Zünftige Berufe

PATERNOSTERER

Das Paternoster oder der Rosenkranz (Rosarium), wie ihn die katholische Kirche noch heute kennt, bestand schon im Mittelalter aus einem Kranz aneinander gereihter Kügelchen von zweierlei Grösse, nach welchen eine bestimmte Anzahl von Gebeten hintereinander gesprochen wird. Der Ursprung dieser Gebetsweise mag aus dem Orient stammen, wo Einsiedler und Mönche sich sehr früh kleiner Steinchen und dergleichen bedienten, um in mehrmaliger Wiederholung ihre Gebete zu zählen. Um 1208 führte der heilige Dominikus die Rosenkranzandacht in seinem Orden ein und zu ihrer Verbreitung wurden zahlreiche Rosenkranzbrüderschaften gestiftet.

Die Verfertiger der Rosenkränze hiessen im Mittelalter Paternosterer. Als frühester für Basel wird 1320 Claus Niggli genannt. Weiter sind für das 14. Jahrhundert noch drei Meister bezeugt, um 1366 Kunz von Oltingen und 1393 Henman Ringler von Neuenstein und Konrad von Schaffhausen. Als eigentlicher Fabrikant und Grosshändler darf der 1403 zum Bürger angenommene Konrad Paternosterer von Wien gelten, in dessen Nachlass sich 1411 bei «drütusend paternoster beinwerg» befand. Im 15. Jahrhundert wurde nur noch ein Paternosterer safranzünftig, Ulrich von Nürnberg, der sich 1415 auf dem Zuge nach Säckingen Bürgerrecht und Zunft verdiente. Denn mehr und mehr wurde der Handel mit Rosenkränzen ein Importartikel der Krämer, die den begehrten Kultusgegenstand an Kirchweihen und Messen der herzuströmenden Menge an ihren Ständen feilboten.

Die Rosenkränze, die sich im 15. Jahrhundert in den einzelnen Basler Hauswesen in ansehnlicher Zahl vorfanden, waren aus dem verschiedensten Material, gearbeitet. Die einfacheren stellte man aus Holz, aus Bein, aus Büffelhorn her; andere wieder aus Muskatnüssen und aus Glas. Kostspieliger und reicher waren die aus Kristall, Perlmutter, Korallen oder aus Edel- und Halbedelsteinen - Amethyst, Chalcedon («Katzendony»), Jaspis und Karneol verfertigten Rosenkränze. Eigentliche Prunkstücke mochten die «geschmelzten» und «gemusirten» Paternoster gewesen sein, wie sie 1512 aus der Hinterlassenschaft der Elsi Lichtenauer und 1525 aus dem Besitz der Veronika Waldner von Freundstein bezeugt sind.

Der Künstlerlaune liess das am Unterende des Rosenkranzes, in Scheibenform aus Silber oder Perlmutter, befestigte Paternosterzeichen freien Spielraum. Da gab es Darstellungen des Agnus die, Marienbilder und andere Heiligenzeichen; oder man behängte den Rosenkranz mit einem silbernen Apfel, einem Granatapfel, vorzugsweise auch mit einem Moschus enthaltenden Knopf, der als Parfümbüchslein diente. Ja in der Zeit, da Brant und Geiler die jungen Galane als Ziernarren verspotten, und die Schlichtheit des Frauengewandes bei den vornehmen Baslerinnen der in Form und Schnitt üppigen Kleidung in leuchtenden Farben, mit eingewirktem oder aufgenähtem kostbaren Zierat weicht, bleibt selbst der Rosenkranz von der lockern Mode nicht verschont, liebte man es doch, daran sogenannte «Bössli» aus Edelmetall baumeln zu lassen: silberne Vögelein, Laternlein, Schellen usw. oder gar eigentliche Amulette zum Schutze gegen Krankheit und Zauberei daran zu befestigen, wie in Silber gefasste Zähne vom Biber oder Wolf, Horn- und Klauenteile des Elentieres oder des sagenhaften Einhorns ...

Mit der Einführung der protestantischen Lehre im Reformationsjahr 1529 verschwand der Rosenkranz in Basel auf Jahrhunderte aus Kirche, Haus und Kramladen.