Zünftige Berufe

LEDERBREITER

Das Gerben und Fertigmachen der feineren Ledersorten gehörte in Basel bis in das 16. Jahrhundert hinein zur Arbeit der Weissgerber, als sich dank der verfeinerten wirtschaftlichen Kultur des Westens dort bereits ein Spezial- und Luxusgewerbe ausgebildet hatte, dasjenige des «baudroeur» oder Lederbereiters. Seine Hantierung bestand im Zurüsten von geschwärztem Oberleder, vorab aber der feinsten Ledersorten wie Maroquin und Corduan, durch Beizen, Färben, Schmieren und Glänzen bis zum schnittfertigen Verkauf. Ein Franzose, Peter Forthin aus Alençon in der Normandie war es denn auch, der als erster 1544 das Gewerbe nach Basel verpflanzte. Drei weitere fremde Lederbreiter, aus Zürich, aus den Niederlanden und aus Frankfurt, folgten in den nächsten zwanzig Jahren seinem Beispiel. Vorerst fanden diese Meister bei dem ihnen nächstverwandten Handwerk der Weissgerber Unterschlupf.

Nur zu bald ergaben sich aber aus diesem Verhältnis «widerwärtigkeiten und unleidenliche sachen», die nach dem des Rates daher kamen, dass diese Handwerker ohne berufliche Ordnung da standen. Es beauftragte die Safranzunft, Satzungen aufzustellen, die nach etwelchen Modifikationen 1568 durch Bürgermeister und Rat genehmigt wurden.

Neben der Festsetzung von Lehrzeit (3 Jahre) und Gesindezahl (2 Gesellen + 1 Lehrknabe oder 3 Gesellen und kein Lehrling) wurden insbesondere die beidseitigen Berufskompetenzen geregelt. Jeder Weissgerber darf Maroquin «aus dem Gallus» bereiten, sofern es mit eigener Hand, ohne Einstellen eines Lederbreiters geschieht; kann ein Weissgerber aber Maroquin nicht selbständig zurichten, so soll er die Arbeiten den Lederbreitern überlassen. Hinwiederum soll kein Lederbreiter einen Weißgerber halten, damit ihm dieser weisses oder gelbes Leder bereite; was aber ein Lederbreiter an weißem oder gelbem Leder von eigener Hand macht, darf er auch feilhalten.

Auf Grund dieser Abmachungen konstituierten sich 1571 Basels fünf Lederbreiter als zunftehrliche Meisterschaft. Mit dem 17. Jahrhundert trug das Gewerbe typischen Refugiantencharakter zur Schau. Seine tüchtigsten Vertreter, die es nunmehr an Zahl und Bedeutung hoben stammten aus Markirch, aus Pfalzweiler, aus Colmar, aus Baudonvillers in Lothringen. Nicht alle Glaubensflüchtlinge fanden Gnade vor Handwerk und Zunft. Als 1640 der Exulant Jakob Michel das Handwerk zu treiben begehrte, wurden ihm bloß drei Monate bewilligt. Er nistete sich dann in Grosshüningen ein, von wo aus er – durch billigere Arbeit – eine ganze Zahl Rotgerber und Schuhmacher als Kunden gewann. Im Jahre 1642 wurden die hiesigen Lederbreiter wegen Michels Treiben vor der Zunft vorstellig und drangen darauf, dass er und ein anderer stümpelnder Lederbreiter, Reinhard Thierry von Markirch, möchten «abgetan» werden. Ein Jahr darauf bewarben sich Michel und Thierry um das Zunftrecht. Das Handwerk, seit Jahren durch sie geschädigt, war gegen ihre Aufnahme und setzte beim Zunftvorstand auch ihre einstweilige Abweisung durch.

