Zünftige Berufe

HUTMACHER

Mit den «Huotern» oder Hutmachern wurden noch im 14. Jahrhundert die Vertreter eines der wichtigsten Handwerke der Bekleidungsbranche safranzünftig. Ursprünglich an die Krämer gebunden, die ihnen das im Eigenwerk verfertigte Produkt abnahmen, vielleicht sogar in einzelner Krämer festem Dienst und von ihnen die Rohstoffe empfangend, emanzipierten sich die Hutmacher rasch zum selbständigen, wohlhabenden Handwerk. Im Jahre 1428 erhielt es von Meister und Sechs zu Safran unter dem Vorsitz des Junkers Peter von Hegenheim eine Handwerksordnung. Sie normierte die Zahl des Gesindes pro Werkstatt auf einen Knecht und einen Lehrknaben, oder zwei Knechte und keinen Lehrknaben, oder zwei Lehrknaben und keinen Knecht.

Laut dieser ältesten überlieferten Ordnung verfertigte man in Basel vier nach der Qualität unterschiedene Sorten Hüte, deren Dutzend‑preise festgesetzt sind, ein Fingerzeig, dass die Huter selbst damals noch keinen Detailverkauf ihrer Erzeugnisse betrieben, sondern für den Engrosabsatz an Kaufleute und Händler und den Massenvertrieb auf Jahrmärkten und Messen arbeiteten.

Das billigste ihrer Erzeugnisse – das Dutzend zu 7 Schilling – zu dessen Bereitung ein Pfund Wolle und zwei Pfund Kuhhaare verwendet wurden, waren die «hohen kleinen huett», ohne Zweifel die sogenannten Gugel, jene Kopfbedeckung, die im 14. Jahrhundert allgemein von Männern und Frauen getragen wurde und sich bis ins 15. Jahrhundert hinein erhielt.

Bei den andern drei Sorten erhöhte sich der Dutzendpreis bis auf das Fünffache, je nach dem Verhältnis der verwendeten Rohstoffe, Schafwolle und Mischwerk. Bei den teuersten mussten zur Anfertigung eines Dutzends im Werte von 36 Schillingen vier Pfund Wolle und ein Pfund Mischwerk verarbeitet werden.

Derart wurde von Zunft wegen für die Güte von Material und Arbeit, wie auch für die Solidität des Kaufgeschäftes Sorge getragen. Dass die Meistersame den Vorschriften nachlebte, dafür garantierten die meist aus der Mitte der Sechser gewählten Schaumeister: die Zwei zu den Pflegeln, deren Befugnisse aber bereits Mitte der 1510er Jahre erloschen, als das Barett den Hut temporär verdrängte.

Der Beitritt von vierzehn Hutmachermeistern zur Safranzunft während der Konzilsjahre zeigt eindrücklich, wie auch dieses Handwerk den wirtschaftlichen Auftrieb jener Epoche auszunutzen bestrebte. Inmitten des pulsierenden Verkehrs, an der zum Kornmarkt führenden Winhartsgasse, hatten diese zum Teil recht vermöglichen Bürger Heim und Werkstatt. Nach ihrem hier vorherrschenden Handwerk wurde schon 1454 die Winhartsgasse auch Hutmachergasse und seit den 1470er Jahren endgültig Hutgasse geheissen. Ihr einträgliches Handwerk scheint die Hutmacher speziell bei Taufeschmäusen zu allerlei Üppigkeiten verleitet zu haben; so rügt eine Zunfterkanntnis von 1522 noch den alten Missbrauch der Schenkenen halb, «so die us der huettgassen in bruch gehept» ...

Drei Jahrzehnte nach Erlass der ersten Handwerksordnung, gaben 1458 Ratsherr, Meister und Sechs zu Safran den Hutmachern eine neue Ordnung. Sie sieht unter Wegfall der teuersten Hüte nur noch drei Sorten im Sinne der alten Ordnung vor. Neu ist die Bestimmung, neben der durch Scheren gewonnenen Schafwolle auch währschafte «Ruoffwuollen» verwerken zu dürfen.

In einem zeitlich etwas späteren Anhang wird den Hutmachern erstmals das Verbot des Abdingens und Abspannens der Gesellen auferlegt, eine das Gesellenhalten regelnde Beschränkung, die sich bei den spezifischen Handwerkszünften schon in deren ältesten Stiftungsbriefen vorfindet.

Welcher Art war nun der jahrhundertelang gleichbleibende Arbeitsprozess zur handwerksmässigen Herstellung der Wollhüte, die bald mit breiterem oder schmälerem Rande, bald flach oder aufgekrämpt, mit höherem oder niederem Deckel von Vornehm und Gering getragen wurden.

Die Zubereitung des Hauptbestandteiles, des Filzes, beruht auf der Eigenschaft der Haare sich unter Druck und schiebender Bewegung zu einem zähen, elastischen und schmiegsamen Gebilde zu vereinigen, eben zu «verfilzen». Die Filzbereitung war schon den Griechen bekannt, von denen sie die Römer übernahmen. Die mittelalterlichen Hutmacher freilich schoben die Erfindung ihrem Schutzpatron, dem hl. Klemens, dem vierten Bischof von Rom, zu. Als dieser noch ein armer, wandernder Mönch gewesen, habe er einmal Werg auf seine Sandalen getan und nachher gefunden, dass der Druck und die Feuchtigkeit der Füsse eine feste Masse daraus gemacht habe, die trocken geworden, ein treffliches Mittel zum Warmhalten der Glieder abgegeben habe. Als Bischof habe er sich später mit der Sache näher befasst und die Filzbereitung entdeckt.

Bei der Verfilzung bedienten sich die Hutmacher als einfacher Geräte und Hilfsmittel des Fachbogens, des Fachsiebes, des Filztuches und des Filzkernes. Der Fachbogen bestand aus einer ca. 2¼ m langen und 5-6 cm dicken Stange, an der oben eine 20 cm lange gebogene Nase und unten ein 35 cm langes Schlagbrett sassen, während eine Saite zwischen den Enden der Stange angespannt war. Diese Saite wurde mit dem Schlagholz angespannt und durch dessen schnelles Abgleiten in vibrierende Bewegung gesetzt, wodurch das Haarmaterial in die Höhe geschnellt, aufgelockert und gesäubert wurde. Hierauf teilte man die Materie in zwei Teile, «Fach» geheissen, bearbeitete jedes Fach nochmals mit dem Fachbogen und formte daraus eine lockere, gleichmässige Schicht von regelmässig dreieckiger Form mit ausgebauchten Seiten. Diese wurde nun mit dem Fachsieb bearbeitet, indem man dasselbe behutsam auf das gefachte Haar setzte und nach allen Seiten hin sanft drückte und rieb. Dann schichtete man etwa 2-3 Paar Fache mit gutgeleimtem Papier als Filzkern übereinander, schlug das ganze in befeuchtete Leinwand und bearbeitete es durch Drücken und Reiben mit den Händen. Hatte man die Fache umgelegt und die Operation wiederholt, so wurden je zwei Fache durch Umschlagen der Kanten so miteinander vereinigt, dass sie eine grosse kegelförmige Mütze bildeten, die gewalkt wurde, um eine bessere Verdichtung des Stoffes herbeizuführen. Endlich formte man den Hut, indem man den Rand aufwärts bog und die Spitze des Kegels so oft ein- und auswärts stülpte, bis sie als ein flaches, kreisförmiges Stück erschien, das von einer Anzahl konzentrischer Ringe oder Falten umgeben war. Der so «in den Kranz geschlagene» Hut wurde wiederholt gewalkt, bis eine kreisrunde, völlig ebene Fläche, dem Boden des Hutes entsprechend, geformt war. Zuletzt wurde die Krempe gebildet und der fertige Hut gewaschen, gefärbt und mit Schellacklösung appretiert.

