Zünftige Berufe

KNOPFMACHER UND HUTSTAFFIERER

Bei der Knopfmacherei, deren Anfänge in Basel in das letzte Viertel des 16. Jahrhunderts fallen, haben wir es mit einem durch Welsche eingeführten ausgesprochenen Luxusgewerbe zu tun. Denn der «maître boutonnier» – wie sich noch 1662 zwei Basler Meister unterschrieben – verfertigte nicht die gewöhnlichen aus Holz, Bein oder Metall hergestellten Knöpfe des Alltaggebrauchs, sondern die teuren, an kostbarem Gewand und modischer Kopfbedeckung zur Geltung kommenden Knöpfe und «Eicheln», die mit Seide oder mit dem bis zur Feinheit eines Haares ausgezogenen echten oder unechten Gold- und Silberdraht umsponnen wurden.

Mit dieser Arbeit war aber der Bereich des Knopfmachers nicht erschöpft. Eine ganze Reihe anderer Galanterieartikel ging aus seinen geschickten Händen hervor: seidene, silberne und goldgewirkte Fransen, Schnüre und Quasten für Wehrgehänge, gestickte Hosenbänder, Knöpfe, Schleifen und Borten an die Handschuhe der Elegants, Schweissbänder aus Taffet und feinstem Korduanleder. Namentlich der Verzierung des Hutes lieh der Knopfmacher sein Können. Einzelne Meister betrieben diese Arbeit als ausschliessliche Spezialität. Das waren die Hutfütterer und Hutstaffierer, die zünftisch nicht etwa den Hutmachern, sondern stets den Knopfmachern beigezählt wurden.

Die Mannigfaltigkeit der Arbeitsleistung eines Knopfmachers verrät schon der erste Vertreter des Handwerks in Basel, Arnold Troyentz, der 1579 aus Brabant zuwanderte. Von jung an Seidensticker, nennt er in seinem Bürgerrechtsgesuch als seine Hantierung das Anfertigen von Schlapphüten und Baretten aus Samt, von Seidenhüten, seidenen Knöpfen, Fransen, Schleifen, Spaltbändeln «und alles das, so von seiden auff mancherlei wys, was der mensch erdencken mag, kan gemacht werden, do ist nun disse hantierung in beider stetten Basel keine». Er erhielt die Zunft unter der Bedingung, dass er kein anderes Handwerk treibe, bei Verlust des Zunft- und Bürgerrechts.

Im Jahre 1596 meldete sich Peter Perra (Parot) von Montbéliard, «ein knepfmacher von aller gattung» zum Safran. Mit ihm erlangte am gleichen Tag sein Landsmann, «herr Le Sage, kam von Minpelgart, ein goldarbeiter, god mit siden umb», das Zunftrecht. Diese gleichzeitige Aufnahme war kaum eine zufällige, sondern deutet auf gemeinsame berufliche Beziehungen. Man wird kaum fehlgehen in Le Sage, der zu Hausgenossen leibzünftig wurde, vornehmlich einen Goldschläger und Goldspinner zu erblicken, der das aufkommende Knopfmacherhandwerk mit Material belieferte.

Am 18. April 1597 verweigerte zwar der Rat einem Knopfmacher aus Tours das Bürgerrecht und gebot ihm, «sich fortzumachen oder einer Strafe gewärtig zu sein». Dafür sehen wir in den nächsten Jahren verschiedene Basler, darunter drei Frey, sich der Knopfmacherei und dem Hutstaffieren zuwenden. Namentlich sind es seit den 1620er Jahren Exulanten aus Markirch wie Melchior Kunich (König), und Sohn, Tobias Christ, Johann Dauphin, Peter Thierry, Peter Perquin und die Colmarer Moritz Kirchner und Christoph Birr, die sich mit der Knopfmanufaktur und Verwandtem befassen.

