Zünftige Berufe

KRÄMER, GEWÜRZKRÄMER (SPEZIERER)

Sozial und politisch hat das 13. Jahrhundert einen Stand emporgebracht, der von da an immer wichtiger wird für Basels Geschichte.

Es sind Vertreter der Handels- und Verkehrsgewerbe: die Kaufleute und Krämer, nach unten von den Handwerkern scharf sich abhebend, nach oben kraft persönlicher Freiheit, durch Reichtum und insbesondere durch Grundbesitz zum Aufstieg in die patrizische Burgerschaft, ja in den Adelstand befähigt; wie es etwa die Entwicklung der Familie des Krämers Ludwig zeigt, die mit dem Krämer beginnend, stetig aufwärts führt bis Conradus Ludevici 1301 das ritterliche Lehen erwirbt und sich Edelknecht nennt. Das klassische Beispiel, wie hoch man gesellschaftlich emporsteigen konnte, bietet im 15. Jahrhundert der Apotheker und Krämer Henman Offenburg.

Freilich war dieses Übertreten aus der kaufmännischen Welt in das Patriziat keineswegs Regel, sondern Ausnahme, bisweilen sogar absichtlich verschmäht, wie von den Zscheckenpürlin in der «Augenweide» am Rheinsprung, die trotz des angehäuften Vermögens nicht Müssiggänger mit adeligen Allüren werden, sondern am angestammten Krämergaden zum «Pfauen» am Markt festhalten, um unter den Zünftlern als reichste obenan zu stehen.

Der Mehrzahl nach und charakteristisch als Masse und deren wirtschaftliche Wucht stellten Kaufleute und Krämer über die Neige des Mittelalters hinaus eine Mittelklasse dar zwischen den Achtburgern einerseits und den Handwerkern andererseits. Wie die Burger im 13. Jahrhundert sich urkundlich «Herren» nannten, so wurde dieser Titel damals schon auch reichen Krämern zuteil; so heisst beispielsweise in einer Urkunde des St. Leonhardstifts vom Jahre 1303, der Krämer Wernher Stamler «Herr». Zeugnis von dem herrenmässigen Ansehen der Krämergilde gab auch die inmitten des Quartiers der Krämer von ihnen auffallend reich dotierte St. Andreaskapelle. Dieser Mittelstellung der Krämer entsprach später auch ihre allgemeine Titulatur als «Herren» unter den Zünftlern.

Ihre endgültige Organisation fand diese aufstrebende, Handelsgewerbe treibende Einwohnerschicht in den Zünften zum Schlüssel und zum Safran, jene als Zunft der Kaufleute, speziell der Tuchhändler, diese als Zunft der Krämer (institorum), vorab der mit Spezereien Handel Treibenden. Als früheste Spur dieser beiden Zünfte, deren Stiftungsbriefe nicht mehr vorhanden sind, darf die grosse Allmendurkunde von 1250 gelten, in der neben den Handwerkergruppen der coartifices eine aus Kaufleuten und Krämern bestehende Gruppe sich anreiht 2.

Über den Bereich der Zunft hinaus, so eng umschränkt er im Grunde sein mochte, war der Basler Kaufherr und Krämer, wie kaum ein anderer Berufsstand, den Einwirkungen des Auslandes unterworfen, dank Basels Lage als eines weltwichtigen Transitpunktes an alter historischer Wegscheide. Insbesondere war der Rhein die unerschöpfliche Mitgift der Natur, die «grosse nutzperkeit», wie Hartmann Schedel in seiner Weltchronik sagt, womit die baslerischen Kaufleute so gut gewuchert haben, dass sie ihrer Stadt Wohlhabenheit, ja Reichtum und schon frühe ein hohes Mass von Freiheit errangen. Es ist unmöglich, Wesen und Umfang dieser die kaufmännische Welt unaufhörlich durchströmenden Einflüsse ganz zu erkennen. Wohl aber ist es kein Zufall, wenn wir die Beherrschung fremder, lebender Sprachen am frühesten unter den Krämern bezeugt finden, so, wenn es von dem Krämer Heinrich Merschant heisst, er habe «zweier sprachen hort» besessen und kraft dieser Kenntnisse für Konrad von Würzburg den französischen Urtext zur Dichtung «Partonopier» ins Deutsche übersetzt. Zu erinnern wäre auch an jene höchst lebendige Szene im Münchenhof am Petersberg zwischen König Albrecht und dem Bischof Otto von Grandson, wo der Basler Hug zur Sonnen vermöge seiner ebenso gewandten als geistesgegenwärtigen Dolmetscherkunst den Habsburger vor einem Anschlag bewahrte ...

Das Auftreten französischer Namen, wie Pirrin, Schachterel, Scheshart, Merschant, Walch, deren Träger vorzugsweise Krämer waren, ferner das Bestehen eines Absteigequartiers für die Basler Kaufleute, einer «maison de Baale» in Bar sur Aube, im Mittelpunkt der grossen Messen der Champagne sind zufällig urkundlich erhaltene Belege für die bereits im 13. und 14. Jahrhundert regen wirtschaftlichen Beziehungen zum französischen Westen. Sie fanden früh dann ihre Ergänzung durch den Güteraustausch von Norden nach Süden ins enetbirgische Welschland. Schon 1216 wird ein Kaufmann Arnulf von Basel in Genua betroffen, der dort Spiegelglas importierte, bis dann seit dem 14. Jahrhundert der aufblühende italienische Handel Basler regelmässig über die Alpen führt und umgekehrt die welschen Kaufleute nach Basel bringt, wo sie im Ballhof am Rindermarkt, der späteren Hofstatt der Safranzunft, ihre Herberge hatten. Von unverkennbarer grosser Bedeutung war die Erschliessung des Orients durch die Kreuzzüge gewesen. Sie steigerte den Verbrauch von fremdländischen Produkten, von Gewürzen für die Küche, von Medikamenten und Parfümen, von Rauchstoffen für den kirchlichen Kult. Mit deren Import tat sich für die Basler Krämer eine neue Welt auf. Welche Bedeutung, speziell den Gewürzen als Handelsprodukt im alten Basel zukam, erhellt aus dem Umstand, dass die zünftigen Krämer, die sich mit dem Vertrieb des wärmenden Ingwer, des samtweichen Safran, des würzkräftigen Pfeffers befassten, ihr ältestes Gesellschaftshaus und darnach ihre Gesellschaft selbst zum «Ingeber» d.h. Ingwer nannten.

Noch erinnert heute der Name Imbergäßlein an jenes längst verschwundene Gebäude, das in nächster Nähe der St. Andreaskapelle stand. Eine kurze Zeit führte die Korporation der Krämer auch den Namen «zum Pfeffer». Dann aber, urkundlich 1372 erstmals erwähnt, wurde sie zum «Safran» genannt.

Mit der Erwerbung des gegenüberliegenden städtischen Ballhofes im Jahre 1423 gaben dann die Krämer zu Ehren des «Königs der Pflanzen» ihrem neuen Heim endgültig den Namen «zum Safran» und im Laufe des 15. Jahrhunderts ging der Hausname auch auf die Krämerzunft selbst über.

Der Ausdruck Safran führt seinem Ursprung nach in die Zeit des Altertums und in die Länder des Orients. Er ist die persische Bezeichnung des Crocus sativus. Vom Blütenstaub dieser Blume wurde die gelbe, dem Purpur gleichgeschätzte Farbe gewonnen, deren Pracht die Könige der Perser und Phryger schmückte. Frühe schon auch in Griechenland kultiviert, war der Crocus dann gleichfalls in Italien zu finden. Das kaiserliche Rom verwendete die Crocusblüte um ihrer Farbe und ihres Duftes willen und von der getrockneten und gestampften Narbe als Gewürze machten die römische Kochkunst und Medizin reichlichen Gebrauch. In späterer Zeit scheint dann der Safran durch die Araber neuerdings nach Europa gebracht worden zu sein, zunächst nach Spanien, später nach Italien, von wo aus dann die Pflanze auch, nordwärts vordrang. Schon in den Zolltarifen des 14. Jahrhunderts bildet bei uns der Safran eine stehende Rubrik und für die grossen Importmengen gibt beispielsweise der bekannte Safrankrieg vom Jahre 1374 ein beredtes Zeugnis. Der damals nach allen Seiten in Fehden verwickelten Stadt Basel wurde am obern Hauenstein durch Henman von Bechburg ein heimreisender Kaufmannszug ausgeplündert, wobei den Wegelagerern als wertvollste Beute acht Zentner Safran Hände fielen. In ähnlicher Weise wurde 1410, im Kriege Basels mit Österreich, den beiden Safranzünftlern Henman Offenburg und Safranzünftlern Heinrich von Biel nahe bei Innsbruck eine Fuhre mit Safran und anderem Venediger Gut geraubt.

Von diesem kostbaren Gewürze, dessen Anbau seit 1420 Basel selbst einige Jahrzehnte erfolgreich betrieb, hat die Krämerzunft nicht nur ihren Namen bekommen, sondern die Crocusblume wurde, heraldisch stilisiert, auch das Wappenbild der Zunft. Dieselbe «Gilge» d.h. Lilie findet sich aber auch im Wappen verschiedener Patriziergeschlechter und zu Safran altzünftiger Familien, so bereits im 13. Jahrhundert im Wappen der Im Steinkeller, von Arguel, Konrad Ludwigs, Sinz, Schönkind, Stamler, zur Sonnen, Isenlin, später auch bei den Wider, Zeigler von Arx, Wels, Wentikum, Riedi, Wissenburger, Edelmann, Werenfels, Im Hof, Spirer, wie auch im Wappen der im 15. resp. 16. Jahrhundert aus den Niederlanden zugezogenen Krämerfamilien Mast von Mecheln und Schultheiss von Blankenburg und der spätern Refugianten Birr und Gottfried (Geoffroy). Bekanntlich führte auch das berühmte Kaufmannsgeschlecht der Fugger von Augsburg die Lilie.

Im Hinblick auf dieses auffallend verbreitete Vorkommen ist, wie schon Rud. Wackernagel 7 mit Recht vermutet, der Gedanke an alten Zusammenhang und einen der Zunft vorausgegangenen, ursprünglichen Interessenverband der Kaufleute und Krämer nicht von der Hand zu weisen ...