Wie schon bemerkt, suchten die Basler Hutmacher ihrer Hände Werk ausser auf den heimischen Fronfastenmärkten und den seit 1471 in Basel selbst stattfindenden Messen vor allem durch regelmässigen Besuch der fremden Märkte und Messen abzusetzen. Die Märkte in Liestal, Rheinfelden, Scholpfheim, Breisach, Neuenburg, Staufen, Laufenburg, Mülhausen, dann die wichtigen Strassburger und Zurzacher Messen wurden für sie gewinnreiche Absatzgebiete. Einen starken Impuls hiezu gab die 1488 erlassene kaiserliche Verfügung, die den Baslern auf den Wasser- und Landstrassen im ganzen Reich, ausser bei den vom Kaiser selbst verliehenen Zollstätten, für ihre sämtlichen Waren Zollfreiheit gewährte.

Der Messebesuch der Hutmacher wird in den Akten der Zunft wie des Handwerks vielfach berührt. Einen Quell häufiger Streitigkeiten bildete das Auslosen der Verkaufsstände daheim und auf fremdem Markt. Im Jahre 1478 griff hier der Rat für alle Handwerke ordnend ,ein durch die Bestimmung, «weli die sind, die zuo merekt faren von allen antwercken, dz die söllen am obend losen umb die stellinen, und nüt früg am morgen, es sig uff jor mercktten oder uff kilwinen».

Bei den Hutmachern selbst riss dann der Unfug ein, dass nach dem Auslosen für die Basler Messe, einer dem andern seinen Stand abkaufte. Der Zunftvorstand verbot 1513 das Standabkaufen bei Strafe von fünf Pfund Wachs. Die gleiche Strafe traf auch solche, die mitlosten, ohne die Absicht, feilzuhaben. Das Auslosen sollte nach altem Herkommen geschehen, «wo einer hin falt, das er do beliben solte». Nur wenn einer ausverkauft hat und sein Stand leer ist, «sol und mag der nechst unden an im noch hin rucken». Als 1549 Martin Mennlin seinen Stand früher als die andern Meister auftat und diese darob miteinander «spenig» wurden, beschloss der Zunftvorstand, unter Bestätigung der 1513 erlassenen Ordnung, dass hinfür jeweilen auf Allerseelentag und nicht eher gelost werden sollte. In den 1580er Jahren vereinbarten sich die Meister wegen der Standverlosung wie folgt: Wann die Meistersame auf die Märkte zusammenkommt, soll einer des andern mit dem Los warten bis zu Angang des Marktes; das Los soll im Sommer um 7 Uhr, Winters 8 Uhr gehalten werden. Wer erst nach der Auslosung kommt, soll hinten anstehen. Mitlosen dürfen nur diejenigen, die auch auslegen. Zuwiderhandelnde trifft eine Strafe von 2 Pfund Geld.

Gleichzeitig wurde auch das Verhalten zum Marktkunden geregelt: Wenn ein Kaufmann vor einen Stand kommt, mit dem Meister Huter aber nicht handelseinig wird, soll dieser den Kaufmann fürziehen lassen und nicht zu einem andern Stand führen, noch ihm Anleitung geben, sondern es soll ein jeder Meister warten, bis der Kaufmann von selbst zu ihm kommt und soll ihm nicht rufen von einem andern Stand. Es soll auch kein Meister einem andern von seinen Waren «zuhenken» sondern ein jeder seine Hüte selbst verkaufen.

Diese Abmachungen fallen in eine Zeit, in der sich die Basler Hutmacherei von ihrem durch die Barettmode verursachten Rückschlag längst erholt hatte und ihrer grössten Blüte entgegen ging. Sie kündigt sich schon zahlenmässig im starken Anwachsen des Handwerks an. Während von 1501 bis 1550 bloss 18 Hutmacher die Zunft annahmen, stieg in der folgenden Jahrhunderthälfte ihre Zahl auf 34 Meister; von 1601 bis 1650 lassen sich 49 Eintritte feststellen und von 1651 bis 1700 sind es wieder 48 Meister, die mit dem Handwerk «heben und legen», eine Zahl wie sie von keinem andern safranzünftigen Handwerk je erreicht wurde. Es ist sozusagen auch das baslerischste und von Refugianten kaum betriebene Handwerk. Im 16. Jahrhundert durch die angesehenen Geschlechter Gebhart, Büchel, Frey, von Speir vertreten widmeten sich ihm seit dem 17. Jahrhundert die Bachofen, Bischoff, Brandmüller, Merian, Streckeisen, am ausdauerndsten die Hosch, die von 1594 an, mit Philipp Hosch beginnend, bis ins 19. Jahrhundert hinein ununterbrochen E. E. Handwerk der Hutmacher Meister gestellt haben.

Die spanische Mode, die für die letzten Jahrzehnte des 16. und den Beginn des 17. Jahrhunderts auch in deutschen Landen herrschend war, brachte den spanischen kleinen, steifen Hut. Dieser wich mit der Zeit des Dreissigjährigen Krieges dem schlaffen Filz, der als breitkrempiger, mit mächtigen Federn geschmückter Soldatenhut modern wurde. In dieser, auf immer kostbarere Produktion hindrängenden Epoche, schufen die Basler Hutmacher ihre grosse Modespezialität den berühmt-berüchtigten Baselhut. Er bestand aus eine hohen schwarzen Filzkegel, einem leicht abgestumpften Zuckerstock ähnlich. Fast ganz randlos, besass er nur hinten einen aufgestülpten Nackenschirm. In ganz feiner Aufmachung, aus «schönsten und reinsten englischen Strümpfen» d. h. aus feinstem Filzstoff hergestellt, kostete ein solches Hutmonstrum gegen 40 Franken heutigen Geldes. Den Baselhut trugen Männer, Frauen und Kinder. Reiche Töchter sowohl als arme Mägde setzten ihn auf, wobei die ledigen Mägde oftmals ihre Zöpfe oben über den drolligen Kegelhut schlangen, während Verheiratete ihr Haar sorgfältig unter dem Hut verbargen.

Vor allem galt der Baselhut neben Krös und Habit als unentbehrliche Zubehör jeder Standesperson. Den Vorgesetzten der Zünfte war bei Busse geboten im Baselhut zum Sechserbott zu kommen; ebenso erschienen die Ratsherren nie anders als im Baselhut zur Sitzung. Man hätte im 17. Jahrhundert seiner Bürgerpflicht und seinem Ansehen etwas zu vergeben geglaubt, wenn man von dieser Sitte abgewichen wäre. Bei solcher Beliebtheit und Wertschätzung wurde der Baselhut bei uns auch nicht von den sonst strengen Aufwandgesetzen berührt, während ihn die Stadt Strassburg in ihrer Luxusordnung verbot.