Das Handwerks- und Geschäftsgebaren einzelner dieser Neubürger rief bald Konflikten. Im Jahre 1626 klagte Niklaus Parot, der Sohn des Knopfmachers Peter Parot, dass etliche Meister unter ihnen seien, die ihr Handwerk nicht recht erlernt hätten und es verstümpelten. Er bat den Zunftvorstand, dem Handwerk eine Ordnung an die Hand zu geben und ein Meisterstück aufzuerlegen. Mit den Stümpelern hatte Parot die Markircher Tobias Christ und die König im Auge. Der Safran beschied nun beide Parteien vor sich. Parot wiederholte den Vorwurf des Stümpeln, auch zögen die Markircher ihm das Gesinde ab und lehrten junge Knaben, die dann nicht für redlich gelten könten. Er drängte neuerdings auf eine Handwerksordnung nach dem Muster Strassburgs, von wo er sich eine Abschrift hatte kommen lassen. König hatte gegen eine Handwerksordnung nichts einzuwenden, während Christ erklärte, er begehre deren keine. Der Zunftvorstand wies die Parteien an, auf das förderlichste zusammenzugehen und sich einer Ordnung halben zu vergleichen. Wegen der Kosten, die Parot aus der Beschaffung der Strassburger Ordnung erwachsen waren und an die ihm weder Christ noch König etwas zahlen wollten, erklärte die Zunft, Parot möge seine Geldforderung, wie es sich gebühre, «vor dem weisen Richter suchen».

Innert Monatsfrist wurde nun durch die Knopfmacher ein Entwurf ausgearbeitet und durch Notar Philipp Frey zu Papier gebracht. Am 11. März 1627 legten die Meister Knopfmacher, nämlich Niklaus Parot, Philipp Hoffmann d.j., Jakob Frey, Hans Burkard Rippel und Melchior König d.j. ihren Vergleich dem Safran vor. Christ, der Krankheit vorschützte, erschien nicht und liess durch den Amtmann Conrad Güger erklären, er sei nicht «content»; auch die beiden König seien dagegen. Nach Ablesung und Erwägung des Schriftstückes durch die Herren vom Safran erklärten sich diese mit der Vereinbarung einverstanden. Insbesondere wurde den Meistern noch auf die Seele gebunden, keine «verfälschte waren zu machen mit faden, sondern mit guter seide, damit es echt und ehrlich zugange».

Besonders auf Betreiben Christs kamen in den nächsten Jahren von Markirch Knopfmacher nachgezogen, die in der Stadt und auf der Landschaft als Aufenthalter Unterschlupf fanden. Als 1638 Franz Abriä von Markirch mit zwei Knaben die Knopfmacherei zu treiben begehrte, sträubte sich das Handwerk gegen seine Zunftaufnahme, da fünf zünftige Meister schon genug seien. Abriä wurde denn auch als Meister abgewiesen und ihm nur gestattet, in einer Kammer mit zwei Knaben für die Hutleute zu arbeiten, aber keinen offenen Laden zu halten.

Die Konkurrenz der niedergelassenen fremden Knopfmacher machte sich stark fühlbar, da diese den Kaufleuten viel wohlfeiler lieferten als das zünftige Handwerk. Auf Beschwerde der Basler Meisterschaft erkannte 1641 die Zunft: Da den fremden Knopfmachern vom Rat Aufenthalt gewährt worden sei, hätten sie das Recht, mit Weib und Kind zu arbeiten. Doch wurde ihnen, in Uebereinstimmung mit dem Erlass wegen der Landpassementer vom Jahre 1612, das Halten von jeglichem Gesinde und das Hausieren in der Stadt strikte verboten.

Zänkereien unter den Knopfmachermeistern, die der Gegensatz zwischen Welschen und Deutschen immer wieder wach werden liess, führten anfangs der 1660er Jahre zu einer Totalrevision der Handwerksordnung. Sie erhielt am 9. Mai 1662 auf «inständiges anhalten» der Meisterschaft das Placet der Zunft unter dem Vorbehalt, «dass m.h. ihnen solche nach gelegenheit der zeiten vermindern und vermehren mögen nach belieben ...».