Unverkennbar ist es die Konzilszeit, die das Wirken der Basler Kaufmanns- und Krämerwelt zu universaler Bedeutung emportreibt. Es erhält seine interessante Folie schon dadurch, dass während der Kirchenversammlung die grossen Medici, Cosimo und Lorenzo, in Basel eine Bankfiliale auftaten. In jener konjunkturreichen Epoche erwuchsen der Safranzunft jene Kaufleute und Krämer grossen Formats, die, gesellschaftsweise und einzeln, auf allen Gebieten des Handels und mit allen Mitteln arbeiteten, Männer vom Schlage eines Wernli von Kilchen, Andreas Wiler, Heinrich Wiss, Heinrich Halbisen. Unter des letztgenannten Führung bildete sich beispielsweise 1438 in Verbindung mit einem Konsortium von Barcelona jener geldmächtige Konzern zum Vertrieb von Safran im Deutschen Reich, in Flandern und England. zu erinnern ist auch an den etwas später tätigen Krämer Hans Irmy, seit 1458 Zunftmeister zu Safran. Als Geschäftsfreund des Hauses Medici, als Agent und Diener des Francesco Sforza, Herzogs von Mailand, hat Hans Irmy speziell das italienische Geschäft gepflegt, dem auch seine Nachkommen durch drei Generationen hindurch oblagen. Die Irmy waren es, die das damals neueste Produkt der Lombardei, den Reis, in Basel bekannt machten.

Der ein Lebenselement Basels bildende Verkehr mit Italien, besonders mit der handelsmächtigen Republik von San Marco, hat uns aus der Zeit des Mittelalters ein Denkmal zurückgelassen im Hause zum «Venedig» am Schlüsselberg, dem vermutlichen Absteigequartier der venetianischen Messekaufleute.

Gerade an Gestalten wie den vorgenannten, ermessen wir, welche Mühen und Strapazen, ja stete Leibesgefahr, zu Wasser und zu Lande, das Leben des mittelalterlichen Basler Kaufherrn begleitete und verständlich wird uns sein vorwurfsvoller Zuruf an das unzufriedene begehrliche Publikum: «Ihr bleibt ruhig daheim und verlangt euern Bedarf von uns; wir aber müssen Leib und Gut im fremden wagen». Unrast war auch noch später Kaufmannslos. Andreas Ryff, als Prototyp des Krämers des 16. Jahrhunderts klagt drastisch in seinem «Reißbiechlin», daß er in 25 Jahren wenig zu Hause, aber viel auf den Straßen gewesen sei und selten habe ihn der Sattel «nit ans hinterteil gebrannt».

In der älteren Zeit bezeichnet Krämerei den in allen Gebieten und Formen sich ergehenden Handel. Der Großhändler und Zwischenhändler, der daneben Detaillist sein konnte, hieß kurzweg Krämer, so gut wie der nur im Kleinverschleiß Arbeitende. Das Mittelalter zeigt «nicht sowohl eine Scheidung in bloße Großhändler und bloße Kleinhändler als vielmehr die Verbindung von Groß- und Kleinhandel in einer Person». Dabei gab es mannigfache Übergänge und die Grenzen der Krämerkompetenz zerfließen und verschieben sich in Basel öfters.

Als vorzüglichste Krämerei galten von altersher Gewürze und Spezereien. Deren Handel und Verkauf führt uns zu dem vielgestaltigen Komplex der Pulverkrämer, ein Name, der keinerlei Beziehungen zum Schiesspulver hat, da dieses im alten Sprachgebrauch stets als Büchsenpulver bezeichnet wird im Gegensatz zum Gewürzpulver. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts weicht der Ausdruck Pulverkrämer endgültig dem des «wurtzkrämers», bis dieser dann im 17. Jahrhundert durch das von den Refugianten hergebrachte Wort «Spezierer» ersetzt wurde. Ein Refugiantensohn, Joh. Jak. Stupanus, ist es denn auch, der 1625 erstmals als «Spezierer» Aufnahme in die Safranzunft findet.

Es wäre irrig, in dem Pulverkrämer des 15. Jahrhunderts schon den ausschliesslichen Gewürzhändler zu sehen. Wohl bildeten Gewürze seine Hauptartikel, aber noch war ihm unverboten, daneben «Pfennwerte» das sind alle möglichen Bedarfsartikel aus Metall, Holz, Bein und andere Krämerei «feilzuhaben». Über die Buntheit eines Krämergadens um 1480 gibt beispielsweise der im Beschreibbüchlein festgehaltene Nachlass des aus Mainz stammenden Hans Rot Auskunft. Da finden sich neben den an erster Stelle genannten Gewürzvorräten noch Schreibfedern und Schreibzeuge, Papier, Quecksilber und Zinnober, gesottener Wein, «gewandbesemlin» (Kleiderbürsten), Halsmäntelein, Handschuhe, Seckel, Nestel, Zwirn, Eisendraht, Messingringlein u. dgl.

Erst die nach mehrjährigen Kämpfen und Verhandlungen 1526 durch den Rat in Wirkung gesetzte «nüwe reformation», eine Gewerbeordnung von einschneidender Schärfe, entzog den Pulverkrämern für immer den Handel mit Tuchen, Zeugen und ähnlichem. Spezerei und Mercerie waren von da an zwei besondere, sich gegenseitig ausschliessende safranzünftige Branchen. Die Scheidung in Gewürzkrämer und in die vorab mit dem Ellstab ausmessenden Zeugkrämer, später spezialisiert als Barettlikrämer, Hutkrämer und Seidenkrämer, war eine derart gründliche, dass fünfzig Jahre später der Zunftvorstand einem Bewerber um das Zunftrecht, der als seine Hantierung Kramwerk und Gewürze nannte, bereits erklären konnte, dass es nie gebräuchlich gewesen sei, Kramwerk und darneben Gewürze feilzuhalten. Von den Wurzkrämern und den Stoffkrämern heben sich als dritte Gruppe und pekuniär schwächste Schicht die «gemeinen handkrämer» ab, berufliech ungelernte Leute, darunter vielfach Frauen, die unter dem Richthaus, beim Rheintor, auf der Brücke, beim Zunfthaus ihre bescheidenen «Krömlein» oder «Ständlein» mit allerlei billigem Kleinkram innehatten.

Spätestens seit Beginn des 15. Jahrhunderts vollzog sich das gesamte Gewürz- und Spezereigewerbe im Rahmen der Zunft und unter ihrer Verantwortlichkeit. Um der Wichtigkeit der von den Pulverleuten vertriebenen Waren willen, die zum Teil als Lebensmittel und Medikamente galten, hatte die Zunft Recht und Gewalt, die Echtheit der Rohstoffe und die gemachten Mischungen zu prüfen. Die Urrezepte dieser Mischungen fanden nicht nur im wichtigsten Zunftbuch, sondern auch im Ratsbuch Aufnahme und jeder Krämer und jede Krämerin musste sich durch einen leiblichen Eid auf deren getreuliche Anwendung verpflichten. Man unterschied für den gewöhnlichen Küchenbedarf die starkgepfefferte «spiswurtz», dann die feinere, mit mehr Safran durchsetzte «gutwurtz» und die für Kranke bestimmte, vorwiegend aus Ingwer bestehende, milde «kintbetterwurtz ». Ausser Safran Ingwer und Pfeffer enthielten diese Mischungen je nach ihrer Bestimmung noch einen entsprechenden Zusatz von Zimt, Nelken, Muskatnuss und Pariskörnlein. In leinenen oder baumwollenen Säcklein verkaufte der Krämer die fertige Komposition, deren Rezept während drei Jahrhunderten fast unverändert blieb, an seine Kunden. Erst relativ spät, mit dem Billigerwerden des Papiers im 16.Jahrhundert kam die Papierverpackung auf. Das waren die sog. «wurtzkrämerhäuslin» und «Brieflein», die nach ihrer hornförmigen Gestalt bezeichnete Tute der Schriftsprache.

Früh schon wurden vor Zunft und Rat Klagen laut wegen Gewürzverfälschungen. Es werde «vil beschisses getriben» heisst es, und statt der vorgeschriebenen Ingredientien wilder Safflor, Sandelholzstaub, gebranntes Brot, Russ, Baumöl, ja «gedörret fleisch» unter die Wurz gemengt. Solcher Betrug war umso leichter möglich gewesen, als ursprünglich jeder Krämer berechtigt war, seine Ware selbst, daheim oder in einer beliebigen Stampfe zu stampfen. Diesen Unfugen steuerte die Zunft durch die aus ihrer Mitte bestellte Gewürzschau und den Stampfzwang, der alle Pulverleute verpflichtete, sich ausschliesslich der von der Zunft betriebenen Stampfe zu bedienen. Auf diesen Stampfzwang deuten frühestens die aus den Jahren 1421/22 stammenden Stampfbüchlein der Zunft, die anlässlich eines Streitfalles noch 1710 vorgewiesen wurden, heute aber verschollen sind.

Als älteste Zunftstampfe benutzten die Krämer das am untern Kohlenberg (jetzt Hausnummer 11 und 13), auf dem rechten Ufer des Rümelinbaches gelegene «Lehengewerbe», das zur Ausnützung der Wasserkraft des Rümelinbaches mittelst eines Wasserrades berechtigte. Im Jahre 1440 kaufte sich die Safranzunft vom Messerschmied Hermann Gyger das untere Rad der aus zwei Wasserwerken bestehenden «Hinteren- Schleife» (St. Albantal Nr. 23), die am hintern Teicharm, dicht hinter der Ringmauer, also gerade vor dem Ausfluss des Teiches in den Rhein sich erhob. Das erworbene Lehen wurde zu einer Gewürzstampfe umgebaut. Aber bald erwies sich diese Stampfe in der sowohl das Gewürze als die groben Sorten wie Schwefel, Gallnuss und Farbdrogen gestampft wurden, als zu klein. Dem Wunsche und Drängen der sich mehrenden Gewürzkrämer entgegenkommend, tauschte darum die Zunft 1487 ihr halbes Lehen an der «Hinteren Schleife» an den Schleifer Hans Löwenberg gegen dessen Besitz zur «Vorderen Schleife» und «Orismühle» (Mühlenberg Nr. 24), und errichtete in diesem Wasserwerk zwei Stampfen, wovon die vordere nur für die Spezereien, die hintere für die groben Sorten und das Gewürze der fremden Landkrämer diente. Von 1487-1770 blieben so die Safranherren die Inhaber der «wurtzmulin hinder dem closter, genannt zum kleinen Safran».