Um das Jahr 1625 betrug die vorschriftsmässige Höhe eines Baselhutes ⅔ Basler Ellen. Als sich einer spassigen Wette halber 1643 ein Major Müller einen Baselhut von 5 Werkschuh Höhe bei einem Hutmacher zurichten liess, wurde er vor Rat gestellt und von der Obrigkeit wegen Verspottung der hiesigen Tracht um fünfzig Gulden gebüsst!

Es ist begreiflich, dass eine so absonderliche Kopfbedeckung, wie der Baselhut eine war, gelegentlich die Spottlust der Fremden weckte. Im März 1634 setzte ein schwedisches Heer von sechstausend Mann unter dem Rheingrafen Johann Philipp bei Kleinhüningen über den Strom. Viele neugierige Stadtbürger schauten mit «aufgesetztem» Baselhut dem ungewohnten Schauspiel zu. Ihre Kopfbedeckung erregte das Staunen der fremden Soldaten, die der Hüte spottend, sie babylonische Türme und Butterhäfen nannten. Ein schwedischer Offizier wollte die Herren von Basel bisher für witzig gehalten haben, erklärte aber, beim Anblick dieser Hüte müsse er das Widerspiel glauben.

Schelmischen Spott gossen auch zwei Prinzessinnen, die Töchter des Friederich Georg von Baden, über den Baselhut aus. Während des grossen Krieges waren sie gezwungen, jahrelang eine Zuflucht im markgräfischen Hofe zu Basel zu suchen, wo ihnen die Beschäftigung mit Wissenschaft und Dichtkunst Trost und Zerstreuung bot. Als Frucht ihrer poetischen Versuche entstanden damals di launigen Gedichte:

Lob eines Basler Huets

In Basel pflegt man mich vor eine Zier zu halten,
Es trägt mich Man undt Weib, die Jungen als die Alten.
Wiewol ich offtermal von Frembten werd veracht,
Weil neben der Gestalt man auch an mir betracht
Das ich in Hitz und Kält, in Sonnenschein undt Regen,
Den Leutten gar nichts nutz, beschwere sie hingegen,
Gleichwol bleibt mir der Ruom, das wan man Fasnacht helt
Ihm mancher diese Form zur Mumschantz auserwelt.

Ueber einen Basler Huet, der in Niderland verschickt worden

Mein seltzame Gestalt, die maht mih so vermessen,
Dass ih ietzud der Schweitz ein Zeit lang wil vergessen,
Mih wagen auf den Rhein, damit in Niderland
Diss seltzam Aufgesetz auh einmal werd bekand.
Sie mogen uderstehn, mih anfangs auszulahen,
Ich hoffe künftig mih noh so beliebt zu mahen,
Dass manher Handelsman mit grosen Schiffen voll
Dergleichen schöner Hüt von Basel holen sol.

Den Baselhut traf auch das Anathem des Joh. Michael Moscherosch der 1640 in seinem Philander von Sittewald seinem Unmut über die Hutnarrheiten mit den Worten Ausdruck verlieh: «Jetzt ein Hut wie ein Ankkenhaffen, dann wie ein Zucker-Hut, wie ein Kardinalshut, dann wie ein Schlapp-Hut, da ein Stilp ehlenbreit, dort ein Stilp fingerbreit, dann von Geissenhaar, dann von Kamelshaar, dann von Biberhaar, von Affenhaar, von Narrenhaar, dann ein Hut als Schwartzwälder Käss, dann wie ein Schweitzerkäss, dann wie ein holändisch Käss, dann wie ein Münsterkäss ...»

In Bern aber wurde der Baselhut geradezu zum Prüfstein des Gehorsams und der Unterwürfigkeit der Studenten, als 1653 der Berner Rat für die dortigen Studenten Baselhut und Krös obligatorisch erklärte. Ungehorsame, die mit breiten Hüten aufzogen, sollten zu keinem Examen zugelassen werden. In einer lateinischen Supplikation gelang es 1676 den Studenten ihre Lehrer zu überzeugen, dass der Baselhut nicht auf den Kopf eines Berner Studenten passe. Aber die Herren des Schulrates wagten nicht, von sich aus eine Änderung vorzunehmen. Sie wiesen ihre Zöglinge an den Rat, dem denn auch prompt eine Bittschrift eingegeben wurde mit dem Hinweis, «dass ja in dem gantzen europeischen kreiss keine studiosi zu solchen hüten verbunden, sondern allein bei der allgemeinen landsart und burgerlichen gewohnheit freygelassen werden». Nicht einmal in Basel, wo er doch seinen Ursprung habe, werde der Hut von den Studenten gebraucht. Köstlich ist die Kritik der Berner Studenten über den Hut als solchen. «Was Nutzen bringen uns diese hüt, verrichten sie dan das ambt eines huets, der von dem hueten seinen namen hat, darum, weil er dess menschen gantzen leib, sonderlich aber das angsicht vor den stechenden und blendenden strahlen der sonnen und fliegenden regens und schnees verhüten soll? Man wurde ohn zweiffel den nit für weis halten, der über sein haus ein tach hielte, welches sich nicht über das gantze gebeuw hinaus erstreckte, die fenster und das gantze haus vor allerley ungewitter zu schirmen. Ist das gebeuw menschlichen leibs nit viel köstlicher als ein von Steinen und holtz zusammengeflicktes gebeuw? und soll derohalben auch mehr in schutz genommen werden ...» Die Eingabe schloss mit der kaum verhüllten Drohung, lieber den Stand aufzugeben, als sich dieser Hutvorschrift länger zu unterziehen. So schienen die unglückseligen Inseparabilia ‑ Baselhut und Krös ‑ für Berns geistiges Leben verhängnisvoll zu werden, indem sie den jungen Bernern die Lust zum Studieren nahmen. In dieser Gefahr beantragte der Schulrat von sich aus die Abschaffung dieses geistlichen Personen wohlgeziemenden, aber für junge Knaben «sehr indecenten habit des baselhuts und kragens», ohne beim Rat durchzudringen. Im Jahre 1707 war die Situation so, dass «tacite der baselhut nit gebotten noch verbotten» war. Jedenfalls bildete er fortan nicht mehr den gefürchteten Popanz, unter dem die bernischen Studenten ein halbes Jahrhundert geseufzt hatten.

Kehren wir nach diesem Exkurs wieder zu den Basler Hutmachern zurück. Mochte man den Baselhut - pilleus Basiliensis - rühmen oder schmähen, jedenfalls brachte er seinen Verfertigern einträgliche Arbeit und veranlasste bei der starken Zunahme des Handwerks und der gesteigerten Konkurrenz den Einzelnen zur äussersten Anspannung seiner Leistungsfähigkeit. Diese kam schon in Geltung, als das Handwerk durch eine 1601 beschlossene Ordnung das Meisterwerden an vier Meisterstücke band. Sie bestanden 1. in der Herstellung eines Paares Filzsocken ohne Naht in der Länge von Reiterstiefeln, 2. eines glatten, breiten Regenfilzhutes, 3. eines krausen, geklopften Hutes und 4. eines Jägerhutes mit Ueberstulp.