«Articul und ordnung eines ehren handwercks der knöpfmacheren in Basel» lauten folgendermassen:

Von den meisteren, so das knöpfmacher handwerckh treiben sollen oder nit

1. Allein diejenigen knöpfmacher meister mögen dieses handwerckh treiben, welche ein ehren zunfft zue Saffren erlangt, auch daselbsten hoch und nieder dienen. Jedoch solle ein solcher oder solche vier jahr lang nach handwercks gebrauch und ordnung dass ermelte handwerckh bei einem redlichen meister erlehrnt haben und solches durch ein glaubwirdigen lehrbrieff darthun und beweisen.

2. Solle ein jeedlicher, er seye ein gebohrener Bassler oder aufgenommener burger, vorderist in eines ehrlichen meisters behausung drey stuckh, so ihme die meisterschafft dem herkommen nach, vorgeben wird, zue einem meisterstuckh machen.

Vom gesind insgemein

3. Und damit ein meister neben dem anderen desto füeglicher bleiben und nicht als etwan beschehen, ein mehr vermöglichcher den übrigen alles gesind sambt der arbeit abspannen möge, solle kein meister mehr als zween gesellen und zween lehrjungen halten. Wann aber von den übrigen meisteren keiner den främbden gesellen begerte, solle solcher oder solche demjenigen so albereit zween hebe, gestattet werden.

Von gesellen

4. Wann ein gesell alhero kombt, solle ihme derjenige, so das meister täffelein in handen (welches ein jeedlicher meister ein vierthel jahr der ordnung nach haben solle) nach der ordnung umb arbeit schawen. Wann aber ein solcher meistern so umbschawt albereit einen gesellen hebe, solle die werekstat nicht an ihme, sondern dem nechstfolgenden sein.

5. Und so ein gesell bei einem oder dem anderen meister arbeit findet, soll er bei ihme vierzehn tag verbleiben, und wann ihne der meister zue behalten begerte und er alhier zue verbleiben in willens, solle derselbige gesell ein vierthel jahr bei solchem meister zue arbeiten und wann er alsdann nicht lenger verbleiben wollte, solches dem meister vierzehen tag zuevor anzumelden pflichtig und verbunden sein; so er aber innert diessem vierthel jahr auss stehen wurde, solle ihme von keinem anderen meister arbeit noch auffenthalt gegeben werden; da aber der meister ihne lenger nicht als 14 tag behalten wollte, solle ihme wiederumb der ordnung nach umb arbeit gesehen werden.

6. Dessgleichen soll kein meister einichen gesellen, der alhier bei einem anderen meister gearbeitet, annemen oder arbeit geben, er habe dann von dem übrigen meister vernommen, dass er von ihme ehrlich abgescheiden, auch selbigem nützit schuldig verblieben seye.

Von lehrjungen

7. Zween lehrjungen mag ein meistern aber keine dienstmagdt oder meidtlin, wie auch kein unehlich gebohrenen dass knöpfmacher handwerckh zue erlehrnen annemmen und halten, also zue verstehen, dass wann ihme einer auf vier jahr nach handwerckh gebrauch und ordnung vor einem gantzen handwerckh auf einer ehren zunfft zue Saffren aufgedingt wird, solle er allwegen, zwei jahr still stehen, eh dann er einen anderen annemme und lehrne.

8. Und so ein solcher seine volkhommene lehrzeit ohne dess meisters billiche klag zuegebracht, solle derselbige wiederumben vor einem ehren handwerckh, alwo er aufgedingt worden, leedig gesprochen werden und drei jahr in der främbde auf dem handwerckh wanderen.

Von krämeren und verlagherren

9. Demnach sollen jenige knöpfmacher meistern welche dass handwerckh zwar wie herkommen erlehrnet, aber offene läden haben und darinnen allerhand wahren verkaufen gar und gantz keine knöpfmachergesellen noch lehrjungen nit halten; was sie aber mit ihrer hand machen können, solle ihnen nicht verwehrt sein.