Die Oberaufsicht über die Gewürzstampfe führten die von der Zunft jährlich dazu deputierten Gewürzschauer, die «Zwei zum bulffer,» die nicht durchwgs aus Fachleuten genommen wurden. Sie kontrollierten die vom Zunftvorstand gewählten und in Eid genommenen Stämpfer, der als gewichtiger Funktionär in der Stampfe schaltete und waltete. Eine ausführliche Amtsordnung regelte sein, seiner Hausfrau und seines Gesindes Tun und Lassen.

Er musste schwören, früh und spät, Tag und Nacht des Stampfes zu warten. Jeden Samstag hatte er dem Zunftschreiber anzugeben, was und wieviel an Ware die Woche hindurch gestossen wurde. Niemanden durfte er etwas borgen noch bieten. Was er oder seine Frau an Geld einnahmen, hatten sie unverzüglich in die Stampfebüchse zu legen und diese alle Fronfasten – vierteljährlich – dem Zunftvorstand zu überantworten. Sein Eid verlangte, die Stampfe allzeit in guten Ehren zu halten und alles zu tun, was er an Reparaturen selbst verrichten konnte. Was wiederherzustellen er selbst nicht imstande war, hatte er dem Zunftmeister oder dem Seckelmeister anzugeben, die alsdann die entsprechenden Handwerker zuzogen. Seine Amtspflicht auferlegte ihm auch, auf seine Kosten die Zunft mit «Wuhren, Wässern, und andern Dingen an dem Lehen» zu vertreten. Als Entgelt hiefür erhielt er alles Holz, Heu und Emd, das der Zunft von den Lehenmatten zufiel. Hatte der Stampfer im Stampf nichts zu tun, und fand anderswo zu werken, durfte er es tun, doch so, dass, wenn man seiner notdürftig wäre, seine Frau ihn zu finden wisse, damit nichts versäumt würde. Insbesondere hatte er Fremde und Heimische zu rechtfertigen, ob sie nach der Zunftordnung stossen und stampfen wollten. Waren sie dessen nicht willig, sollte er sie mit «handgegebener Treue» geloben heissen, in der Stadt und eine Meile Weges darum, nichts feilzuhaben und zu verkaufen. Desgleichen sollte er alle Waren, die in die Stampfe kam, bei dem Gewicht empfangen, damit er den richtigen Stampfpreis fordern konnte. Sah oder hörte er etwas argwöhnisches das nicht «gerecht» wäre, so hatte er es dem Zunftmeister oder dem Oberknecht zu rügen .Was an Gewürzstaub in der Stampfe sich ansetzte oder zu Boden fiel, durfte er nicht für sich behalten oder verkaufen, sondern musste es alle Fronfasten auf die Zunft abliefern. Alle die Stampfe berührenden Dinge, besonders ob man viel oder wenig einnahm, hatten er und seine Frau geheim zu halten, überhaupt in allem der Zunft Nutz, Ehr und Frommen zu fördern. Er durfte darum auch niemanden den Schlüssel zur Stampfe anvertrauen, auf dass der Zunft kein Schaden daraus entspringe. Endlich musste der Stämpfer eine Bürgschaft leisten.

Der Stämpfer bezog seit dem Ende des 15. Jahrhunderts einen festen Jahresgehalt von acht Pfund Stebler Basler Währung, der ihm vierteljährlich zu zwei Pfund ausbezahlt wurde. Ausserdem hatte er bis zur Hälfte resp. bis zu einem Drittel Anteil an den von der Zunft erhobenen Stampfgebühren. Im Jahre 1495 galt folgender Tarif:

Ein Pfund gefärbte Wurz zu stossen 3 Rappen, davon dem Stempfer 1 Rappen gebührt.

Ein Pfund ungefärbte Wurz zu stossen 3 Rappen, davon dem Stämpfer 1 Rappen.

Ingwer und Pfeffer das Pfund zu stossen 2 Rappen, davon dem Stämpfer 1 Rappen.

Von einem Pfund Zandel oder Safran 1 Schilling, davon dem Knecht 6 Pfennig.

Hundert Jahre später, 1596, forderte die Stampfordnung:

Von

einem

Pfund

Gutwurz

1 s.,

davon

dem 

Stämpfer

4 d.

"

"

"

Landwurz

10 d.

"

"

"

4 d.

"

"

"

Weisswurz

8 d.

"

"

"

4 d.

"

"

"

Safran

2 s.

"

"

"

1 s.

"

"

"

Gallus und Bresil

6 d.

"

"

"

2 d.

Dank des vereinbarten Gewinnanteils steigerte sich das Einkommen des Stämpfers bei gutem Geschäftsgang zu einem recht ansehnlichen. Es ist daher nicht verwunderlich, dass dieses zünftige Amt ein geradezu gesuchtes war, um das sich bei Gelegenheit bis zu einem Dutzend Bürger bewarben. Gerade die ältesten bekannten Stämpfer waren wohlhabende Leute. Der 1301 erwähnte Meister Werner der Stämpfer gehörte sogar dem vornehmen Kreis der Achtburger an. Clewi Schaler (1446), Heinrich Frech (1447) und Jakob Funk (1449) besassen nennenswerte Vermögen und Burkhart der Stämpfer zur Zeit der Reformation galt als ein reicher Mann. Stolz mochte auch ein solch Erkorener das ihm von seinen Herren geschenkte Barett in den Zunftfarben zur Schau tragen, wie es 1569 dem Pulverstämpfer Claus Droly wohl wegen besonderen Diensteifers, zuteil wurde.

Die streng und unnachsichtlich gehandhabte Gewürz- und Stampfordnung verschaffte der zünftigen Stampfe und den Spezereien der Basler «Pulverleute» weitum den besten Ruf. Und gerade in dieser Blütezeit des örtlichen Gewürzgeschäfts entbrannte nach 1500 ein Jahre andauernder Kampf zwischen Wurzkrämer und Zunft einerseits und Publikum und Obrigkeit andererseits. Veranlassung dazu gab in erster Linie die starke Steigerung der Gewürzpreise, die im unmittelbaren Zusammenhang stand mit den Umwälzungen der Weltwirtschaft infolge der überseeischen Entdeckungen. Der zunehmende Geldumlauf bedingte zwangsläufig eine Geldentwertung und Preisaufschläge im Allgemeinen.

Der Basler Gewürzhandelstreit war nur das Teilstück eines wirtschaftlichen Prinzipienkampfes, der sich zugleich mit politischen und sozialen Bewegungen kreuzte. Nach mittelalterlicher Auffassung hatte die wirtschaftliche Tätigkeit nicht dem Vorteil des Einzelnen, sondern der Gesamtheit zu dienen. Zunftrecht und Stadtwirtschaft schlossen darum – wie sich gerade in Basel deutlich verfolgen lässt – den freien Wettbewerb möglichst aus, um eine gleichmässige Verteilung von Arbeit und Gewinn zu erzielen. Diesem System zuwider liefen die immer stärker sich äussernden Bestrebungen der beiden vornehmen Handelszünfte zum Schlüssel und namentlich zum Safran zur Nutzbarmachung von Kapital in Form der Assoziation mit Fremden und in der Teilnahme an monopolistischen Unternehmungen aller Art.

Wir sehen hiebei den Basler Rat mehrheitlich im Erbe der mittelalterlichen Tradition befangen und eine Auffassung äussern, wie sie ein Dutzend Jahre später Luther in seiner Schrift «von Kaufhandlung und Wucher» wohl am leidenschaftlichsten und rücksichtslosesten fixiert hat.

Bezüglich der Gewürzverteuerung fiel nun den Krämern eine sachliche Rechtfertigung nicht allzu schwer. Weit mehr wurmte sie der aus Publikum erhobene und obrigkeitlich festgehaltene Vorwurf geringwertiger Substanz, «diewil wir doch noch uff diesen tag wytt und breitt den ruom hant von unserm bulffer, so wir machent, dz doch vor ab unseren gnedigen heren den reten und einer löblichen statt Basel ein grosse ere ist, zum anderen so ist kunt und wissen, wo wir Basler hinfaren, es sige gon Venedige, gon Frangkfurt, Lyon oder anderswo, dz wir den ruom hant von koufflütten, dz wir allewegen dz allerbest, so uns müglich ist zu finden von spetzery, kouffen»

Erinnern wir uns dabei, dass diese stolzen Worte aus einer Zeit stammen, da Basel eine Genussfreude auf allen Lebensgebieten durchbrauste, da ein Glareanus der Basler Küche das höchste Lob zollte, da die Schneider und Goldschmiede bemüht waren, Seide und Samt, edles Metall und Gestein «uf das scherpfest noch der welt louf ze verwereken».

Den ausführlich begründeten Einwänden der Krämer zu Trotz, hielt der Rat seine Hauptforderung, die Preisreduktion, aufrecht und setzte 1510 von sich aus einen entsprechenden Preistarif fest. Nun begannen einzelne Pulverleute ihren Bedarf im eigenen Haus zu verarbeiten, um nach ihrem Belieben stossen und mischen zu können; andere versuchten durch Bestechen des Stämpfers die lästigen Vorschriften zu umgehen. Um diese Missbräuche abzustellen, gebot der Rat die privaten Stampfeinrichtungen von Stund an abzutun und verpflichtete die Fehlbaren, ihre Gewürze in den offenen Stampf zu tragen und durch den Zunftstämpfer verarbeiten zu lassen. Dem Personal der Zunftstampfe wurde eingeschärft kein «genetztes» Gewürze anzunehmen, es keinesfalls auch selbst zu netzen, sondern alles trocken zu stossen und darauf zu achten, dass die gelieferten Zutaten, die zu jeder Mischung gehörten, währschaft seien. Auch das auf die Landschaft gehörende Pulver musste der Stämpfer nach der städtischen Ordnung stossen. «Aber den frembden» d.h. den auswärtigen Händlern, «mag man dasselb bulfer wol netzen und uff ander weg stossen, doch das nützit ungesunder dingen darin getan werd». Auf diese Ordnung wurde 1514 der Stämpfer Heintich Warni, seine Frau Anna Möschlin und beider Tochter Küngolt eidlich verflichtet.