Die ausführliche Meisterordnung, in der wir nach der Meister eigener Aeusserung ein Palliativmittel gegen die starke «Übersetzung» im Handwerk erblicken müssen, hat folgenden Wortlaut:

«Demnach gemeine meister huthmacher handwercks alhie sich in guter vorbetrachtung einmüetig under einander erinnert, welcher massen in anderen fürnemmen stätten, auff diesem ihrem handwerck underschiedliche meisterstuck, vor und ehe einer zum meister angenommen, nach gepeur zu verfertigen, in üblich und löblichem gebrauch seye und damit dan das handwerek mit unerfahrenen meisteren und stümpleren alhie nit übersetzt und zu verachtung gebracht, der gemeine mann auch hierdurch nit vervortheilt, und sonderlich die almusen dieser statt Basel von solchen ungeschickten meisteren, auch dero weib und kinderen, aus verderblichem undergang und unvermögenheit, hernach desto minder beschwert werden, alss haben bemelte meistere huthmacher handwercks alhie den 24. Mertzen im 1601 jahr gemeinlich einhellig erkandt und beschlossen diese nachfolgende ordnung fürterhin beständiglich zu halten und dero würcklich nachzukommen. »

Alss namblichen, dass hinfüro keiner zum meister hutmacher handwercks alhie angenommen werden solle, also dass er mit gesellen und lehrjungen arbeiten und offene volle werckstatt halten möge, er habe dan zuvor und ehe folgende meisterstuck gemacht und seye mit den selben wie sich gebeurt zur notturfft bestanden. Und seind diss die auffgesetzte meisterstuck:

  1. Erstlich ein par fültzsocken, gemacht ohn alle nähte in die lenge wie reuthstiffel.
  2. Item ein glatter, breyther regen fültzhuth.
  3. Item ein krauser, geklopfter huth.
  4. Item ein jäger huth mit einem überstulp.

Und da einer sein Meisterstuck auff- und fürbringen, aber damit verfählen und nit bestehn wurde, alss solle er in einem halben jahr hernach nit widerumb zum meisterstuck hinzu gelassen werden.

Es solle auch kein frembder zum meister alhie angenommen werden, mit oder ohne gesellen und lehrjungen zu arbeiten, er habe dann nach aussgang seiner lehr jahren zum wenigsten drey jahr gesellenweiss auf dem handwerck gewandert und gearbeitet.

Es sollen aber die meister söhn, wie auch andere burgerssöhn, so das hutmacher handwerck alhie erlehrneten, frey gesagt werden, zum allerwenigsten zwey jahr usserhalb der statt, von anderen, oder aber hie bey meisteren die zeit in gesellenweiss arbeiten.

Zuvor und ehe ein zukommender huthmacher diese meisterstuck verfertiget hat, die auch für guth und gerecht erkent werden, soll er weder lehrjungen noch gesellen halten; aber für sein persohn und mit seiner selbs eignen hand zu arbeiten, soll keinem, der zum burger angenommen und das handwerck ehrlich erlehrnet und gewandert ist, nit abgestrickt, sonder zugelassen sein.

Zu besichtigung vorgehörter meisterstucken sollen anfänglich von der Meisterschaft huthmacher handwercks vier meister aussgeschossen, von denen hernach alle jahr einer abgohn und ein anderer, so am tuglichisten und besten darzu zu achten, an sein statt gekosen werden, welche jährlich, wann andere beamptete ihre ordnungen zu schwören pflegen, vor unseren rathsherren und meisteren schwören sollen, diese schauw aufrichtig, redlich und unparteyisch, niemanden zu lieb noch zu leyd, weder auss gunst oder widerwillen zu verrichten, und über die fürgelegte meisterstuck zu erkennen.

Welcher sein meisterstuck machen will, der soll es dem eltesten oder dem meister under den vier geschwornen anzeigen; sie sollen sich miteinander vergleichen, von und zugohn, und gut auffsehens haben, wie sich der gesell in die sach schicke.

Für solche ihr müeh und versaumbnus, auch die zeit, so sie mit der schauw zubringen, soll der gesell den vier geschwornen einem jeden für sein müeh und arbeit 10 s. zu erlegen und zu bezahlen schuldig sein.

Und wan die vier geschworne meister oder andere das gemachte meisterstuck besichtigt und für gut und gerecht erkant würdet, so solle der neuwe meister den vier geschwornen meistern von stund an 2 lb., so in des handwercks büchsen gehören, erlegen.

Es soll auch derjenig, der die stuck machen will, sich zuvor mit einem meister umb dargebung der wullen, werkzeug und anderer notturfft, wan er etwas bedarf, vergleichen, in welchem sich dann der meister nach christlicher ehrbar- und billigkeit verhalten, und den geselllen nicht hinderen oder beschweren, darzu ihme auch die vier geschworne meister behülfflich sein sollen.

Ein jeder, der das meisterstuck gemacht hat und den schauwern fürbringt, soll bey handgegebener treuw behalten, dass er die stuck für sich selbs, ohne jemandes hilff oder underweisung gemacht habe; welcher solches nit wohl behalten kan, dem soll das meisterstuck nit für gueth erkant werden.»

Die Zunftherren waren aber nicht ohne weiteres bereit, die Prüfungsbestimmungen für das Meistertum zu bestätigen. Sie wiesen die Meisterschaft vor den Rat, der wiederum die Zunft mit einer Untersuchung betraute, die Meister eidlich einzuvernehmen, ob jeder sich getraue und imstande sei, die Meisterstücke zu schaffen. Von den 21 Meistern gaben zwei ihr handwerkliches Unvermögen zur Herstellung der Stücke zu. Erst auf Grund dieser Enquete sanktionierten Zunft und Rat die Meisterordnung.

Zu den Klagen über die leidige «Uebersetztheit» in der Hutmacherei traten seit Beginn des 17. Jahrhunderts immer lauter Beschwerden und Forderungen der Hutmacher wegen der Konkurrenz durch Krämer und Kaufleute. Derartige Klagen waren nicht neu. Schon 1521, bei der durch den Rat veranlassten allgemeinen Geltendmachung gewerblicher Mängel und Schäden, hatten die Hutmacher billigen Import fremder Hüte durch baslerische Gross-Händler als ihren Hauptklagepunkt erwähnt. Die Gewerbereform von 1526 hatte dann zum Schutze des einheimischen Handwerks Wandel geschaffen, indem sie den Krämern und Kaufleuten nur die Einfuhr teurer Hüte erlaubte, von denen das Stück 7 s. und darüber galt, «diewil man dieselben hie zu machen nit gewont».

Mit dem Monopol auf die billigen Hüte wollte sich aber ein halbes Jahrhundert später das in glänzendem Aufstieg befindliche Handwerk nicht mehr begnügen. Es erklärte 1581 stolz, seine Meister und Meistersöhne hätten in den letzten Jahren sich nun auch in den Landen umgesehen, da man stattliche und kostbare Hüte verfertige und könnten darum solche zu 7 s., ja für 12 s. herstellen. Ihre damalige Forderung auf das Monopol aller Wollhüte hatte den Erfolg, dass ihnen der Gesamtverkauf bis zu 12 s. Stückwert zugebilligt wurde.