Von hindersässen und denen, so nur Aufenthalt haben

10. Die hindersässen, welche dass knöpfmacher handwerckh wie herkommen und recht ist, erlehrnet, mögen zwar solches treiben und hiesigen krämeren und verlagherren, wass sie mit ihrer handarbeit machen können, arbeiten, sollen aber keine gesellen halten noch junge lehrnen.

Von frömbden aussert der statt gesessenen knöpfmacheren

11. Endlich sollen auch diejenigen frömbden knöpfmacher, so gemachte arbeit von weitem oder der nähe, alhero bringen, solche hin und wieder verkaufen, darmit hausieren und also unseren gn. h. und oberen den zoll vertragen, solche nirgend anderst wo, als auf dem kauffhauss zue verkaufen befüegt sein.»

Kraft dieser Ordnung setzt fortan die Ausübung des Handwerks eine vierjährige Lehrzeit, drei Jahre Gesellenwanderung, die Anfertigung dreier Meisterstücke und die Leibzünftigkeit zu Safran voraus. Die Gesellenzahl beträgt zwei plus zwei Lehrjungen. Gelernte Knopfmacher, die offene Läden halten und en détail verkaufen, dürfen kein Gesinde haben, wohl aber ihre eigenhändig gemachte Ware feilhalten. Hintersassen, die das Handwerk nach Herkommen erlernt, dürfen – aber ohne Gesinde – für hiesige Krämer und Verlagherren arbeiten. Fremde, ausserhalb Basels niedergelassene Knopfmacher, die gemachte Arbeit hereinbringen, dürfen nur im Kaufhaus verkaufen, damit der Stadt der Pfundzoll nicht entgehe.

Wohl bestand nun die neue Handwerksordnung zu Recht, allein die Zunftakten offenbaren deutlich, dass sie vom Handwerk selbst öfters durchbrochen wurde und dass Krämer und Handelsleute, so gut wie Hintersassen und Landfremde ihr zuwider handelten. Schon zwei Monate nach ihrem Inkrafttreten ergab sich ein Zwist über ihre Auslegung, indem das Handwerk den jungen Jeremias Fäsch nicht als Gesellen passieren lassen wollte, weil er seine Lehre in Lyon – also nicht nach der Ordnung – ausgestanden hatte. Fäsch wagte es den Meistern ins Gesicht zu sagen, sie hätten insgesamt ihr nicht nachgelebt. Die Zunft stellte sich auf den Standpunkt, dass die Ordnung keine rückwirkende Kraft habe, dass also auch die Vorschriften über das Lehrlingswesen nur für künftig aufzudingende Jungen gelte. Trotz Zuzug von drei Sechsern zu den Vergleichsverhandlungen scheint das Handwerk seinen Willen durchgesetzt zu haben, denn Fäsch wurde nie zünftiger Meister.

Auch wegen der Meisterstücke, deren erstes im Verfertigen einer kunstvollen Eichel bestand, gab es öfters Anstände. Auch die Knöpfmacher konnten der Versuchung nicht widerstehen, durch ein schikanöses und kostspieliges Verfahren unbequemen Anwärtern die Meisterschaft zu erschweren, ja zu verunmöglichen.

Die Meisterstücke durften nicht daheim angefertigt werden, sondern in der Werkstatt eines vom Handwerk jeweilen bestimmten Meisters, wofür der Bewerber pro Tag einen halben Gulden geben musste, nebst je einem halben Gulden für den ihn täglich besichtigenden Meister. Es musste daher von Zunft wegen der Meisterschaft etwa zugesprochen werden, sich der Billigkeit gemäss zu verhalten.