In diesen Jahren erhob das Publikum neue, bittere Klagen über die Qualität der «Specerey», die ihrer Substanz nach schwach und mit verbotenen Surrogaten durchsetzt sei. Die Krämer blieben die Antwort nicht schuldig. Besonders reizte sie das Verbot des «Netzens» d.h. des Zusatzes von Essigbeize, durch die das Gewürzpulver eine schöne glänzende Farbe bekam. Sie brachten vor, dass gerade ihre beste Kundschaft, die fremden Händler der Nachbarstädte, gebeizte Ware verlangten. Den Klagen wegen des Preisaufschlages begegneten sie neuerdings mit dem Hinweis auf die Geldentwertung, die Schwierigkeit der Rohstoffbeschaffung, und die Unsicherheit der Bezahlung. Aber indigniert über den trotzigen Widerstand der Krämer hielt der Rat unbeirrt an seinen Massnahmen fest. Diesem, übrigens auf allen gewerblichen Gebieten sich ergehenden Streit wirtschaftlicher Bedürfnisse und Kräfte setzte endlich die schon erwähnte Gewerbeordnung von 1526 ein Ziel. Sie bewilligte den Pulverkrämern höhere Taxen und die lang umstrittene Essigbeize. Doch hatte das Netzen nur durch den geschworenen Stämpfer zu geschehen, in der Weise, dass zu einem Pfund gefärbten Pulver nicht mehr als fünf Lot Essig beigemengt werden durften. «Und sollen desselbigen pulvers, so si also netzen und in der statt Basel verkaufen und auswegen wöllen, das lot nit höcher oder theurer dan umb sieben rappen geben». Im übrigen blieb es bei der alten Gewürz- und Stampfordnung. Sie erhielt erst 1596 wieder einige Ergänzungen. Den Spezierern wurde erlaubt, dass sie oder ihr Gesinde beim Stampfen zugegen sein mochten; doch wenn sie am Geschirr etwas verwüsteten, hatten sie es in ihren Kosten zu ersetzen. Weiter wurde ihnen vergönnt, «auf allerhand Gewürze» eine Probe zu machen. Dem Stämpfer wurde verboten, auf eigene Rechnung zu stossen und weder ganzes noch gestossenes Gewürze zu kaufen oder zu verkaufen. Seinem Wochenrapport hatte er hinfort Namen und Zunamen der fremden und heimischen Lieferanten beizufügen. Was ihm zur Verarbeitung in die Stampfe geschickt wird und nicht nach der Ordnung «ingewegen» ist, hat er – in seinem eigensten Interesse – zurückzuweisen, da er bei der abgewogenen Ware für ein anfälliges Manko haftbar ist.

Im Jahre 1628 ergab sich, dass bei verschiedenen Spezierern die Rezepte und «Stöss» d.h. die zum Stampfen gebrachten Quantitäten nicht mit dem Zunftbuch übereinstimmten. Die betreffenden Spezierer hatten ihre Rezepte zur Korrektur dem Vorstand zu unterbreiten.Gleichzeitig befahl dieser, von dem gestossenen Gewürz der in der Messe feilhabenden Würzkrämer Proben zu nehmen und sie durch die Schauherren, Zunftschreiber Andreas Bletz und Ratsherr Hans Heinrich Werenfels begutachten zu lassen. Auf Befehl des Rates wurden hierauf sämtliche Spezierer vor die Zunft gefordert und befragt, ob sie der zünftigen Wurzordnung nachkommen und der Herstellung geringer Landwurz, welche die Landfahrer hin und her im Land verkauften, müssig gehen wollten. Sebastian Güntzer, einer der Prominenten, betonte, seine Wurz bis anher besser gestossen zu haben, als die Ordnung ausweise, indem er noch «macis, cardamönlin und cubeben» zufüge. Die andern Wortführer der Spezierer, Lucas Iselin , Sebastian Müller und Jakob Bernoulli erklärten feierlich, bei der gnädigen Herren und Obern Ordnung verbleiben zu wollen und begehrten Abschaffung der Landwurz. So geschah es auch. Geschickt benützten die Zunftherren die Anwesenheit des ganzen Gewerbes, um an dem Spezierer Jakob Stupanus ein abschreckendes Exempel zu statuieren, weil er Pfeffer hatte stossen lassen, «so nicht dem pfeffer sondern einem sandt sich verglichen». Auf Befragen, was das für Pfeffer sei, erklärte er, es sei Pfefferstaub, den man sonst Landpfeffer nenne. Stupanus verfiel wegen dieser eigentümlichen Pfeffersorte in eine Strafe von zehn Pfund.

Erneut wurde die Gewürzkontrolle verschärft, indem alles zur Stampfe geführte Gewürz mit der Schauherren Petschaft versiegelt werden musste; seit 1680 benützte man das «Zunftzeichen», die Safranlilie, als Siegel. Die letzte Stampfordnung vom Jahre 1710 beschreibt das etwas umständliche Verfahren also: «Sollen die Specirer ihr Ungefärbtes und gelbes und zwar jedes Gewürz, so darzu gehört sambt dem Safran absonderlich abwägen, in Papyr einwickeln und zusammen in den Sack thun; so auch das ander Gewürz und alsdann in der Herren Versiglern Behausung schicken, die es dan visitiren sollen. Findet der Herr Versigler, dass die Waar der Schau gemäss, soll er alsdan den Sack verpitschieren, folglich ein jeder dieselbe in den Stampf tragen lassen möge.

Wan diesem nach den Herren Specirer das Gewürz wieder gelüfert werden soll, so solle der Stampfer dasselbe wieder verpitschieren, da dan die Herren Specirer den Sack verpitschiert abwegen sollen; fahls sich nun das Gewicht nicht erfinden wurde, sollen sie den Sack nicht selbsten öffnen, sondern den Herrn Versigler gleich dazu ziehen. Ingleichen wan an der Qualitet des Gewürzes einiger Mangel bey Eröffnung des Sacks sich eräugnete, soll man es dem Herren Versigler ansagen, dass er es besichtigen solle, findet er dasselbe nicht recht, so solle er, Herr Versigler, es alsbald dem neuen Herren Meister oder Rhatsherren hinterbringen, dass sie ein Bott halten und es dem Stampfer vorhalten, der dan nach Gestalt der Sachen schuldig seyn solle, es zu ersetzen oder zu bezahlen, oder auch sonsten nach der Sachen Bewandtnuss mit ihme verfahren werden ...»

Trotz der peinlichen Aufsicht kamen besonders seit dem 17. Jahrhundert, Verfehlungen sowohl von seiten der Spezierer, als des Stämpfers vor. Im Jahre 1654 wurde das gesamte Gewerbe samt dem Stämpfer wegen eingerissener Missordnung vor das Sechserbott gefordert und ihnen ernstlich zugesprochen, sich an die alte Ordnung zu halten. Ein Jahr darauf klagte der Stämpfer, dass die Spezierer ihre Ware unversiegelt lieferten, was viel Ungemach zur Folge habe. Nach der Messe 1656 endlich belegte der Zunftvorstand den Spezierer und Apotheker Christoph Stupanus wegen Gewürzverfälschung, «so er lengsten verübet und getriben» mit 5 Pfund Busse. Mit der gleichen Begründung wurde zwei Jahre später sein älterer Bruder, der Spezierer Rudolf Stupanus um zwei Mark Silber, gemildert auf zehn Pfund, bestraft.

Im Hinblick auf die sich mehrende Unregelmässigkeiten revidierten die Zunftherren 1660 die alte Gewürz- und Stämpferordnung. Insbesondere schärfte diese dem Stämpfer ein, beim Stossen von Tabak, Schwefel, Gallus, Spangrün etc. vorsichtig zu verfahren und derartige grobe Sorten auf keinen Fall in der vordern grossen Stampfe einzusetzen, die lediglich dem Gewürze vorbehalten bleiben sollte.

Gleichwohl kam man 1662 schweren Veruntreuungen des Stämpfers Jakob Dietler auf die Spur. Er wurde sofort seines Amtes enthoben. Mit Rücksicht auf die Familie sah die Zunft von einer Anzeige höhern Orts ab, verurteilte aber den Fehlbaren immerhin zu der gesalzenen Strafe von 300 Pfund.

Alsobald wurde die Stämpferordnung nochmals verschärft. Am 24. Juni 1663 leistete der neugewählte Stämpfer Jakob Iselin mit seiner Frau Elsbeth Merian den Schwur darauf. Mit Iselins Wahl hatte der Zunftvorstand freilich keine glückliche Hand gezeigt. Iselin schaltete recht eigenmächtig im Eigentum seiner Herren und liess, ohne zu fragen, einen Kuh- und Schweinestall im Stampf erbauen. Da gebot ihm die Zunft innert acht Tagen alles Vieh aus dem Hause zu schaffen und die Stampfe wieder in alten Stand zu setzen, weil sie sonst «verschreit» werde. Iselin hielt aber nicht nur die Gewürzmühle in schlechter Ordnung, sondern liess auch die dazu gehörenden Lehenmatten und die darauf stehenden Fruchtbäume in Abgang geraten. Er war überhaupt ein übler Haushalter, musste doch 1668 seine eigene Frau vor den Zunfthäuptern wegen beständigen Hausstreites Klage erheben, «er habe ihr ein Loch in den Kopf und sonsten blau und gelb geschlagen». Die angedrohte Absetzung scheint dann den rabiaten Stämpfer etwas ernüchtert zu haben. Aber in den nächsten Jahren ergingen immer wieder Klagen gegen ihn. Endlich war die Langmut der Zunftherren erschöpft. Im Jahre 1680 wurde Iselin, «weil er lange Zeit hero sich so übel verhalten, niemanden respectiert, allerhandt Insolentien verübt, mit den Specierern allerhandt ohnmütige Händel angestelt» durch den Oberknecht der Stampfdienst aufgekündet, und Anthoni Burger jünger – ein Grosssohn des amtierenden Zunftmeisters Theodor Burckhardt als Zunftstämpfer eingesetzt. Burger trat aber schon nach Jahresfrist von seinem Posten zurück, vor allem, weil die benachbarten Müller ihm das Wasser entzogen. In Cölius Curio erhielt er seinen Nachfolger.