Im Jahre 1609 brach nun der Streit um das Monopolgebiet von neuem los. Den Anlass gab der starke Import von gefärbten Kinderhütlein, von geklopften Sundgauer und Strassburger Hüten, deren Einfuhr die Krämer damit motivierten, die hiesigen Hutmacher seien doch nicht imstande, diese Hütlein zu färben. Nicht nur gelang es den Hutern, diesen Vorwurf zu entkräften, vielmehr willfahrten Zunft und Rat 1610 dem Begehren des Handwerks, das Hutmonopol bis auf den Guldenwert zu erhöhen. Offen erklärte hiebei die Zunft, dass die Hutmacher ihre gemachte Ware auf so hohen Wert als ihnen gefällig, zu bringen und zu verkaufen befugt seien.

Aber mindestens ein halbes Dutzend Huthandel treibender Krämer und etliche Hutstaffierer hielten sich nicht an die Abmachungen mit dem Handwerk. Sie liessen wie vorher allerlei Gattungen Hüte von auswärts kommen, statt dieselben «den redlichen meistern, so bei der lade sitzen», abzukaufen. Selbst aus der Meisterschaft ahmten Vereinzelte das Beispiel der Krämer nach. So Meister Emanuel Rupprecht, der sich bald als Hutstaffierer bald als Hutkrämer ausgab und im Geheimen zwei welsche und darum für unredlich geltende Gesellen für sich arbeiten liess.

Schon 1558 hatten die Basler Hutmacher einhellig vereinbart, keinem welschen Gesellen, der nicht in Deutschland sein Handwerk redlich erlernt habe, zu werken zu geben. Auf Grund dieser alten Bestimmung wies das Handwerk 1632 zwei welsche Hutmacher Hans Niclas und Hans Naudel von Metz ab, da es sich überdies um zwei so genannte «Lotterpfaffen», d. h. verheiratete Gesellen, handelte, die das Handwerk nirgends duldete. Der eine, Hans Niclas, fand dann Unterschlupf bei einem Hutmacher in Grenzach, der für Basler Krämer sogenanntes Stümpelwerk lieferte. Als Niclas eines Tages im Auftrage seines Arbeitgebers mit elf schwarz gefärbten Hüten nach der Stadt kam, wurde er von dem vorerwähnten Meister Rupprecht gewalttätig seiner Ware beraubt und mit der Seitenwehr verwundet. Für solche Rohheit aber zeigte die Zunft keinerlei Verständnis. Rupprecht musste die Hüte ihrem Besitzer, dem Krämer David Herman zurück erstatten, 3 Pfund Busse zahlen und dem misshandelten Welschen die Barbierkosten und für 18 Tage den ausgefallenen Lohn ersetzen.

Nicht minder rücksichtslos zeigte sich Rupprecht gegen seine Mitmeister, die ihn ein halbes Jahr später vor dem Zunftgericht verzeigten, da im mindern Basel, in einem sonderbaren Haus welsches Gesinde «in geheimb» ihm werke, das er mit Speise und Trank versehe und besolde. Rupprecht suchte allerlei Ausflüchte, er halte diese Leute dort, weil er seiner «behausung ungelegenheiten halb» es nicht anders tun könne. Das Sechserbott befahl ihm sofortige Abschaffung des Gesindes, Schliessung seines Ladens und belegte ihn zudem mit der hohen Busse von vier Gulden. Aber der störrische Meister trotzte Handwerk und Zunft, indem er höhnisch verlauten liess, er habe eine höhere Obrigkeit als die Herren zum Safran. Erst die Androhung, ihn vor Rat stellen zu lassen, tat ihre Wirkung..

Der Unmut wegen der welschen Gesellen verstärkte sich, als mehrere Glaubensflüchtlinge sich in der Stadt und deren Umgebung niederliessen, die ohne Bürger werden zu können, sich mit ihrer Hände Arbeit eine Existenz zu schaffen suchten, und dadurch mit der starren zünftigen Ordnung in Konflikt kamen. So klagten in den 1630er Jahren die Meister gegen Einen zu Münchenstein, der dem ganzen Handwerk überlästig sei, ebenso gegen einen von Markirch vertriebenen Hutmacher Mandré, dem Herr Daniel Iselin Wolle lieferte, damit jener für ihn Hüte fabriziere. Man wird beim Lesen all der Invektiven in dem Gedanken bestärkt, als ob der Grad der Erbostheit der einheimischen Meister nicht selten als Massstab für die Tüchtigkeit des Gegners gegolten habe. Umso angenehmer berührt die massvolle Zurückhaltung des Zunftgerichts gegenüber dem rechthaberischen Draufgängertum des Handwerks. Keine der vielen safranzünftigen Berufsgruppen hat die Langmut von Ratsherr, Meister und Sechs auf so harte Probe gestellt wie die Huter. Was für kleinliches Gezänk, wie viele Fälle persönlicher Rancune und niedriger Missgunst, was für verworrene Begriffe so genannter Handwerksehre galt es da zu untersuchen und zu beurteilen, um grobem Rechtsbruch zu wehren! Wohl nicht umsonst sah sich einmal der Zunftvorstand zu der Bemerkung veranlasst, der Hutmacher Handwerksbücher seien so dunkel, dass nichts klares daraus erkannt werden niöge.

Als 1642 die alten Meister gegen etliche junge, strebsam Mitmeister klagten, die das ganze Jahr durch auf dem Kornmarkt feil hielten, wurden die Kläger kurz mit dem Bescheid abgetrumpft, so lange die Gnädigen Herren und Obern solches duldeten, habe sich auch das Handwerk damit abzufinden.

Wie vernehmlich wird das kleinbürgerliche Treiben, wenn 1657 Kaspar Hosch seinen Mitmeister Lorenz Zarlin einen Hundsschneider schilt, weil dieser für den Herrn Stadtschreiber Rippel aus Filzstoff ein Hündlein ausgeschnitten und sich damit der Unehrlichkeit schuldig gemacht habe und das Zunftgericht diesen Ehrenhandel schmunzelnd mit dem fröhlichen Urteil aus der Welt schafft, Zarlin habe unbeschadet seiner Ehre dem Handwerk eine Kanne Wein zum Besten zu geben, und Hosch, weil er den Fall drei Jahre lang verschwiegen, seine Mitmeister in gleicher Weise mit einer Kanne Wein zu traktieren!

Oder wenn demselben Lorenz Zarlin nach einem feuchten Mahl der Meisterschaft vorgeworfen wird, er habe die Nieren aus dem Kalbsbraten «gefressen, welches er nicht gestehen wollen, worüber ihm einer ein maulschellen gegeben, worüber es zu streit kommen», bis sich schliesslich herausstellte, dass ein anderer Meister der Nierendieb gewesen. Dieses guter Burgersitte widersprechende Verhalten Eines Ehren Handwerks ahndete der Zunftvorstand freilich schärfer, mit einer saftigen Busse für alle Beteiligten, da der Friede der Zunftstube gebrochen worden war ...