Als «geschenktes» Handwerk hatten die Knöpfmacher auch öfters Anstände mit den Gesellen wegen des lästigen Gesellengeschenks. Im Jahre 1664 verklagte die Gesellenschaft den Meister Peter von Brand, dieser habe einem Gesellen aus Würzburg Geld vorzustrecken versprochen, damit dieser seine Schulden bezahlen könne; hernach habe aber der Meister sein Wort nicht gehalten, so dass der «gute» Geselle in Schaden gekommen sei, indem ihm sein Schwager, der Schneider, auf der Ehren Zunft Rock und Degen abgenommen, sogar seine «c. v. Strümpf» habe der Geselle im Stich lassen müssen.

Von mehr Bedeutung als dieser Kleinkram des Alltags war das Vorgehen der Gesellenschaft gegen solche Knöpfmacher, die in Frankreich gearbeitet hatten. Die Gesellenschaft nahm sich heraus, jeden, ob Geselle oder Meister, nach Reichsbrauch mit drei Pfund zu büssen. Als 1672 Sebastian Früh, der vor seinem Meisterwerden in Frankreich tätig gewesen war, sich dessen weigerte, wurde er von der Gesellschaft in ihr schwarzes Buch geschrieben. So stark war die Macht des Verbandes, dass selbst die Zunftvorgesetzten keine entscheidende Massnahme zum Schutze des Basler Meisters wagten, sondern ihm anrieten, sich mit den Gesellen gütlich zu vergleichen

Seit der Mitte der 1660 er Jahre ertönte das alte Klagelied wegen der Stümpeler und ihrer Eingriffe immer lauter und nötlicher. Die erste Klage ging bezeichnender Weise wieder gegen einen Markircher, Claude Boulay, dem das Handwerk vorhielt, er lehre unterschiedliche Personen das Handwerk. Die Zunft kam dem Verlangen der Meisterschaft, «diesen Stümpeler von hinnen zu schaffen», nicht nach, sondern verwies die Kläger an Ihro Weisheit, den Herrn Bürgermeister. Auch eine langatmige Bittschrift der Knöpfmacher, dass viele Personen, Männer, Weiber, Töchter und Kinder das Knopfmachen unzünftig erlernt hätten und mit Verkaufen grossen Schaden anrichteten, schob die Zunft ebenfalls den hohen Häuptern zur Erledigung zu. Gleichwohl trat das Handwerk, das 1667 acht Meister, zwanzig Meistersöhne und andere darauf wandernde Bürgersöhne zählte, immer wieder vor die Zunftregenten, mit der Bitte, «ihm mit einem väterlichen Rat zu Hilfe zu kommen, ansonst werde der halbe Teil der Meister in äusserste Bedrängnis und Armut geraten». Man wird des Eindrucks nicht los als ob das Handwerk, eigennützig sich auf Zunftrechte und Privileg versteifend, recht schwarz zu malen liebte.

Dies zeigte sich auch bei der Konkurrenz des Waisenhauses, dessen Deputierte 1667 für gut befunden hatten, im Waisenhaus einen Knopfmacher anzustellen, der die Kinder das Knopfmachen lehre. Es hatte sich hiezu bereits ein nicht zünftiger Knopfmacher, Daniel Kreisler, zur Verfügung gestellt. Vor Gutheissen dieser Neuerung wollten aber die Stadthäupter noch das Handwerk anhören. Demütig bat die Meisterschaft, die Zahl der Pfuscher nicht noch durch die Waisenkinder vermehren zu lassen. Als schwerwiegendsten Grund führte das Handwerk an, dass Kreisler sowohl als die Kinder, die von ihm lernten, im Reich nicht für redlich gelten würden. Auch der hiesige Meister käme dadurch in Verruf und hätte die Gesindesperre zu gewärtigen. Trotz dieser Einwände wurde die Knopfmacherei in der Kartause ins Werk gesetzt. Denn ein Jahr später lamentierten die Meister, «weil man im Waisenhaus gar viele Knöpfe dutzend- und halbdutzendweise zu geringem Geld hingebe, habe das Handwerk keine Aufträge und könne nichts verkaufen». Die Zunft gab die Zusicherung, bei den Waisenherren wenigstens die Sistierung des Detailverkaufs zu erwirken.