Schon in den 1620er Jahren war das stark anwachsende Lederbreitergewerbe mit den Rotgerbern und ihrer Zunft in Berufshändel geraten, weil die Lederbereiter begannen, gleich den Gerbern mit Loh und Drogen zu arbeiten, während ihre Arbeit erst bei der Bereitung der lohgaren Ware beginnenen sollte. Zudem wurde ihnen der Vorwurf gemacht dass sie den Verkauf zerschnittener Häute betrieben. Erst die Taxordnung  von 1646 und die am 12. Mai 1647 vom Rat erlassenen Lederbereiterordnung  taten den Streitigkeiten zwischen Gerbern und Lederbereitern in der Hauptsache Abbruch. Den Lederbreitern blieb vorbehalten, Corduanleder mit Galläpfeln oder Sumachblättern zu gerben und zu bereiten, doch sollten sie dasselbe beim Schmieren nicht mit Oel überhäufen. Ebenso kam ihnen das Rüsten und Bereiten des geräuchten, zum «Uebergeschirr»  dienenden Leders zu. Weiter gehörte zu ihrer Hantierung das Schmieren, Wichsen und Glänzen von Kalb- und Schaffellen, sowie von allerlei «übergschürleder als lohrote schmale häute». Die geschmierten Kalbfelle durften sie den Schuhmachern nicht beim Gewicht, sondern nur auf den Augenschein verkaufen, um Betrug zu verhindern. Presthafte Häute, die man nicht breiten konnte, durften sie anderwärts wohl verkaufen. Schmale Häute und sonst allerlei Felle sollten sie nach ihrem Belieben gemeinen Schuhmachern schmieren und bereiten.

Der Lederhandel sollte nicht, wie es bisher zum Schaden des gemeinen Gutes geschehen war, in Privathäusern statthaben, sondern nur im Kaufhaus nach vorangegangener Schau und zwar sollte nur bei ganzen Häuten gehandelt werden.

Den Rotgerbern wurde eingeschärft, sich an ihre vor etlichen Jahren ergangene Ordnung zu halten und den Lederbreitern in den vorgenannten Handwerksartikeln keinen Eingriff zu tun. Den von den Zünften zu Schuhmachern und Gerbern gestellten Lederbeschauern wurden nunmehr auch zwei Lederbreiter zugeordnet; sie sollten samthaft die Lederschau fleissig in acht nehmen, damit eine Ehrenburgerschaft recht versorgt sei.

Trotz der neuen Ordnung kam es des Lederhandels wegen zu neuen Misshelligkeiten zwischen Rotgerbern und Lederbreitern. Diese wurden 1648 vom Rat strikte angewiesen, nur ausserhalb der Stadt Leder zu erhandeln und solches nicht anders als vermöge der Kaufhausordnung zu «versilbern» d. h. mit kaufmännischem Gewinn weiter zu verhandeln. Zugleich wurden die Lederbreiter verwarnt, sich derart zu verhalten, dass Schuhmachern und Gerbern kein Anlass zu klagen gegeben werde.

Die Lederbreiter ärgerten ihre Gegner nun damit, dass sie eine energische Demarche wegen des schon genannten Stümpelers Jakob Michel, der Gerbern und Schuhmachern weiter werkte, vor Rat unternahmen. Sie erklärtenen, der Welsche hole täglich von hiesigen Schuhmachern unverarbeitetes Leder ab, bereite es zu Hüningen und trage es wieder herein; er hausiere auch sonst mit allerlei Arbeit, wodurch der Meisterschaft das Brot vom Maul abgeschnitten werde. Der Rat hielt die Schuhmacher an, ihr unverarbeitetes Leder nur durch hiesige Lederbreiter rüsten zu lassen und billigte ihnen das Konfiskationsrecht auf Stümplerware zu. Eine solche Beschlagnahme geschah denn auch, nachdem Warnungen und Geldbusse nichts fruchteten, in Michels Behausung durch den Oberknecht zu Safran und zwei Meister Lederbreiter. Auch mehrere Rotgerber, Rudolf Müller, Kaspar Sachser und Martin Wenk, die bei Michel lohgare Häute bereiten liessen, mussten Bussen über sich ergehen lassen.