Eine eigenartige Auseinandersetzung provozierte das Verhalten der Meisterschaft in zwei Fällen angeblicher Unehrlichkeit. Zwei junge Hutmacher, Jakob Hug und Hans Rudolf Hosch, die sich als Meister anmeldeten, beschied man abschlägig, weil beide Müllerstöchter geheiratet hatten, die nach der Auffassung des Basler Handwerks im deutschen Reich für unehrlich galten. Hug und Hosch erklärten sich bereit, zu beweisen, dass bei Fürsten und hohen Herren, die Müllers- oder Barbierstöchter ehelichten, für redlich passierten. Dieser Nachweis scheint den Petenten durch Beibringen eines Attests aus dem Reich gelungen zu sein, denn 1667 empfingen trotz des Widerspruches des Handwerks beide als Meister die Zunft. Der Streit um die Müllerstöchter hatte noch sein Nachspiel, da Hug bei seiner ersten  Abweisung zum Bottmeister Jakob Bachofen gesagt hatte, es nehme ihn wunder, dass man ihn abweise, habe man doch eines Webers aufgedingt, obwohl die Weber an unterschiedlichen Orten im Reich dem Scharfrichter die Leitern zum Hochgericht tragen mussten. Dieser Ausspruch wurde durch Bachofen den hiesigen Webern hinterbracht, die Hug prompt vor ihr Meisterbott zitierten und ihi: Geld abstraften.

Um die Mitte des 17. Jahrhunderts führte die Entwicklung der Hutmacherei, ihre Arbeitsteilung in Produktion und Vertrieb durch das stark zunehmende Verlegertum zu neuen Konflikten zwischen den Hutmachern und den Gewerbsleuten, die Huthandel trieben. Und zwar waren es speziell Seidenhändler, die 1650 Klage führten, dass etliche Hutmacher mit ausländischen Hüten Kaufmannschaft trieben, solche Hüte in ziemlicher Quantität bald von auswärts kommen liessen, bald von fremden Kaufleuten im Kaufhaus zum Wiederverkauf einhandelten. Gestützt auf Artikel 14 der alten Gewerbeordnung von 1526 - dass alle die, so ihr Handwerk mit eigener Hand oder durch Knechte ausüben, keine Kaufmannschaft treiben sollen - setzten die Kläger durch, dass den Hutmachern der Handel mit fremden Hüten verboten wurde. Dafür gestanden die Gewerbsherren den Hutmachern eine Erhöhung der Monopoltaxe zu, zwar nicht auf 24 Batzen, wie das Handwerk gefordert hatte, wohl aber auf 18 Batzen. Am 15. August 1650 verpflichteten sich zehn Gewerbetreibende und neun Hutmachermeister, durch ihre Unterschrift, diese getroffene Abmachung zu halten. Aber von beiden Seiten liess man sich in der Folgezeit neue Übergriffe zu Schulden kommen. Im Jahre 1660 wurden fünf Hutmacher um je eine Mark Silber abgestraft, da sie auswärts Hüte, Lyoner, Markircher und andere, um einen Gulden hatten herstellen lassen und diese dann um den vier- bis sechsfachen Preis absetzten. Gleichzeitig wurde den Hutmachern im allgemeinen eingeschärft, keine «so abscheulich grossen Hüte» mehr zu machen, sondern im Wert von höchstens drei Pfund.

Es spricht für ein merkwürdiges Verhalten der Meisterschaft, wenn der Zunftvorstand ihre Handwerkslade mit den Ordnungen zur Verwahrung einfordern muss, weil aus den Schriften Blätter herausgerissen worden waren, und des weitern gebieten muss, dass künftig jedem Meisterbott zwei Herren Sechser beizuwohnen haben, da sich das Handwerk herausgenommen hatte, wider des Zunftvorstandes Wissen, an die Obrigkeit von Bern ein Schreiben «mit vielen unnotwendigen reprochen» zu richten.

Zu all diesen Zänkereien kamen 1664 ernsthafte Verwicklungen mit den Berufsgenossen von Mülhausen, Colmar und Markirch. Auf den Märkten dieser Städte wollte man die Basler nicht mehr für redlich gelten lassen, weil 1. Heinrich Meyer Hundehaar verarbeitet, 2. Emanuel Merian bei einem unredlichen Meister das Handwerk erlernt und 3. Das Handwerk einen Schuhknecht zum Hutmachergesellen gefördert habe.

Vor Zunftgericht bestritt Meyer eine derartige Verfehlung. Den Schuhmacherknecht betreffend, bezeugte das Handwerk einstimmig, von einem solchen Fall nichts zu wissen. Emanuel Merian erklärte, sein Handwerk ehrlich erlernt zu haben, er liess sich auch durch einen Attest des Lieutenant von Tabellion in Markirch bezeugen, dass sein Lehrmeister Courvoisier als redlicher Meister gelte. Die Zunft riet dem Handwerk, ihr Anliegen durch einen Ausschuss vor Rat einzugeben mit der Bitte um obrigkeitliche Vorstellungen bei den Städten.

Als Hauptursache der gestörten Beziehungen galt Merian. Denn trotz der Mahnung der Zunftherren, zusammenzuhalten und die Angelegenheit als gemeinsame Sache zu defendieren, war ein Teil der Basler Meister wegen Merian gleicher Meinung wie die Elsässer. Von seinen Mitmeistern mehr oder weniger gemieden, kehrte Merian dem Handwerk den Rücken und verlegte sich auf den Huthandel. Anfangs fand sich das Handwerk mit dieser Lösung ab. Als aber mit den Jahren Merians Konkurrenz immer spürbarer wurde, wandten sich die Meister heftig gegen ihn. Man warf ihm vor, dass er geringe Mannen- und Weiberhüte in grossen Mengen bei fremden und hiesigen, aber nicht zunftehrlichen Meistern aufkaufe und unter dem Einkaufspreis auf den Markt werfe. Merian erwiderte, man habe ihm seinerzeit das Handwerk verleidet, es gehe nun das Handwerk auch nichts an, ob er wohlfeil verkaufe oder gar hinschenke. Ein erster Schlichtungsversuch scheiterte. Merian wurde nun aufgefordert, sich zu erklären, ob er als Krämer gelten oder mit dem Handwerk halten wolle; im letztern Fall sollten ihn die Meister an- und aufnehmen. Merian lenkte ein, obwohl ihn, eine Gruppe nach wie vor aufsässig blieb. Der ewigen Zerwürfnisse satt, bestimmten am 8. Januar 1685 die Zunftregenten ihren Mitsechser, den Hosenstricker Johann Brenner als «Aufseher» der Meisterschaft, ohne dessen Vorwissen kein Bott stattfinden durfte, und wählten den angefeindeten Emanuel Merian als Bottmeister des Handwerks!

Die unfreundliche Gesinnung des Handwerks gegen Emanuel Merian übertrug sich später in vermehrtem Masse auf dessen Sohn Rudolf Merian, der, von der Wanderschaft zurückgekehrt, 1700 die Zunft erkaufte, einen Hutladen eröffnete und mit welschem Gesinde arbeitete. Als das Handwerk verlangte, dass er sich bei ihm einschreibe, weigerte er sich dessen, da er Fabrikant sei, der nur mit welschen und keinen deutschen Gesellen sein Geschäft betreibe. Er führe auch nicht die Fabrikate des Basler Handwerks, sondern nur feine Ware, und besuche auch nicht, wie die Basler Meister, die Jahrmärkte. Das Handwerk verlangte kategorisch, wenn er welsche Gesellen fördern wolle, müsse er zuerst der hiesigen Meisterschaft beitreten und seine Gesellen nach Handwerks Brauch und Gewohnheit um eine Dublone abstrafen lassen, worauf sie dann den Gesellen aus dem Reich gleich passieren mochten. Wenn dies nicht geschehe, müsse es das ganze Handwerk entgelten, indem ihm von der gesamten deutschen Meisterschaft das Gesinde gesperrt, die hiesigen Lehrlinge verworfen und die Werkstätten verrufen würden. Merian beharrte darauf, sich der Fabrik bedienen und welsches Gesinde beibehalten zu wollen. Er musste aber, von Zunft und Rat gezwungen, im Sinne der herrschenden Strömung jener Jahre, sich dem Handwerk unterwerfen.