Zu unliebsamen Konkurrenten rechneten die Knöpfmacher auch die Schneider, die zu Zurzach und auf anderen Märkten Knöpfe einhandelten und für ihre Kunden verwendeten. Ein derartiger Sünder war Meister Jakob Wohnsidel. Er suchte seine Verfehlung mit der Ausrede zu decken, es handle sich um Knöpfe, die man am Platz Basel nicht bekommen könne, «massen er solche jüngst Hrn. Baltzer Burckhardt des Rats zu einem Reiskleid fourniert». Die beiläufige Erwähnung einer so vornehmen Kundschaft blieb wirkungslos. Kurz und bündig erkannten Meister und Sechs zu Safran: Ist ihme verbotten!

Wohl die schärfste und fühlbarste Konkurrenz erwuchs aber den zünftigen Knopfmachern durch die Knopffabriken, die der Passementer Emanuel Roth und der Strumpffabrikant Hans Ulrich Hugo jünger etablierten. Hugos 1689 gegründete Manufaktur war ein Kriegskonjunkturunternehmen, da er seine Knopfwaren äusserst günstig nach dem Reich, besonders nach Frankfurt absetzen konnte, weil Deutschland dem französischen Markt die Grenze sperrte. Auf Betreiben des Handwerks musste jedoch Hugo seine Fabrik stillegen, kraft einer Ratserkanntnis vom 22. November 1690, die lediglich den zünftigen Knopfmachermeistern die Herstellung von Knöpfen im Hoheitsgebiet der Stadtrepublik erlaubte.

Die sozial erregte Zeit der 1691er Wirren benutzend, rückte das Handwerk nun auch gegen Roth vor, dessen rege Betriebsamkeit neidisch vermerkt wurde.

Die Meisterschaft stellte ihn vor die Alternative, entweder zu ihrem Handwerk zu halten oder seinen Betrieb zu schliessen. Roth argumentierte, er tue den hiesigen Knopfmachern keinen Eintrag, da er in Basel keine Knöpfe verkaufe, sondern seine Produkte lediglich im Aussenhandel verführe. An der Verstümpelung des Handwerks sei die Meisterschaft selbst Schuld, weil sie allerhand Weibsleute das Knopfmachen lehre und ihnen zu arbeiten gäbe; endlich gälten anderwärts Passementer und Knopfmacher als ein Handwerk, so dass er nicht nötig habe, sich noch den Knopfmachern besonders anzuschliessen. Aber die Knopfmacher liessen nicht locker. Sie erklärten, wenn Roth ein Krämer und Handelsmann sein wolle, sei ihnen das gleichgültig, nur dass er hier keine Knöpfe fabrizieren lasse. Wie persönlich der Kampf geführt wurde, ergeht aus Roths Aeusserung, die Knopfmachermeisterschaft traktiere ihn unchristlich, ja er sei gleichsam seines Leibs und Lebens nicht sicher vor ihnenHin und her gingen die erregt geführten mündlichen und schriftlichen Auseinandersetzungen. Bei Strafe der Türmung wurde am 6. Oktober 1692 Roth zur Parition gezwungen und aufgefordert, innert Jahresfrist sein Lager zu liquidieren und weder zu Stadt noch zu Land weiter Knöpfe zu fabrizieren. Noch zwei Jahre lang zog sich der Handel hin, da Roth wieder um Fristverlängerung zum Absatz seiner Waren und Werkzeuge bat. Seine Offerte, das Handwerk möge seinen Lagerbestnad käuflich übernehmen, tat die Meisterschaft mit höhnischen Worten ab. Erst unterm 7. September 1696 konnte das Zunftprotokoll diesen kläglichen Gewerbestreit aus Abschied und Traktanden setzen. Mit seiner Erledigung blieb die Knopfmacherei auf das beengende Niveau des Zunftwesens herabgedrückt, Ohne Aussicht auf freiere, zukunftsreiche Betriebsformen.