Zu Ende der 1660er Jahre brach innerhalb des Lederbreiterhandwerks selbst ein heftiger Streit prinzipieller Art aus. Er drehte sich um die Wahrung des ausgesprochenen Kleinbetriebs (2 Gesellen + 1 Lehrling), wie er für das Lederbreiterhandwerk im ganzen Deutschen Reich in Geltung stand. An diese jede geschäftliche Initiative lähmende Beschränkung wollte sich der 1657 von Colmar zugewanderte und safranzünftig gewordene tüchtige Meister Hans Georg Kleindienst nicht binden lassen. Er hielt vier Gesellen und zwei Taglöhner zum Stampfen. Missgünstig gaben die sämtlichen Meister zu, dass Kleindienst ihnen allen im Handwerk überlegen sei. Auch der für das Handwerk beschämende Hinweis Kleindiensts, er gebe der Mehrheit sei Mitmeister Arbeit, da sie sonst beschäftigungslos wären, blieb unwidersprochen.

Gleichwohl setzten die dreizehn klagenden Meister 1667 die Beibehaltung des fragwürdigen Artikels durch und zwangen Kleindienst zur Anerkennung der unmittelbar darauf erlassenen, letzten Lederbreiterordnung. Ihre mit zahlreichen Strafbestimmungen gespickten zehn Artikel besagen folgendes:

  1. Wenn ein Bott gehalten wird, soll der Bottmeister am Abend zuvor und ehe die Nachtglocke geläutet hat, bei jedes Meisters Haus umsagen und eine halbe Stunde, ehe das Bott gehalten wird, ankünden. Folgenden Tags soll alsdann der Bottmeister das Stundenglas auf der Zunft, da das Bott gehalten wird, auf die angestellte Stunde auf den Tisch stellen. Falls der eine oder andere Meister eine halbe Stunde über das Gebot ausbleibt, soll er 6 Kreuzer, wenn er aber eine Stunde darüber ausbleibt, 3 Batzen dem Handwerk verbessern. Bleibt einer ohne Erlaubnis des Obmannes überhaupt aus, hat er 6 Batzen zu zahlen.
  2. Wofern etwas in dem Handwerk vorfallen würde, soll der Obmann nach dem jüngsten Meister schicken, der dann die Einzelnen oder das ganze Handwerk aufzubieten hat; übersieht er dabei eines Meisters Haus, so hat er 6 Kreuzer zu zahlen, sagt er aber das Bott gar nicht um, büsst er mit 6 Batzen.
  3. Begehrt eines Mitmeisters Sohn oder sonst ein Bürgersohn sich bei der Meisterschaft zu stellen, so hat er sich beim Obmann anzumelden, der dann Ein Ehren Handwerk versammeln soll. Begehrt der Bewerber mit der Meisterschaft Lieb und Leid zu teilen, so soll man ihm diesen Vergleich vorlesen; wenn er ihn zu halten gewillt ist, hat er dem Handwerk 4 Gulden zu erlegen, eines Mitmeisters Sohn aber nur 2 Gulden. Alsdann soll man ihn zu einem Mitmeister auf- und annehmen, doch dass er seine 3 Jahre wie hier gebräuchig ordentlich erlernt und ausgestanden habe, widrigenfalls soll sich kein Mitmeister seiner annehmen und wo ein Geselle sich länger als 14 Tage würde bei ihm ihm aufhalten, so soll derselbe Geselle von keinem Meister gefördert werden, er lasse sich denn zuvor von ehrlichen Gesellen abstrafen.
  4. Wenn ein oder mehrere fremde Meister allhier kämen und würden nicht Bürger, hier aber für sich oder für andere arbeiteten, so soll keiner unserer Meister diesen Fremden Vorschub tun, viel weniger ihnen arbeit geben, überhaupt nichts mit ihnen zu schaffen haben. Wenn einer einem fremden Meister, der Weib und Kind hat, im Hause oder anderswo Arbeit gäbe, der soll 4 Gulden Strafe zahlen und des fremden Meisters sich müssigen, weil ohne das unser Handwerk gar stark und alle Tage stärker wird.
  5. Kein Mitmeister darf mehr als 2 Gesellen und 1 Lehrling haben, es sei denn, dass ein Geselle herkäme und, keine Arbeit fände. Einem solchen darf ein Meister auch bei besetzter Werkstatt 14 Tage Arbeit geben; behält er ihn aber länger, so muss er dem Handwerk 2 Gulden Strafe zahlen und den Gesellen alsbald abschaffen. Weiter ist insgemein vergünstigt worden von wegen der Taglöhner, die zum Stampfen der Felle gebraucht werden, dass jeder Meister, wenn er ihrer notdürftig ist, zwei anstelle, er habe seine Werkstatt besetzt oder nicht; stellt er aber mehr als 2 Taglöhner ein, so muss er für jeden 1 Gulden verbessern. Und da das Handwerk heftig übersetzt ist, soll kein Mitmeister sich gelüsten lassen, Weissgerbern, Rotgerbern oder andern Leuten, die unser Handwerk nicht erlernt haben, Arbeit zu geben bei 2 Gulden Strafe pro Person.
  6. Wird unter dem Handwerk einer gescholten oder gibt es sonst Streitigkeiten, so soll das alles innerhalb 14 Tagen vor dem Handwerk ausgemacht werden.
  7. Wenn ein Geselle hieher kommt, der nicht von einem Mitmeister beschrieben worden ist, hat er sich beim ältesten oder beim jüngsten Meister anzumelden, der dann bei den andern Meistern umfrägt, wer seiner am meisten bedarf. Begehren ihn mehrere Meister, so soll er es vor den Obmann bringen, der das Handwerk einberuft, worauf dann dieses entscheidet.
  8. Weigert sich ein Geselle nach dem Täfelein, auf dem sämtliche Meister aufgezeichnet sind, umzuschauen, so hat er dem Handwerk einen Wochenlohn Strafe zu zahlen.
  9. Stellt ein Meister einen Gesellen ein, dem nicht umgeschaut wurde, so muss der Meister ohne Gnade 12 Batzen erlegen, es wäre denn erwiesen, dass der Meister den Gesellen mit in die Stadt gebracht oder beschrieben hätte.
  10. Wenn ein Geselle bei einem Meister eingestanden ist, soll der Meister nachforschen, ob er das Handwerk recht erlernt hat und einen Lehrbrief besitzt. Ist dies nicht der Fall, darf der Meister den Gesellen nicht länger als 14 Tage behalten. Gibt sich ein Geselle für einen Lederbreiter aus, ohne es zu sein, so sollen die Gesellen ihn nach Gebühr abzustrafen Macht haben.
  11. Wenn ein Geselle bei einem Meister eingestanden ist und mit diesem Wochenlohn vereinbart hat, so kann der Geselle ohne seines Meister Bewilligung bei keinem anderen Meister einstehen. Wenn ihm aber der Meister den Abschied gibt, so kann der Geselle bei einem andern Meister arbeiten, widrigenfalls soll kein Meister dem Gesellen innerhalb 4 Wochen Arbeit geben. Hat der Geselle «bewegiche Ursache» über seinen Meister zu klagen, so soll der Geselle dies dem Obmann anzeigen; kann dieser sie nicht vergleichen, soll er es vor das Handwerk zur Entscheidung bringen.
  12. Begehrt ein Meister einen Lehrjungen anzunehmen, so soll er ihn 14 Tage probieren. Können sie sich miteinander vergleichen, so soll der Lehrjunge vor einem ganzen Ehren Handwerk auf 3 Jahre aufgedingt werden und soll der Lehrmeister 2 Gulden und der Lehrling 2 Gulden der Lade verbessern. Nach bestandener Lehrzeit soll der Lehrling abermals vor ganzem Handwerk ledig gesprochen werden und soll der Lehrling wegen seines nunmehrigen Gesellenstandes der Lade 12 Batzen verbessern.
  13. Kein Meister soll Felle von den hiesigen Weissgerbern kaufen oder mit diesen in Gemeinschaft stehen; würde ein Meister von den Weissgerbern einige Bockfelle auf Mehrschatz erkaufen, so soll er dem Handwerk von jedem Stück 3 Batzen verfallen sein.
  14. Weil das Handwerk mit «hochempfindlichen Schaden« verspüren muss, das hiesige und fremde Rotgerber wie auch Kaufleute allerlei gebreitetes Leder verkaufen, so hat ein Ehren Handwerk einhellig erkannt, dass keiner unter uns sich gelüsten lasse, Rotgerbern oder Kaufleuten über die in deren Haushaltung notwendige Menge, Häute oder Felle um den Lohn zu breiten; auch soll kein Rotgerber Häute oder Felle in sein Haus nehmen unter dem Vorwand, als hätten Schuhmacher solche von ihm erkauft, um sie breiten zu lassen. Fehlbare Mitmeister sollen von jeder Haut 2 Gulden und von jedem Fell ½ Gulden verbessern.
  15. Wofern ein Mitmeister von hiesigen Rotgerbern gegerbtes Leder, das diese selbst nicht gearbeitet, sondern auf Mehrschatz eingekauft oder ertauscht haben, erkaufen würde, so soll der fehlbare Meister von einer jeden Haut ½ Gulden und von einem Kalbfell oder Schaffell 3 Batzen Strafe geben.
  16. Was vom Ehren Handwerk ausgesprochen wird, dabei soll man es bewenden lassen; auferlegte Strafen sind innerhalb 14 Tagen zu erlegen, geschieht dies nicht, so soll ein Ehren Handwerk den Meister wie auch seine Gesellen – wann sie länger bei ihm arbeiten würden, für unredlich erklären und wenn der fehlbare Meister einen Lehrjungen hat, so soll ihn kein Meister helfen ledig sprechen, und wenn einer erfunden würde, der einer oder der andern Partei verraten würde, wer auf diese oder jene Partei gehalten hätte, der soll ohne Gnade 12 Batzen verbessern.