Wie sehr die Safranzunft an ihrer Gewürzmühle und an dem Stampfzwang festhielt, als an einem auf «sie erwachsenen» Regal und Monopol das auf ihre «spate Posterität fortzusetzen» sie sich äusserst angelegen sein liess, erhellt aus dem 1710 akut gewordenen Streit mit Meister Leonhard Lindenmeyer dem Hosenstricker. Dieser hatte seiner Walke in der ihm gehörenden Claramühle im Rappoltshof eine Pulverstampfe angegliedert, um den schlechten Ertrag seiner Strumpf- und Hosenlismerwalke zu kompensieren. Daneben gab er aber unumwunden zu, dass der Bau des neuen Werkes der Safranzunft zu Trotz geschehen sei, weil diese ihrerseits mit ihrer 1709 errichteten Strumpfwalke ihm empfindliche Konkurrenz schaffe. Die Safranzunft war aber keineswegs gewillt, sich ihre verbriefen Vorrechte antasten zu lassen und verlangte mit Nachdruck die Stillegung der Lindenmeyer'schen Stampfe. Auch der Rat als oberste, entscheidende Instanz, sah in Lindenmeyers Vorgehen einen Eingriff in die zünftige Gerechtsame. Er erneuerte und bestätigte diese und wies die Zunftangehörigen an, Spezerei, wie auch grobe Sorten und Farb-Drogen allein auf der Zunftstampfe bereiten zu lassen. Nicht safranzünftige Bürger sollten dagegen für eigene Farbdrogen nicht an die Zunftstampfe gebunden sein. Bei höchster Ungnade verbot gleichzeitig der Rat die Aufrichtung einer Gewürz- und Pulverstampfe, wie auch niemand Gewalt haben sollte, ohne obrigkeitliche Bewilligung ein bereits bestehendes Wasserwerk umzuwandeln. Erst mit dem Verkauf  der Liegenschaft am 1. Juni 1770 begab sich die Zunft aus freien Stücken ihres jahrhundertelang gehüteten Stampfmonopols.

Den Gewürzen und Spezereien hatte sich schon im Mittelalter ein weiteres fremdes Element als Krämerware beigesellt: der Handel mit Meerfischen. Der Detailverkauf war zwar altes Gremperrecht, aber den Grossimport betrieben durchwegs kapitalkräftige Krämer. Überdies stand in der Zeit des stärksten Fischkonsums  – während der Fastenzeit – der Verkauf der Häringe und Bücklinge jedermann frei. Der Meerfischhandel führte die Basler Krämer in intensive Handelsbeziehungen zur Stadt Köln, der Vermittlerin zwischen den Fangstätten der Nordsee und den Städten der oberrheinischen Lande. Die schlechten Verkehrsverhältnisse des Mittelalters schlossen den Transport grüner Ware aus. Meerfische kamen nur in präpariertem Zustand – getrocknet oder eingesalzen – in den Handel; die Räucherung ist für das Mittelalter kaum bezeugt. Der Versand geschah in Tonnen, teilweise nur in Körben zwischen Stroh verpackt (Bückingstrowen).

Welch starken Bedürfnissen die Basler Krämer zu genügen hatten, erhellt beispielsweise aus der Wegnahme eines nach Basel bestimmten, über hundert Tonnen haltenden Häringstransportes durch feindliche Wegelagerer in den Fasten 1409!

Geschäftliche Korrespondenzen, mündliches Verhandeln und getroffene Vereinbarungen, Klagen wegen schlechter und betrügerischer Verpackung der Meerfische wie auch Klagen des Publikums über Mangel an gesalzenem Gut, die Vorschriften des Kaufhauses, die Tätigkeit der obrigkeitlichen Häringsbeschauer, all diese Äusserungen und Zeugnisse des 15. Jahrhunderts lassen deutlich die Wichtigkeit dieses Handelszweiges in der städtischen Lebensmittelpolitik erkennen. Er verlor auch in nachreformatorischer Zeit trotz des Wegfalls der Fasten seine Bedeutung keineswegs.

Im Jahre 1613 beschwerten sich zwölf der angesehensten Spezierer wegen der Fisch-Schau der vom Rat bestellten Lieferherren. Die alte Ordnung hatte gelautet, dass die Schauer von jeder Rolle mit einer Zange an drei verschiedenen Orten nur drei Fische als Probe herauszogen und von hundert Bücklingen zwei und von der Tonne Häringe ebenfalls zwei. Jetzt aber verlangten die Lieferherren, dass die Spezierer von jedem Zentner im Wert von 6-10 Gulden einen Fisch und «nit den geringsten» gäben, was sich einer jeden Rolle nach auf sechs Fische belaufe. Zudem duldeten die Liefer- und Beschauherren bei dieser Kontrolle weder die Anwesenheit der Krämer, geschweige ihrer Diener, sondern es geschehe dies ohne Zange bei geschlossener Türe.

Konflikte brachte auch das von den Krämern wie von Grempern beanspruchte Verkaufsrecht. Eine Ratserkanntnis vom Jahre 1649 untersagte den Grempern den Verkauf von trockenen Stockfischen und erlaubte ihnen nur eingeweichte und gewässerte Ware zu verkaufen. Den Spezierern sollte wie bis anhin der Stockfischverkauf beim Pfund erlaubt sein, ebenso der Verkauf von Häringen bei Tonnen und halben Tonnen, stückweise aber nur im Kaufhaus und sonst nirgends.

Ein neues Geschäftsgebiet tat sich im 17. Jahrhundert für die Spezierer auf durch den Tabak. Bereits in der Zeit des Dreissigjährigen Krieges gehörten Rauch- und Schnupftabak zu den von den Spezierern ständig gehaltenen Waren. Die Abweisung des 1643 um das Bürgerrecht sich bewerbenden welschen Tabakmachers Moses Pirgot  ist nicht, wie Geering schreibt, auf ein obrigkeitliches Tabakverbot zurück zu führen, sondern geschah im Interesse der hiesigen Krämerschaft, die erklärte, dass ein jeder von ihnen «mit dergleichen ware wohl versehen, auch ihnen selbige um seinetwillen verderben und zugrunde gehen würde».

Erst in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts fand sich der Rat genötigt, dem in der Stadt und auf der Landschaft rasch sich ausbreitenden Tabaktrinken seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken.

Im Jahre 1650 liess der Basler Rat auf allen Zünften das Tabakrauchen in den Scheunen untersagen. Diesem Partialverbot folgte 1652, auf den Einzug, das Tabaktrinken besonders den Soldaten zu verbieten, der allgemeine Befehl, bei einer Strafe von 2 Gulden des Tabakgenusses müssig zu gehen. Im folgenden Jahre, 1653, erkannte die Regierung, dass aller Orten, besonders unter den Toren, das Rauchen abgeschafft werden sollte. Die 1654 erneuerte Erkanntnis erfuhr dann allerdings eine Abschwächung, indem nur diejenigen, welche an feuergefährlichen Orten  dem Tabak fröhnten, zu empfindlicher Strafe gezogen wurden.

1660 sah sich der Rat wiederum zu einer Verschärfung veranlasst. Deshalb sollte sich jedermann sowohl tags als nachts nicht allein an feuergefährlichen Orten und auf der Wache, sondern auch in Gast-, Wein- und andern Häusern des Rauchens müssigen bei vier Gulden Strafe. Weiterhin erhob der Rat 1663, 1664, 1669 und 1672 in energischen Mandaten seinen Mahn- und Warnruf.

Mit dem Jahre 1677 verschwinden die allgemeinen Rauchverbote aus den Ratsbüchern und öffentlichen Mandaten. Über eingefleischten Vorurteilen und abergläubischen Bedenken sah das kaufmännische Basel den wirtschaftlichen und fiskalischen Nutzen winken, den die Branche bringen konnte, und bereits 1671 erweisen sich die baslerischen Gesandten auf der Tagsatzung als warme Verteidiger der Tabakfabrikation. Die Inkonsequenz ihres Handelns – auf der einen Seite der Bürgerschaft den Tabak zu verbieten, andererseits aber dessen Manufaktur Vorschub zu leisten – entschuldigte die Basler Regierung mit der Begründung, dass der grösste Teil der hergestellten Ware ins Ausland wandere.

In die nächstfolgenden Jahre sind dann auch die ersten Anbauversuche auf Basler Grund und Boden einzureihen. Grössere Kulturen befanden sich seit 1682 in Kleinhüningen. Die Seele des dortigen Unternehmens war der Strassburger Tabakmacher Friedrich Zornser, der auf gepachtetem Land eine Pflanzung von über vier Juchart betrieb, zu der 1684 weitere dreizehn, an drei Bauern verdingte Jucharten kamen. Aufgemuntert durch Zornser, folgten seinem Beispiel auf eigene Rechnung etliche einheimische Kleinhüninger, unter ihnen die unternehmende Wirtin zum «Neuen Haus». Nachweisbar fanden sich damals auch zu Sissach Tabakfelder kleineren Umfangs, und im Homburger Amt pflanzte Hans Thommen zu Wittisburg auf einer Matte und Bünte Tabak.

Zu bemerkenswerter Bedeutung gelangten nun aber die Basler Tabakplantagen nicht. Die Hoffnungen, welche der rühmende Zornser mit dem neuen Erwerbszweig bei den Kleinhüningern wachgerufen, zerflossen in nichts. Anstatt der erträumten Reichtümer besassen die enttäuschten Leute nur ihre ausgeraubten Feldgüter. Ausser der Neuhauswirtin, die auch fernerhin in den Akten als Lieferantin figuriert, war keiner mehr willens weiterzubauen. Auch die Baselbieter Anlagen trugen nur geringen Nutzen ein, und unterm 22. Juli 1685 verbot der Rat kurzerhand das Tabakpflanzen in allen Aemtern, eine Massnahme die freilich auf die Dauer doch nicht aufrecht erhalten wurde. Die Beweggründe lagen nicht sowohl in den schlechten Erfahrungen der Pflanzer, als vielmehr in dem Umstand, dass der überseeische Tabak, sowie die aus der Pfalz und besonders aus der Umgebung Strassburgs zur Verarbeitung eingeführten Blätter, dank den Zollgebühren dem Staat eine reicher fliessende Einnahmequelle sicherten als die spärliche. Eigenzucht. Es ist überaus interessant und für die Handelskraft Basels bezeichnend, wie es sich damit in direkten Gegensatz zu dem weniger kaufmännischen Bern stellte, das um die nämliche Zeit durch ein Monopol allen fremden Tabak von seinem Gebiet fern hielt und zur Deckung seines einheimischen Bedürfnisses die Untertanen eigentlich zum Tabakpflanzen zwang.

Im Vordergrund für Basel stand aber Fabrikation und Tabakhandel, der mit der Jahrhundertwende tatsächlich einen bedeutenden Aufschwung nahm. Denn inzwischen hatten sich auch die Ansichten über den Tabak abgeklärt. Wie zuvor die Schar seiner Gegner gewachsen war, so mehrte sich nun die Zahl seiner Ehrenretter und Notschirmer.

