Zünftige Berufe

NADLER UND GUFENMACHER

Die Nadler und Gufenmacher zählten seit dem 14.Jahrhundert als streng krämerzünftiges Handwerk. Es waren bis in das 17. Jahrhundert hinein vorwiegend fremde Einwanderer, die das Handwerk vertraten, aus Mainz, Merseburg, Brüssel, Köln, Pfullendorf, Mantua, Dorn, Weissenburg, Ulm, Nürnberg und mehrfach aus Mannheim.

Noch in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts klagten die Nadler wegen des unerträglich billigen Imports ihrer Produkte durch die Krämer, welche das heimische Handwerk schädigten. Zu dessen Schutz geboten Rat und Zunft, es sollten die Krämer, die nürnbergische Pfennwerte führten, hinfür keine Nadeln, es seien Schneider-, Kürsschner-, Schuhmacher- oder Seidenstickernadeln einzeln verkaufen dürfen, sondern lediglich «by den büchslin», desgleichen Haften, Gufen nur bei Tausenden, Halbtausenden und ganzen Ringen, da der Detailverkauf, der «Pfennig»-kauf allein den Nadelnmachern gehöre1. Fremde Nadler sollten gar nicht, weder heimlich noch öffentlich wie bisher zugelassen sein. Doch sollte den hiesigen Meistern erlaubt sein, fremden «Nadelträgern» Ware abzukaufen und diese, als ob sie sie selbst gemacht hätten, wieder zu verkaufen.

Im Jahre 1487 bestätigte die Zunft die von den Meistern des Handwerks vorgelegte, kurze Ordnung mit folgendem Wortlaut:

«Uff Mitwuchen noch Jubelaty, zwischen Ostren und Pfinsten anno LXXXVII jor do hand min heren, rotzher und meister und sechsser ein helleklich erkendt, das nun hinfüren die meistern von den nodlern söllen fier gesin hallten, mit namen drig knecht und ein knaben oder fier knecht und kein knaben bis er fier gesind hatt, und wene ein knecht kem, der gern arbeit hette, so sol man im luogen umb arbeit in die lersty werchstatt, do allerminst gesind in ist, do sol man i zuo werchen besechen, und ob sach were, das einer ein gesindt hetty, II gesindt, dry gesindt hett, do mag er luogen in die lersty werch statt, und ob der selb kein gesind oder knecht wöty, so mage er luogen zu dene andren, die do nit volckumen gesind handt, die mögen im zuo werchen geben biss uff fier gesind. Item, were ouch sach, das einer sunderbar zuo huss sesse und nit in des meisters cost were, der sol gehalten werden vir ein stickwercher, dem sol man nitzig zuo werchen geben, er hab denn die zunfft».

Bei dieser Handwerksordnung blieb es bis zu Ende des ancien régime. Überhaupt treten die Nadler in den Zunftbüchern wegen Berufssachen recht selten auf. Als es 1521, auf eine Aufforderung des Rates hin galt, gewerbliche Schäden und Mängel namhaft zu machen, beschwerten sich die Nadelmacher lediglich über die alte Konkurrenz der Kaufleute und Krämer mit Nürnberger Massenartikeln.

Auch während des ganzen 17. Jahrhunderts erwähnen die Zunftprotokolle um 1620 eine einzige das Handwerk betreffende Klage des aus Ulm stammenden Nadlers Hans Rauch, dass fast alle Wochen fremde «Hefftelmacher» in die Stadt kämen und von Haus zu Haus hausierten. Auffallenderweise findet sich von 1619-1692 auch keine einzige Aufnahme eines Nadlers gebucht; auch die städtische Taxordnung von 1646 führt das Handwerk und seine Artikel nicht auf. Erst im 18. Jahrhundert erstarkte dieses noch einmal.

Im Jahre 1717 hatten die Zunftherren zu einer prinzipiellen Frage Stellung zu nehmen, als ihnen gemeldet wurde, der Nadler Hans Rudolf Wieland habe die Schmiedenzunft erkauft. Da Wieland erklärte die Safranzunft nicht annehmen zu wollen, wurde er durch den Oberknecht vor das Vorgesetztenbott zitiert und ihm zugleich mitgeteilt, falls er sich nicht einfinde, werde er bei der Gnädigen Herren und Obern verzeigt. Gleichzeitig beschloss der Vorstand, fleissig nachzuforschen «wer diejenigen seien, so die Zunft anderwärts angenommen und doch hieher gehörten, woraus E. E. Zunft grosser Schaden erwachse». In der Tat musste sich Wieland vor Rat rechtfertigen. Er tat dies in einem Memoriale, das interessante Streiflichter auf das Handwerk wirft. Wieland betonte, nämlich, so lange Basel stehe, sei mit Ausnahme seines Schwiegervaters Hans Jakob Müller, der das Handwerk in der Fremde erlernt habe, kein Nadlermeister hier gewesen, der Gesellen fördern und das Geschenk halten konnte. Was in den Zetteln der Safranzunft als Nadler verzeichnet stehe, seien Heftli- und Ringlimacher gewesen, die nebenbei von Fremden erhandelte Nadel verkauft hätten. Im Jahre 1622 habe Pfarrer Gernler zu St. Peter ein «Zunftbüchlein» in Druck ausgehen lassen, worin alle Handwerke, wie sie den Zünften zugeteilt worden, aufgeführt seien, darin werde aber der Nadler mit keinem Wort gedacht. Die Nadler seien, gleich den Zuckerbäckern, ein ganz neues Handwerk und gehörten dahin, wo man mit Hammer, Feuer, Stahl und Eisen umgehe. Er schloss seine Eingabe mit der Bitte, ihn von dem Ansuchen der Kläger zu absolvieren. Die Safranzunft hingegen beharrte auf ihrem Begehren, da die Nadler jeweilen auf ihre Zunft gehört hätten. Doch der Rat entschied merkwürdigerweise zugunsten Wielands. Wohl aber traten von l717 bis 1798 noch neun Nadlermeister dem Safran bei. Der 1794 aufgenommene Emanuel Weiss, dem wegen seiner Dürftigkeit die halbe Zunftgebühr erlassen wurde, war der letzte safranzünftige Nadelmacher, da die fabrikmässige Produktion die Kleinbetriebe vernichtete, nachdem ihnen schon seit Jahrzehnten, wie eine Klage der Nadler aus dem Jahre 1739 dartut, die Krämer mit ihrem Verkauf grossen Schaden zugefügt hatten