Vor dem Schlagbaum veralteter Privilegien musste aber nicht nur der Hutfabrikant Halt machen. Just in dieser Zeit, um die Jahrhundertwende, bekam das Basler Handwerk als solches durch das Vorgehen der Hutmacher der vorderösterreichischen Lande die Auswirkung sakrosankter Handwerksrechte auf die unangenehmste Weise zu spüren. Schon 1656 hatten die Meisterschaften dieser Gebiete zu ihrem Schutz eine gemeinsame Handwerksordnung aufgerichtet, die seit den deutsch-französischen Reichskriegen immer mehr durchbrochen wurde, «sonderheitlich, da fast jeder krämer und savoyard auf den Jahrmärkten und messen mit wolle gehandelt und ohne unterschied hüte verkauft».

Vermöge eines am 29. Oktober 1698 durch die vorderösterreichische Regierung von Freiburg aus erlassenen Patents wurde nun allen fremden Hutmachern, die ihr Meisterstück nicht bestanden hatten oder nicht machen wollten, bei Strafe zweier Mark Silber das Feilhalten auf den Jahrmessen, Märkten und Kirchweihen in den vorderösterreichischen Gebieten untersagt. Da die Basler Huter schon seit Jahrzehnten kein Meisterstück mehr verlangten, weil es nach ihrem Dafürhalten «kein förmlich oder wesentlich stück des meisterstandes sei», wurden sie durch dieses Verbot schwer betroffen. Auf dem Staufener Martinimarkt wies man sie zurück; auf dem Rheinfelder Markt belangten die Hutmacher von Säckingen und Laufenburg jeden der anwesenden Basler um einen Gulden. In zwei Eingaben an den Rat beschwerte sich das hiesige Handwerk wegen des Verbots, das der 1511 zwischen der Eidgenossenschaft und Oesterreich abgeschlossenen Erbeinung zuwiderlaufe. Die Basler machten geltend, dass alle Hutmacher im Rhein- und Fricktal bis nach Konstanz hinauf auch zu keinem Meisterstück verpflichtet seien; auch habe man den breisgauischen Hutmachern in Basel das Feilhalten sowohl während der Jahrmesse als an den Fronfastenmärkten noch nie gewehrt oder abzustreiten begehrt.

Ein langwieriges Prozessieren hob nun an, ohne den Baslern ein klares Recht zu bringen. Wohl aber gingen über den Kosten die hundert Pfund Geld, welche die Zunft der gemeinsam haftenden Meisterschaft vorstreckte, restlos auf. Etwas Gutes zeitigte dieser Handel gleichwohl. Er nötigte das Handwerk zu besserem Einvernehmen und Zusammenhalt unter sich selbst. Diesem Bestreben diente die am 11. Februar 1700 von der Meisterschaft aufgestellte Ordnung, die bis zur Helvetik in Kraft blieb. Sie hat folgende Fassung:

«Wir der Bott- und die gemeine meistere eines ehren handwercks der hutmacheren in beyden stätten Basel, verurkunden offentlich und tuhn kund männiglich hiemit: dass wir an heut acto in unserm vor offener lade gehaltenem ehrenbott zu abstellung allerhand besorglich einbrechender schädlichen missbräuchen, und hingegen zu fortpflanzund bevestigung guter heylsamen friedfertiger ordnungen und handwercks gebräuchen unss hernach gesetzter artieulen miteinander wohlbedachtsam und einmühtig verglichen.

Von dem losen in hiesigen und auswertigen jahrmessen und märckten

Erstlich soll ein jeder allhiesiger meister unsers ehrenhandwereks, welcher in der Basel Simonis et Judae jahrmess feyl halten will, zu vorderst in das gewohnliche los einstehen; welcher aber nicht losen wolte oder wurde, der soll auch keineswegs feylzuhalten befügt sein. Zu welchem ende dann järlich an dem nächsten sonntag vor Simonis et Judae gemein ehren- und handwercksbott versamblet und diese vor und nach beschriebene articul einer ehren meisterschaft nachrichtlich vorgelesen werden sollen, damit sich keiner der unwissenheit behelffen könne; dann wer solches übersehen wurde, der soll dem ehren handwerck in die laden zwey pfund pfenning geldts buss verfallen sein.

Wer aber ausserhalb der jahrmess allhier zu Basel das ganze jahr hindurch feyl haben wollte, da solle es solchen falls bey deme den 28. Mayen anno 1684 hierum aufgerichteten articul verbleiben, dessen innhalt dahin gehet, dass man alle fronfasten absonderlich losen solle und welcher alsdann den ersten oder vorstand eine wochen lang gehabt der solle die nächstfolgende wochen der letste in dem los sein. Und welcher darwider handlen wurde, der solle dem ehren handwerck zur straff ein pfund pfenning verfallen sein.

Was aber die offene märckt auf der land- und nachbarschaft anbelangt, haben wir unss unter einander dessen verglichen, dass je einer dess andern mit dem los biss zur bestimten zeit erwarten, namlich des sommers umb sieben und des winters umb acht uhren morgens; welcher aber nach dieser bestimbten stund und hiemit erst nach dem los kommet, derselbe alsdann hinden anstehen solle, dass also diesemnach alle diejenigen, welche mit einander ausslegen und feyl haben wollen, auch zugleich mit einander umb die stände losen sollen, bey straff eines pfund pfennings.

Es solle auch bey vermeydung erstbestimter straaff eines pfund pfennings kein meister aus unss befügt sein, einig taffet band auf seine feyl habende hüt zu knüpfen, weder alhier noch ausserhalb auf den märckten, aber in seinem laden und haus mag ein meister so viel hüt mit taffeten banden zieren als er will.

Von den Lehrjungen

Zweytens, wann einer unserer meisteren einen lehrjungen anzunemmen entschlossen, so solle er ein gesambtes ehren handwerck auf einer ehren zunfft zunffthaus zu dem Safran versamblen und allda vor ihnen den jungen in die lehre aufdingen und nach ehr- und redlich erstandener Lehrzeit vor meister und gesellen wieder los und ledig sprechen.

Es soll aber ein jeder lehrjung, so bald er aufgedingt wird, von stund an dem ehren handwerck, wann er ein einheimischer oder burgers sohn ist, einen, ist er aber ein ausländischer oder fremder, zween gulden erlegen.

Es soll auch ein lehrjung nicht weniger zeit dann auf drey jahr in die lehr aufgedingt werden, hergegen soll kein meister einen andern lehrjungen annemmen, es habe dann der vorige ausgelehrnet.

Begebe sich, dass einem Lehrmeister sein lehrjung ohne erhebliche uhrsach und muhtwilliger weise vor endschafft der lehrzeit hinweg lieffe und inner monatsfrist wiederkäme, alsdann mag ihne der lehrmeister wohl wieder annemmen. Wann aber der flüchtig aussgetrettene lehrjung über ein monat aussbliebe und erst hernach wieder zu seinem lehrmeister begerte, so solle dessen wiederannemmung nicht also schlechter dingen bey dem meister stehen, es werde ihme dann von einem ganzen ehren handwerek vergönt.