Diese Sinneswandlung im Beurteilen des Tabaks und sein Emporsteigen zum gesellschaftsfähigen Kulturprodukt musste naturgemäss in vermehrter Fabrikation und regerem Handel ihr Widerspiel finden. Als freie Kunst, will sagen als Gewerbe, das jedermann fabrikmässig betreiben durfte, standen der Tabakmanufaktur in Basel von Anfang an keinerlei ältere zünftische Vorrechte im Weg. Die ersten Vertreter des Gewerbes waren hauptsächlich Neubürger, wie der 1697 zu Safran aufgenommene Hans Jak. Zorn und der 1698 nach Basel gekommene Glaubensflüchtling Maternus Melckher  aus Strassburg. In Melckher, der zugleich einen Grosshandel mit Kolonialwaren betrieb und Geld auf Zinsen lieh, haben wir Basels ersten und eigentlichen Tabakfabrikanten zu erblicken.

Mit allen Mitteln wehrte sich das eingesessene Krämergewerbe gegen die Niederlassung und Einbürgerung dieses Mannes «von grossem Capital und Correspondenz», d.h. weitverzweigten Geschäftsverbindungen, und benutzte die Gelegenheit, um dem Rat wieder einmal das Gespenst der Überfremdung in den grellsten Farben vorzumalen. Nirgends in der ganzen Eidgenossenschaft stehe das Bürgerrecht in minderer Geltung und sei leichter zu bekommen als eben in Basel; es werde leider nicht mehr wie in Bern oder Zürich «für ein ohnschätzbahres Kleynodt» angesehen, das um «kein Geldt» zu erlangen sei! Heute schleiche der eine, morgen der andere sich ein!

Es ist das übliche Schelten, wie es seit der Refugiantenzeit so oft aus den Kreisen des fremdenfeindlichen Zunftregiments ertönte, die mit mürrischer Grundsätzlichkeit für sich und ihre Nachkommen die Garantie der wirtschaftlichen Sicherstellung durch den Staat beanspruchten, ohne solche dem Wettbewerb und dem Messen der Kraft anheim zu stellen. Allen Hindernissen zum Trotz ward Melckher Basler. Ein Jahr nach seiner Aufnahme ins Bürgerrecht begann er an der Freienstrasse seine Manufaktur einzurichten, zu welchem Zweck er eine Anzahl fachgeschulter Arbeitskräfte nach Basel kommen liess, die unter Leitung des erfahrenen Tabakspinners und Werkführers Kaspar Osselt aus Glarus auf drei Tafeln wöchentlich 25 bis 30 Zentner produzierten. Scheel sahen die Konkurrenten auf diesen Grossbetrieb, der die Rivalen bald auf der Zurzacher Messe und auf den Plätzen Solothurn und Genf aus dem Felde schlug.

Nicht so einfach wie bei der Fabrikation lagen die Verhältnisse beim Tabakhandel. Hier machten sich zünftische Vorrechte gegenseitig den Rang streitig. Nicht allein die Spezierer erhoben auf den Tabakhandel Anspruch. Als Urproduktion wollten die Gärtner den Tabak und dessen Handel auch in den Bereich ihrer Zunft einbezogen wissen, eine Forderung, welcher die Spezierer insofern entgegenkamen, als sie seit 1729 den Gartnern die in «hiesiger Gegend» gewachsenen Blätter zum Vertrieb überliessen; konnte es sich doch dabei um keine grossen Mengen handeln im Vergleich zu den ganz beträchtlichen Lagerbeständen, welche z.B. die Enquete von 1720 bei den hiesigen Spezierern zutage gefördert hatte. Im übrigen aber wachten die Spezierer ängstlich über ihrem Recht, und die Berufskumulation, wie sie sich in Jak. Philippi anhäufte, der zugleich Biersieder, Tuchscherer, Wollfärber und Tabakhändler war, vermittelt einen der singulären Ausnahmefälle. Den italienischen Händlern, die Schnupftabak importierten und diesen selbst, hauptsächlich an vornehme Fremde, absetzten, wurde schon im 17. Jahrhundert mit schikanösen Untersuchungen das Leben sauer gemacht. Noch schlechter erging es dem Hintersassen Jak. Keller von Rothenfluh, dem 1716, als einem Untertanen, das Handeln mit Tabak überhaupt verboten wurde. Eine weit gefährlichere Perspektive und Gefährdung seiner Interessen eröffnete sich dem Spezierergewerbe in der markgräflichen Tabakadmodiation, die Friedrich Magnus von Baden-Durlach zur Äufnung seiner durch die französische Invasion zerrütteten Staatsfinanzen mit den Basler Händlern Peter Ochs, Peter Fuchs und Jakob Schmid am 23. September 1697 abschloss. Durch diesen Vertrag verlieh der Markgraf den drei genannten Baslern auf zehn Jahre das Recht des Alleinverkaufs jeglicher Art von «Trinck tabac» in des Fürsten Landen. Kein badischer Untertan sollte fortan andern Tabak als den, welchen die Admodiatoren ins Land brachten, oder darin fabrizierten, zum Gebrauch einkaufen dürfen. Doch sollten die Admodiatoren gehalten sein, die Markgrafschaft mit «gutem und gerechtem Tabac» zu belegen und zwar nicht allein mit solchem gemeiner Sorte, sondern auch mit Tabak aus Virginien, oder «anderen indianischen Orten» und die Ware zu dem Preis geben, wie sie in Basel von den Grempern von der Hand verkauft wurde.

Um die Tabakhandlung bestermassen zu heben, versprach der Markgraf ihren Inhabern, deren Bedienten und Arbeitern, Schutz und Freizügigkeit, vollständiger Steuer- und Zollerlass, sowie Befreiung von Wacht- und Frondienst und Einquartierung. Den Admodiatoren stand das Recht zu, im Beisein von herrschaftlichen Oberbeamten bei schmuggelverdächtigen Personen Haussuchungen zu veranstalten und gegebenenfalls die Übertreter um einen Reichstaler zu strafen. Von den erhobenen Bussen sollte die eine Hälfte dem Markgrafen zufliessen, die andere unter Rüger und Admodiatoren verteilt werden.

Als Gegenleistung verpflichteten sich die Admodiatoren zur jährlichen Zahlung von tausend Gulden, Basler Current Währung an die fürstliche Rentkammer. Allfällige Streitigkeiten zwischen den Kontrahenten sollten durch des Markgrafen Kanzler und Hofräte entschieden werden, ohne Weiterzug und Appellation. Durch diese Admodiation drohte nun den Basler Tabakverkäufern schwere finanzielle Einbusse, nicht nur den Grosshändlern, welche die badischen Krämer jährlich mit mehreren hundert Zentnern Tabak versorgten, sondern besonders den Kleinverkäufern, da die zahlreichen, mit ihren Landesprodukten auf den Basler Markt ziehenden Markgräfler ihren Tabakbedarf regelmässig nach erledigten Geschäften in der Stadt zu decken pflegten.

Sofort nach Bekannt werden des Abkommens richteten daher sämtliche zu Safran zünftige Spezierer eine Eingabe an den Rat, in der sie ihren Zorn über den lieblosen Eigennutz dieser drei Konkurrenten unverblümt den Lauf liessen, und in beweglichen Worten die Regierung ersuchten, das ohnehin durch den Krieg schwer darniederliegende Krämergewerbe gegen solche «wider die christliche und bürgerliche Liebe, Fried und Einigkeit gerichtete, und dem freien Commercium höchst nachteilige Attentata» zu schützen. Der larmoyante Appell an das gnädige Einsehen der Stadtväter löste denn auch tatsächlich die gewünschte Wirkung aus. Durch einen Ratsspruch befahl die Obrigkeit Peter Ochs und Konsorten, unverzüglich bei Verlust ihres Bürgerrechtes von der geplanten Admodiation abzustehen, da sie eine Verletzung des «freien Kommerciums» bedeute. Für einmal war die Gefahr beschworen, aber nicht für immer beseitigt, denn einige Jahre später, 1729, nahm die Admodiation, durch schlauere Elemente ins Leben gerufen, reale Formen an. Zur Durchführung ihres Projektes bediente sich die markgräfliche Regierung eines gewissen Joh. Jak. Heber. Er war eingebürgerter Basler, der ursprünglich eine Feilenhauerei betrieben, sich dann aber dem Spezierergewerbe zugewandt hatte, und bei der Basler Geschäftswelt keinen guten Ruf genoss. Den markgräflichen Beamten aber bequemte dieser etwas dunkle Ehrenmann, weil man ihn gegebenenfalls ohne Gewissensnöte desavouieren konnte. Heber war es auch, der dem Unternehmen zwei Fachleute, die Brüder Jakob und Hans Zorn zuführte, von denen der letztere, als Nichtbasler, zum Leiter des Hauptgeschäftes in Hügelheim vorgeschoben wurde. Im Dienste des Unternehmens standen ferner die Basler Hs. Conrad Iselin, in Kandern ansässig, und der junge Franz von Speyr, welcher der Ablage in Mülheim vorstand. Die Vorarbeiten wurden in aller Heimlichkeit getroffen und die Basler Tabakhändler vor ein fait accompli gestellt. Erst durch die jammernden Kunden, auf welche Iselin und von Speyr auf den badischen Strassen eifrig vigilierten, erhielt man genauere Kenntnis. Darob gewaltiges Lamentieren in der Stadt, dem der Rat mit Eröffnung des obrigkeitlichen Rechtsganges das nötige Relief verlieh.

Obgleich nun durch Umsage auf allen Zünften jedermann bei Verlust seiner bürgerlichen Rechte gewarnt wurde, sich in derartige Geschäfte einzulassen, ging die Admodiation trotz Prozess und Verbot ungehindert weiter. Namens sämtlicher Basler Spezierer – es waren 68 an der Zahl – verlangten deren, Vertreter, Leonhard Vischer und Sohn, Leonhard Respinger zum Eisenhut, Abraham Roschet und Jakob Geymüller, von den Behörden energische Abhilfe. Was den Rat selbst zum Aufsehen mahnen musste, waren nicht nur die entgehenden Zölle und Waggelder, sondern das offen zutage tretende Bestreben Badens, auch andere Gewerbe, Färbereien, Mangen und Walken zu monopolisieren und dadurch Basel gewerblich von der Markgrafschaft abzuschnüren. «Wir vernehmen mit schröckhen», meldeten die Wortführer der Krämer, «dass auch das Gewürz, und wie andere hinzutun, die Tuch- und Zeugwaren, die Hüt und anderes, veradmodiert zu werden auf dem Teppich sei!» Auf den Vorschlag der Spezierer beschloss man daher, durch eine Ratsdeputation bei dem in Basel anwesenden Markgrafen selbst die Klagen anzubringen, damit dieser, wie die Eingabe sich ausdrückt, «als ein der Stadt gleichsam von Natur und Geblüt sehr gewogener Fürst» Remedur schaffe. Hierauf feierliches Antichambrieren und artig-steife Bekomplimentierung nach allen Regeln des Ehrenkodex im markgräfischen Palast. Aber das Entzücken der Basler Ratsfreunde über die allergnädigste Herablassung Seiner Durchlaucht, sowie deren wiederholte Versicherung,. ein guter Nachbar bleiben zu wollen, bildeten einen merkwürdigen Kontrast zu den immer dringender erschallenden Klagen über die Beschränkung des Handels.