Die vorgenannten Handwerksartikel, auf welche sich Basels vierzehn Lederbreitermeister verpflichteten, gipfelten in dem deutlichen Bestreben, das Kleingewerbe um jeden Preis zu schützen, den Zustrom der Fremden einzudämmen, die Konkurrenz der Weiss- und Rotgerber auszuschalten und Meister und Gesellen des eigenen Handwerks in straffer Kontrolle und Zucht zu halten. Was für Lappalien freilich vor dem Ehren-Tisch eines Ehren Handwerks der ehrsamen Lederbreiter etwa ausgemacht wurden, beweist zur Genüge, die 1679 erfolgte Bestrafung eines Gesellen, der «ab dem Gerberbrunnen einen Trunk getan». Da es nicht bräuchig sei, ab einem Brunnen zu trinken, verknurrte das Meisterbott den Wasserliebhaber zu einem Batzen Busse, eine Massnahme, die sogar von den Safranherren als der Ordnung gemäss anerkannt wurde.

Trotz alter Abmachungen kamen Lederbreiter und Rotgerber mit beiderseits praktizierten Eingriffen einander immer wieder ins Gehege und der Klagen vor Zunft und Rat war kein Ende. Im Jahre 1686 forderte die Safranzunft von den Lederbreitern eine Erklärung, ob sie ihrerseits vom Lohgerben abstehen wollten, wenn die Rotgerber sich des Lederschmierens enthalten würden. Die Meinung der Meisterschaft war geteilt. Die Hälfte wollte sich dazu verstehen; die andern Meister erklärten, was sie mit Lohe schafften, sei eine neue Erfindung, da sie nicht Eichenlohe, sondern Weidenlaub als Gerbestoff verwendeten. Die Vergleichsversuche scheiterten. Des ewigen Zankes müde, tat 1696 die Obrigkeit den einzig richtigen entscheidenden Schritt. Sie löste das Lederbreitergewerbe aus dem Verband der safranzünftigen Berufe und überwies sämtliche Meister der Gerbernzunft, mit der sie fortan «Lieb und Leid» teilen mussten.