen bot man ein Abendbrot mit Konfekt an. Die Zünfte und die drei Kleinbasler Gesellschaften hatten je zwei Mann als Ehrendienerschaft abgeordnete Am dritten Tag zogen Gäste und Bürgerschaft vor die Tore auf die Schiessstätte der Feuerschützen zum Preisschiessen, welches der Rat mit ansehnlichen Gaben bedachte. Schmaus und weinfrohes Gelage beschlossen wiederum den Tag. Bei sieben Fuder Weines wurden auf die Zunftstuben geliefert; ausserdem spendete der Abt von Lützel ein halbes Fuder Elsässer Edelwein und der Bischof von Basel etliche Kannen Malvasier.

Am vierten Morgen verliessen die Eidgenossen die gastliche Rheinstadt, um über den Hauenstein heimwärts zu ziehen. Den Bruder Fritschi, den ein baumstarker, aber «wenig witziger» Brunnknecht trug, hatten die Basler noch mit einem neuen Rock ausstaffiert, zu welchem zehn Ellen Londonertuch nötig waren. Bis zur Birsbrücke bei St. Jakob gaben die Basler den Scheidenden ehrenvolles Geleite. In vorsorglicher Weise hatte der Rat durch sechs Ratsherren achtzig Karpfen für den Imbiss nach Liestal schicken lassen. Und wo überall die Wegziehenden Herberge nahmen, bezahlte das reiche Basel alle Mahlzeiten und den Schlaftrunk. Kein Wunder, dass die begeisterten Luzerner mit «grosser danksagung und freundlichem begnaden» Abschied nahmen.

Nach verrauschter Freude buchte der Seckelmeister zu Safran, genauer Basler Geschäftsführung wohl geziemend, die speziell der Zunft ob des Besuches erwachsenen Unkosten. Die zehn Goldgulden aber, welche die Luzerner Denen zu Safran verehrten, gaben Vorgesetzten und Zunftbrüdern noch einmal willkommene Gelegenheit, schmausend und trinkend der erinnerungsreichen Festlichkeit zu gedenken.

Der dunklen Tage von Marignano und der 1517 grassierenden Pest zu vergessen – «domit etlich trürickeit vergesen wurt», wie der Chronist sagt – unternahmen im Herbst 1517 die Basler die Lustfahrt zur grossen Urner Kilbe. Nach der Heimkehr veranstalteten die Safranherren gleich den anderen Zünften ein grossartiges Mahl, an dem nicht nur sämtliche Zunftbrüder, sondern ausnahmsweise auch deren Frauen teilnahmen.

Vier Jahre später, auf St. Sebastianstag 1521, machten hinwiederum die Miteidgenossen aus den Waldstätten den Baslern einen achttägigen Fastnachtsbesuch. «Do wart kein kosten gespart und froud vergessen uff allen zunfften und stuben.» Das Geldgeschenk, welches die Safranzunft von den Besuchern als «letzy» erhielt, ward nach deren Abreise in zwei fröhliche Mahlzeiten umgesetzt, zu denen man ebenfalls wieder die «Weiber» lud. Den zum Tanz aufspielenden Musikanten steuerte die Zunft an neue Röcke bei. Solche Spenden steigerten sich bisweilen zu ganz beträchtlichen Ausgaben, wie anlässlich des grossen Freudenzuges zur Liestaler Kilbe im gesegneten Jahre 1540. Da ist nicht mehr wie im 15. Jahrhundert mit geringschätziger Betonung vom «Hadergeld» für die Spielleute die Rede, sondern in geradezu verschwenderischer Weise – mit goldgemünzten Gulden, mit Atlas und andern köstlichen Kleiderstoffen – lohnt die Zunft die Mitwirkung der von ihr engagierten Trommelschlager und Pfeifer von Baden und Brugg.

Nicht das unbefangene Geniessen war es, was diesen Besuchen Geltung gab, sondern der Gedanke eidgenössischer Verbrüderung und Zusammengehörigkeit, wie ihm in bezug auf diese Feste M. Stettler in seiner Schweizerchronik Ausdruck gab: «Unter vertrauten und aller besten freunden erfrischst eine gesellige Zusammenkunft die alte kundschaft, die allbereite eingewurtzte stämmen gewinnen kraft und kann aus solchen ergetzlichkeiten nicht wenigers als vermehrung der angehebten und wohlgegründeten liebe entspringen» ...

Als besonderes zunftbrüderliches Entgegenkommen aus späterer Zeit ist schliesslich eine festliche Veranstaltung zu erwähnen, von deren Vorbereitung das Protokollbuch unterm 17. Juli 1684 meldet: «Haben m.h. beschlossen, bis künftig mitte Augusten nicht nur die gesamten zunftbrüder zu gastieren, sondern auch einen umzug und schiessen auf der Schützenmatten mit selben zu halten und das mit glatten rohren, wozu unterstehende herren sich gutwillig anerbotten, hernach folgendes zu verehren, um zu verschiessen, und sind zu offizieren geordnet worden: Johann Brenner Hauptmann, Leonhart Respinger Lieutenant, Onophrio Merian Fähndrich».