Über vier Jahre zogen sich die Verhandlungen dahin, bis der Markgraf des unerquicklichen Gezänkes müde, von sich aus im Oktober 1724. die Tabakadmodiation aufhob. Eine besondere Genugtuung für die Basler Kaufleute mochte es noch sein, ihren Hauptwidersacher, Heber die gerechte Strafe erleiden zu sehen. Nach seiner Flucht nahm er bald in Freiburg i.B., bald in Waldkirch unsteten Aufenthalt, tat dann einen bösen Fall vom Pferd und liess nach Basel verlauten, er befinde sich in einem solch schmerzhaften Zustand, dass die Steine, will geschweigen die Menschen mit ihm Mitleid tragen sollten. In seiner Bedrängnis stellte er sich schliesslich als reuiger Sünder dem Basler Gericht, fand aber nicht das gewünschte Verständnis und wurde auf ewig aus Stadt und Eidgenossenschaft verbannt. Die andern Basler Beteiligten kamen mit ernstlichen Vermahnungen davon. So schnell trug niemand wieder ein Gelüsten, seinen Geschäftseifer derartigen Unternehmen zuzuwenden.

Erst Anfang der 1750er Jahre wagte es ein Basler nochmals mit dem badischen Fürsten einen derartigen, auf sechs Jahre in Aussicht genommenen Akkord einzugehen: Es war Martin Stähelin, der in Lörrach eine Admodiation errichtete, für welche er dem Markgrafen jährlich 300 Gulden zahlte. Diesmal schritt der Rat ebenso rasch als entschieden ein. Stähelin sah sich vor die Alternative gestellt, entweder bedingungslos zu kapitulieren oder das Schicksal Hebers zu gewärtigen. Er wählte das erstere und ward vom Markgrafen, der einen Bruch mit Basel vermeiden wollte, nach einigem Zögern entlassen...

Wie schon im Mittelalter in der breitgedehnten, durch berufliche Verschiedenheiten und Gegensätze aller Art zerklüfteten Zunftgesellschaft zu Safran die Krämer die bestsituierten unter den Gewerbetreibenden der Korporation waren und ihr nicht nur den Namen, sondern auch das Gepräge gaben, so auch noch später, durch Geschlechter, die drei Jahrhunderte und mehr dem Gewürzkrämerberuf treu blieben wie die Iselin, Respinger, Werenfels, Geschlechter, in der Geschäftstüchtigkeit gleich stark und fruchtbar wie in der Nachkommenschaft. Der Ratsherr und Wurzkrämer Hans Lux Iselin (1486 bis 1560) zeugte elf Kinder, sein Sohn der Wurzkrämer Jakob Iselin (1512 bis 1587) deren elf. Dem Wurzkrämer Peter Respinger raffte die Pest 1552 aufs Mal 8 Kinder weg. Der Wurzkrämer Heinrich Werenfels (1538-1597) besass zehn Kinder, gleichermassen sein Enkel, der Spezierer, Hans Heinrich Werenfels (1609-1666). Auch aus späteren Speziererfamilien lässt sich ähnliches nachweisen: Hans Jakob Birr (1615-1687) war Vater von dreizehn Kindern, Hans Georg Ochs (1614 bis 1680) von elf Kindern, sein Sohn Peter Ochs (1658-1708), gleichfalls Spezierer, gar von fünfzehn, der Spezierer Leonhard Vischer (1657-1745) von vierzehn Kindern. Derart blieben im Wandel der Zeit und der Bevölkerung die Gewürzkrämer der grosse und gesicherte Bereich, der als Stand zwar wenig Eigenes, dagegen viel Eigenes einzelner Persönlichkeiten zeigt. Den Refugianten kommt das Verdienst zu, der Passivität mancher alten Familien gegenüber, den Vorzug eines freieren, beweglicheren Geistes gesellschaftlich und geschäftlich zur Geltung gebracht zu haben. Gesellschaftlich kommt dies beispielsweise unverkennbar zum Ausdruck durch den zu Safran überhandnehmenden Glanz und Luxus des edeln Tafelgerätes, von dem der durch den Refugianten Hans Jakob Birr 1676 gestiftete grosse Nautilusbecher noch heute die schönste Probe gibt. Beruflich fällt auf, wie besonders im 17. Jahrhundert die Gewürzkrämer in Kompetenz- und Konkurrenzstreitigkeit als geschlossene Einheit auftreten und wie das gesamte Gewerbe gerade Neubürger aus dem Refugiantenkreis, einen Jakob Bernoulli, Sebastian Güntzer, Matthäus Vischer, vor Zunft und Rat mit der Wahrung seiner Interessen betraut.

Die gewerblichen Widersacher der Gewürzkrämer im 17. und 18. Jahrhundert lassen sich in drei Gruppen scheiden: in die Fremden, in die Gremper und in die Apotheker. Unter den Fremden waren es namentlich die italienischen Händler, die andauernd zu Klagen Anlass gaben. Schon im 16. Jahrhundert hatten die Kleinkrämer als besonders betroffene, vor der Zunft Beschwerde geführt wegen der «Groschaneyer» und dergleichen Kräzen- und Kramträgern», denen sie nicht missgönnten, wenn sie bloss an Fronfasten feil hätten und sich dann wieder fortmachten. Statt dessen trügen sie aber ihre Waren durch alle Gassen, lösten oft in einem Tag mehr als die hiesigen Krämer miteinander in einer Woche, lägen enetrheins in den Herbergen von einem Markttag zum andern und kämen nicht weiter als etwa gen Mülhausen oder in die um Basel herum liegenden Dörfer und dann wieder hieher. Auf ein 1598 vom Rat ergangenes Mandat der fremden Krämer halb, erklärten Ratsherr, Meister und Sechs, dass sie ihre Zunftbrüder zu Safran «dabei wollten handhaben». Die Zunft verbot den Fremden den Verkauf durch das ganze Jahr und gab nur die Fronfastenmärkte für sie frei. Fehlbare hatte der Zunftknecht zu warnen und gegebenenfalls zu pfänden.

Dieses mehrfach wiederholte Verbot nahm 1626 schärfere Form an durch die beschlossene Warenkonfiskation und Abweisung aller Hausierer deutscher, italienischer und welscher Zunge, besonders der Destillierer und Theriakrämer. Zum entscheidenden Schritt kam es dann 1643. Dem Vorgehen Zürichs folgend, erkannte der Basler Rat am 3. September 1643, dass forthin den Mailändern der freie Wandel und Handel, mit Ausnahme des Transitgutes, zu Stadt und Land gänzlich abzuschlagen sei, weil der mailändische Staat die Unsrigen auch nicht dulde. Kein Bürger sollte einen Mailänder in seine Behausung aufnehmen, noch weniger ihm in seiner Hofstatt ein Magazin vermieten. Der Oberstratsknecht sollte mit Fleiss erkunden, wo die Mailänder bisher ihren Unterschlupf gefunden hatten, damit man die betreffenden Hausbesitzer zur Rechenschaft ziehen könne. Ein Jahr später milderte der Rat auf untertäniges Anhalten der Mailänder seine rigorose Massnahme und erlaubte ihnen den feilen Verkauf während der Herbstmesse bis drei Tage hernach.

Das Entgegenkommen des Rates erwies sich aber als schlecht angebracht. Die Mailänder setzten trotz aller Ratserkanntnisse ihren Handel ungescheut fort, zum empfindlichen Schaden der reklamierenden Spezierer. Im März 1645 veranlasste darum die Zunft die Verhaftung der noch hier befindlichen Mailänder. Es handelte sich um vier Händler Vincenz Malaza, Melchior Brenta, Pierre Zett und Melchior Carlo, sämtliche aus der Comerseegegend stammend. Sie mussten Urfehde schwören und innert zwei Tagen die Stadt für immer verlassen.

Die strenge Bestrafung tat für einige Jahre die gewünschte Wirkung. Dafür liessen sich nun Einheimische gelüsten, unberufen den Spezierern Eintrag zu tun, wie 1651 die beiden im Kaufhaus angestellten Ballenpacker Jakob und Werner Scherer, Vater und Sohn, die mit Honig, Reis und Südfrüchten einen schwunghaften Handel führten. Da der Sohn beim Verhör in ungebührliche Worte ausbrach, wurde er über Nacht in den Turm gesetzt und um eine Mark Silber gebüsst, der Vater aber nur mit Worten abgestraft; beiden wurde auferlegt, alles Handeln für sich und andere zu unterlassen und lediglich ihrer Packarbeit abzuwarten.

Bald machten auch die unabtreibbaren Mailänder wieder von sich reden. Mündlich und schriftlich bestürmten die Spezierer Zunft und Rat mit Bitten und Drohungen. Eine 1676 ergangene Ratserkanntnis suchte zu vermitteln, indem sie den Mailändern vorschrieb, ausser der Messezeit Spezereien nur im Kaufhaus und nicht unter einem Achtelszentner hinzugeben und Zitronen und Pomeranzen nur dutzendweise und nicht beim Stück zu verkaufen. Aber man predigte tauben Ohren, sowohl bei den Mailändern als beim kaufenden Publikum, das augenscheinlich mit den Fremden besser fuhr als mit den einheimischen Krämern. Nachdem sich am 29. Dezember 1688 Ratsherr und Meister zu Safran nebst einem Ausschuss des Spezierergewerbes vor gesessenem Rat wiederum «aufs höchste» beklagten und strikte Durchführung der Erkanntnisse von 1643, 1644 und 1676 verlangten, entschied der Rat, dass sich sein Mandat von 1676 nicht nur auf die Mailänder, sondern auf die Italiener insgemein verstehe. Er befahl allen, ihre Magazine in den Privathäusern innert Monatsfrist zu räumen, die Vorräte in das Kaufhaus zu schaffen und – ausser der Messe – nur dort und nur en gros zu verkaufen. Wirte und andere Partikularen, die den Italienern Ware einlagerten, traf eine Strafe von fünfzig Gulden. Von nun an blieb der Detailhandel der Basler Spezierer von den welschen Konkurrenten ziemlich unbehelligt.