Im Sinn und Geist des starren Zunftsystems gelobten 1711 die zwölf baslerischen Knopfmachermeister unterschriftlich folgende Abmachung einzuhalten: Dass kein Meister einem Weibsbild Arbeit aus der Werkstatt, geschweige halb ausgemachte Arbeit zuhalte, womit ein ehrlicher Geselle sich ernähren könne. Nur mit billigster Krämerware, für die man pro zwölf Dutzend 7 s. 6 d. Macherlohn zahlte, durften weibliche Arbeitskräfte beschäftigt werden. Brechung dieses Akkords hatte für den Uebertreter eine halbe Mark Silber Strafe zu handen der Meisterlade zur Folge; ausserdem durfte er vier Jahre lang keinen Lehrling mehr annehmen oder falls er einen solchen hatte, musste dieser sofort aus der Werkstatt genommen werden und bei einem zunftehrlichen Meister seine Lehrzeit beendigen.

Mit Argusaugen wachte das Handwerk auch fernerhin über unerlaubten Wettbewerb. Im Jahre 1731 konfiszierte die Meisterschaft zwei fremden Krämern, Joseph und Jean Jacques Guenat, von Noiremont, 24 Pack «nashörnerne» Knöpfe, welche die Fremden in der Stadt absetzen wolltenEin andermal wurde dem hausierenden Menard von Altkirch eine Garnitur Silberknöpfe weggenommen und auf die Zunft getragen. Bald darauf aber ertappten die hiesigen Gürtler die ehrsamen Knopfmachermeister selbst ob dem nur den Gürtlern zustehenden Handel mit möschenen Knöpfen.

Dass vereinzelte Meister auch einen schwunghaften Grosshandel trieben, erhärtet die Aussage des Knopfmachers Johann Bulli, der 1744 vor Zunft aussagte, zu Hause und unterwegs auf See eine Sendung englischer Knöpfe, sogenannte «Limanier » zu haben, deren Wert etliche tausend Gulden betrage.

Einen interessanten Einblick in die gesellschaftlichen Gepflogenheiten des Knopfmacherhandwerks, das auch ein sogenannte geschenktes Handwerk war, bietet der 1760 vor dem Vorgesetztenbott zur Verhandlung kommende Streit wegen des Gesellenbechers, an dem verschiedene «Schildlein», das sind geschmelzte Silbermünzen weggenommen worden waren, um daraus eine Gesellen-Mahlzeit zu bestreiten. Meister Wohnsidel und die beiden Alt- und Ladengesellen behaupteten, die Schildlein seien Eigentum der Gesellen. Meister Felber erklärte, 2 Schildlein habe man schon früher abgenommenen, um den durchreisenden Gesellen das Geschenk halten zu können, als mit dem Aufkommen der Messingknöpfe das Handwerk schlecht gegangen und bloss zwei Gesellen hier gewesen seien. Diese Schildlein gehörten übrigens nicht den Gesellen, sondern es seien gestiftete Geschenke audgelernter Bürgerssöhne. Wenn man einen Jungen zum Gesellellen gemacht, habe er ein solches, wenigstens 2 Lot schwere Schildlein an den Becher und 2 lb. 5 s. den Gesellen zum Verzehren geben müssen. Die Schildlein seien als ein Sparpfennig anzusehen, den man nur im Notfall angreifen dürfe. Der Zunftvorstand erkannte: «Meine Herren finden, dass die Gesellen nicht befugt gewesen, die Schiltlein ab dem Becher zu nemmen, und weilen die geschmoltzene schiltlein nicht wieder in natura zu haben, so sollen diejenige sambtlich, welche diesen werth verprasset, für die 5 schiltlein 10 fl. in zeit 8 tagen zu ersetzen schuldig sein, welches gelt bey straff doppelter ersatzung für die nothleidenden knöpfmacher gesellen gewidmet bleiben solle ... »