Nicht so leicht gestaltete sich die Schlichtung der in der Beschwerdeschrift von 1683 durch die Spezierer vorgetragenen Klagen gegen die zu Gartnern dienenden Gremper, ein im Rang unter den Krämern stehendes Gewerbe, dem seit dem Mittelalter der Kleinhandel mit den einheimischen Landesprodukten, Viktualien, Eier, Fett, Käse und gesalzener Ware, Speck und Meerfischen zugewiesen war. Sie gerieten mit den Spezierern in Konflikt wegen des Verkaufs von Baumöl, Tabak, Zucker und anderer «corenter» Ware, die ordnungsgemäss nicht mit dem Eisengewicht der Gartner, sondern nur mit dem möschenen Safrangewicht ausgewogen werden durfte, also ausschliesslich in die Kompetenz der Krämer fiel. Nicht ohne Geringschätzung wiesen letztere bei dieser Gelegenheit auf ihre berufsständische Überlegenheit gegenüber den Grempern hin. Es sei bekannt, dass ein jeder, der ein ehrlicher Spezierer sein wolle, die Handlung bei einem ehrbaren Herrn erlerne, vier bis sechs Jahre als ein Junge serviere und zudem ein grosses Lehrgeld bezahle, während obgedachte Gremper «einer das Schneider- der andere das Schuhmacherhandwerk erlernt, ja theils gar als Lakaien gedient hätten ». Die Safranherren versprachen Abhilfe durch gütliche Besprechung mit den Häuptern der Gartnernzunft, dämpften aber andererseits die zur Schau getragene Überhebung der Spezierer mit dem Hinweis, auch ihrerseits zünftiger Ordnung nachzuleben und fortan Speck und Käse nicht mehr pfundweise abzusetzen!

Bald in kleinlichen Reibereien sich ergehend, bald in heftigen Protesten der Spezierer sich Luft machend, zog sich dieser Kompetenzstreit trotz aller Zusprüche von beiden Zünften jahrelang hin. Es musste den angerufenen Instanzen auch schwer fallen, jeweilen den gewerblichen Charakter einer Warengattung klar zu bestimmen und Kategorien zu finden, denen die strittigen Artikel sich zwangslos fügten. Mit hinein spielte auch die Machtfrage, indem die Gewürzkrämer kraft ihres grösseren Einflusses ihre Forderungen durchzusetzen trachteten. Schliesslich kam durch Entscheid des Rates eine Art Kompromiss zustande. Die am 4. Februar 1729 erlassenen, in elf Artikeln gefassten Bestimmungen mit ihrer ausgeklügelten Subtilität der der Spezialisierung sind ein typisches Beispiel, wie die Auslegung des zünftischen Handels- und Gewerberechts auf die Spitze getrieben wurde.

In erster Linie durften die Gremper keine Handwage und kein Safrangewicht verwenden, sondern mussten sich der Schnellwagen und der Eisengewichte bedienen, die zu Gartnern gefochten wurden. Dann sollten die Gremper allein Landesprodukte, Hirse, Gerste, Kümmel, Fenchel, Mohnsamen, Erbsen, Hafermehl und Haferkern verkaufen dürfen, aber nicht nach dem Gewicht, sondern wie von altersher nach dem Mass. Als ausschliessliche Gremperei galten ferner Käse, Zieger, Eier, Speck, Unschlitt, Harz, Karrensalbe. Doch war auch den Spezierern der Käseverkauf in Mengen über einen Achtelzentner erlaubt. Parmesankäse hingegen war als Importware den Grempern verboten und galt als spezifisches Krämergut. Ähnlich verhielt es sich mit dem Tabak. Den in hiesiger Gegend gepflanzten Tabak durften die Gremper feil halten, keineswegs aber den zur Krämerei zählenden ausländischen Tabak. Auch der Verkauf von Branntwein – aber nur gläsleinweise – blieb den Grempern unbenommen, während die Spezierer Schanps nicht unter einer Mass ausschenken durften. Pfeffer- und Ingwerpulver, uraltes Krämergut, durften fortan auch die Gremper feilbieten, aber nicht nach dem Gewicht, sondern nur in kleinsten Mengen, in sog. «Rappen- oder Viererbrieflein»; ebenso wurde ihnen der Verkauf von Reis, aber nur pfundweise und darunter, freigegeben. Das zur alten Gerechtigkeit der Gremper gehörende auf heimischem Boden ausgeschlagene Oel, Nussöl, Mohnöl, Hanföl, sowie der Detailverkauf der hier und in der Nachbarschaft gegossenen Talgkerzen gehörten nach wie vor zum Grundstock ihrer Handelschaft, indessen das aus der Fremde importierte Olivenöl den Spezierern reserviert blieb, wie auch der Handel mit Wachs und Wachslichtern, deren Verkauf schon ein mittelalterliches Krämermonopol gewesen war. Neben den anerkannten Spezereien untersagte der Rat den Grempern insbesondere noch den Verkauf von Zucker und Seife, sowie den Handel mit Schiesspulver und Blei.

Zur genauen Beobachtung dieser heikeln Verordnung wurde eine Kommission – «eine chambre impartiale» sagt das Safranprotokoll – eingesetzt, bestehend aus den Ratsherren, Meistern und je zwei Sechsern beider Ehrenzünfte. Man fand sich in beiden Lagern mit den Neuerungen ab; ohne mehr grössere Wogen zu werfen, verebbte allmählich die Feindschaft.

Von der nur beruflichen Seite aus gesehen, erfinden sich die Gewürzkrämer als recht eigensüchtige und eigensinnige Menschen, bei denen wohlwollende Rücksicht auf den Vorteil anderer und Geduld bei der Konkurrenz ihrer Zunftgenossen nicht besonders gedieh. Man darf aber nicht ausser Acht lassen, dass die Zunftakten fast immer nur die Störungen von Gewohntem, die Ausschreitungen von Erlaubtem aufdecken, während das Normale, die alltägliche, unerlässliche Tüchtigkeit viel spärlichere Spuren hinterlässt. Von einer menschlich schönen Seite der Krämer geben aber die Zunftbücher zu Safran ein helles Bild: von ihrer gross geübten öffentlichen Wohltätigkeit, begonnen mit den mittelalterlichen Stiftungen und Spenden zu St. Andreas; unter ihnen diejenige des Krämers Hans Iselin und seiner Frau Agnes Mänlin, deren Zinsen seit 1536 jährlich einer der «Gottesgab wirdigen» Braut zur Ehesteuer gegeben wurden. Dann die reichbemessene, von der Zunft verwaltete Stiftung der Clara zum Luft, Witwe des Wurzkrämers Mathis Iselin, eine Stiftung, die ebenfalls nach Reformation als profane Spende an bedürftige Stadtinsassen weiterlebte. Dann die grossartigen Stiftungen der Krämer Hans Migel (1564) und Isaak Lichtenhahns (1586). Auch als Korporation sehen wir die Krämer, wie keine andere Basler Zunft, Gutes tun.

Seit dem Mittelalter erhielt das Siechenhaus jährlich eine beträchtliche Beisteuer, die letztmals 1626 unter den einzigen Insassen zu St. Jakob und unter die Aussätzigen zu Liestal verteilt wurde. Singulär dann die Sammlung aus «freiem, eigenem, gutem Willen», um 1602 den Hugenotten zu Lyon eine Kirche «vor der Stadt» zu bauen. Das Jahr darauf wird an Hans Rud. Kluber, den Schulmeister zu Barfüssern, dessen Haus das Feuer vernichtete, als freiwillige Brandsteuer die Summe von 178 Pfund überwiesen, eine ähnliche Summe 1609 den Arisdörfern, denen neun Firsten abbrannten. Im Jahre 1644 händigen die Krämer dem Papierer Hans Ulrich Thurneisen zwanzig Pfund ein, an die Befreiung seines Bruders Jakob, der seit zwanzig Jahren auf der venetianischen Galeere «Bernardi» schmachtete. Zu nämlichem Zweck werden 1663 zehn Louistaler gesteuert, an das Lösegeld des zu Algier gefangen gehaltenen Balbierers Lux Hagenbach. Im Jahre 1658 erhält der Schulmeister von Liestal acht Pfund überwiesen, in Anbetracht, dass er sieben kleine Kinder hat und «ein almosen wohl angelegt sei». Im Jahre 1708 erbarmen sich die Safranherren eines Knaben, der aus Unvorsichtigkeit einem andern Knaben einen Finger abgehauen hat und zahlen für den Täter die Arztkosten, weil dieser «aus bekannter armut die balbierers nit zu zahlen imstande».

1725 meldet das Protokollbuch, «haben M. H. gut befunden zu trost der Armen 30 Lotteriezettel aus der Elenden Herberge zu nehmen, Got geb Glück darzu »

Ganz bedeutende, gemeinnützige Aufwendungen machten dann die Krämer seit der Mitte des 17. Jahrhunderts bis zu Ende der Zunftherrschaft für Lehrgelder an unbemittelte Lehrlinge, und zwar ohne Rücksicht auf die Zunftzugehörigkeit ihrer Eltern.

Diese wenigen, herausgegriffenen Beispiele zeigen uns die Basler Krämer als Menschen mit offenen Herzen und gebeseligen Händen. Sie hielten sich in dieser Beziehung für den Charakter der Stadt verantwortlich, gleicherweise wie sie mit Stolz auf früh errungene Rechte zurückblickten und sich als sichere Träger der wirtschaftlichen und politischen Staatseinrichtung fühlten. Ein starker Konservatismus sass gerade den Krämern unverlierbar im Blute. Und wie der Basler im allgemeinen das innigste Verhältnis zu seiner Mundart hatte, so hielt man in den Kreisen des Krämerstandes unverrückbar, bis ins 18. Jahrhundert hinein, auch an der Basler Tracht fest. Solcher Gesinnung entsprang auch das Eingangswort, das der Zunftschreiber Lux Martin 1600 dem neubegonnenen Zunftbuche  einverleibt hatte: «Es winschen ouch, vor und wollermelti herren und regenten gemelter zunfft zuo dem Saffren oder Kremer von grundt ires hertzen allen denjenigen personen, so in dises buoch geschriben werden glick, heilt und alli wollfart in dises zunfft recht, das sy die dieselbige zeit ires kurtzen und 'ergenglichen leben dermassen zubringen mögen, uff das sie auch noch disem zergenglichen leben durch die barmhertzigkeit gottes genummen werden in das ewige zunfftrecht aller christgleibigen und usserwelten Gottes».