Jedoch solle der meister innert den vier wochen des ausstritts keinen anderen lehrjungen annemmen. Ob auch der lehrmeister nach den vier wochen des flüchtigen ausstritts einen anderen lehrjungen bereits angestellt und aufgenommen hätte, und der erste lehrjung, so von ihme aussgetretten, bey einem anderen meister ausszulehrnen verlangte, alsdann solle die sach einem gesambten ehren handwerck angebracht und dessen Ausspruch hierüber erwartet werden.

Wann auch einem meister sein lehrjung inner den drey bestimmten lehrjahren mit tod abgehen wurde, solchen falls solle der lehrmeister nicht schuldig sein, mit annemmung eines anderen lehrjungen die drey jahr ausszuwarten, sondern er mag gleich wiederumb einen anderen in die lehre aufdingen.

Es soll auch kein meister einem seiner mitmeisteren seinen lehrjungen oder Gesellen leyhen, es wäre dann eine ehrhafte oder erhebliche uhrsach obhanden.

Von Anstellung eines botts in sonderbaren Angelegenheiten oder streitfällen

Drittens, wann ein meister oder gesell vor einem ehren handwerck zu schaffen hätte, der soll zu dem geordneten bott- oder in mangel dessen zu dem ältesten handwercksmeister gehen und es ihme anzeigen, welcher darauf das handwerck versamlen lassen, da dann der meister. auf dessen anruffen das bott versamblet wird, zween schilling, ein fremder aber vier batzen bottgeldt erlegen und hernach seine angelegenheit eröffnen solle.

Es soll auch ein jeder, der nicht auf die stund kombt, wann man ihme bietet, zween schilling für seinen ungehorsam und allzu spates erscheinen erlegen; welcher aber gar nicht kombt und nicht bey dem bottmeister vorhin uhrlaub nimmt, derselbige soll die straaff, bey welcher ihme gebotten worden, erlegen.

Doch sollen die gesellen in straaffmässigen begebenheiten einanderen nicht selbs umb geldt zu straffen befugt sein, sondern wann einer etwas ab oder wider den anderen zu klagen het, so sollen sie es für ein ganz ehren handwerck bringen und ein bott versamblen lassen, welches je und allwegen der jüngste meister, der am letsten die zunfft empfangen hat, umbsagen solle.

Ordnung im hüt kauften und verkauffen

Viertens, wann ein käuffer für einen stand oder laden kombdt und dem meister des kauffs nicht eins wurde, alsdann soll er ihne lassen für oder fortziehen und keinen zum hauss oder zu einem andern stand führen, noch ihme einige andeutung geben, sondern es solle ein jeder meister warten biss der kauffmann selbs zu ihme kombt, und denselben keineswegs von einem andern stand hinweg und zu sich herbey ruffen.

Es soll auch kein meister dem andern einigerley gattung hüt zuhencken, sondern ein jeder seine hüt selbs verkauffen. alles bey straaff zwey pfund pfenning.

Vom hütt einkauft

Fünfftens soll es wegen des hütt einkauffens bey demjenigen articul verbleiben, welcher schon den 20. Mayen anno 1649 aufgesetzt, dazumahl von allen meisteren gutgeheissen und unterschrieben, auch darseithero zu dem drittenmahl erneuert und bestättiget, auch erst neulich wiederumb den 27. Juny anno 1694 von gesambten meisteren frischerdingen unterschrieben, zumahlen von unseren herren vorgesetzten, rahtsherren, meisteren und sechs gutgeheissen worden, namlich, dass kein meister einigerley hüt, welche allhier gemacht werden, von der fremde herein kauffen, sondern wann er hüt von nöhten, selbige bey einem hiesigen meister, der bey unserer laden sitzt, kauffen solle, bey unnachlässlicher straff vier gulden geldts.

Vom Auffleg-gelt

Sechstens solle ein jeder meister und gesell alle fronfasten zween schilling auflegen, damit man im fall der noht auch gemeines handwercksgeldt bey der hand habe.

Verbottene handwercks gemeinschafft

Siebendens soll kein meistern welcher bey unserer handwerckslade sitzt, mit keinem, welcher nicht darbey sitzet, handwercks halben mit kauffen oder verkaufen oder sonsten was dem handwerck anhängig ist, weder wenig noch viel zu schaffen haben, alles bey straff drey pfund geldts.

Bestättigung dieser handwercks ordnung

Achtens, so sich jemand aus unserer meisterschafft oder gesellen solcher wohlbedächtlich und billichmässig aufgesetzten handwercksordnung widersezen und derselben nicht gehorsamblich nachgeleben wurde, alsdann sollen und mögen die gesambte übrige meistere denselben widersezlichen meister oder gesellen des handwercks unfähig machen und ihme das gesind sperren, so lang, oft und viel, biss er sich dieser unserer einmühtig abgefassten ordnung gebürend unterwirfft.»

Als diese Neuordnung der Dinge in Kraft trat, war die Glanzzeit des Baselhutes längst vorbei. Der von Ludwig XIV. eingeführten Staatsperücke, die nicht bloss Haartracht, sondern auch Kopfbedeckung war, hatte der verwegen grosse Hut weichen müssen. Er verkleinerte und versteifte sich, wurde an den Rändern regelmässig aufgebogen und mit einer leichten Plumage besetzt, bis er dann im 18. Jahrhundert als Dreispitz seinen Platz nicht mehr auf dem Kopf, sondern unter dem Arm als chapeau bas erhielt. Wohl aber blieb der gewöhnliche Wollhut, wie er vom gemeinen Mann zu Stadt und Land getragen wurde, für die Basler Hutmacher ein gut absetzbarer Marktartikel. Erst um die Mitte des 18. Jahrhunderts lernte man Hasen- und Kaninchenhaar derartig zubereiten, dass es gleich der Wolle vollkommen filzfähig wurde.

Kein geringerer als Goethe hat dann in der Sturm- und Drangzeit die eigentlich aus England stammende Werthertracht mit dem dazu gehörenden typischen runden Hut salonfähig gemacht, als die weiblichen emanzipierten Schöngeister den Herrenhut annahmen. Dass er auch in Basel à la mode war, zeigt beispielsweise das Bildnis Johann Jakob Vischer-Stähelin, des eleganten Hausherrn im Hohenfirstenhof.

Die Einführung des Zylinderhutes, der seinem ersten Träger, dem Londoner Hutmacher John Hetherington 1797 Verhaftung wegen Erregung öffentlicher Ärgernis zuzog, fällt in Basel in die Mediationszeit. Schon im Jahre 1805 klagten die Kürschner vor Rat über Vorwegkauf der Hasenpelze, deren Nachfrage sich wegen der neumodischen Zylinderhüte ausserordentlich steigerte. Immerhin erregte es in unserer Stadt noch allgemeines Staunen und Raunen, als Antistes Hieronymus Falkeisen als erster Geistlicher mit dieser Kopfbedeckung seine Begräbnisgänge machte.

Viel weniger als die Hutmode, die nur in ihrer Unbeständigkeit beständig war, hatte sich im Wandel der Zeit das Basler Hutmacherhandwerk als berufliche Institution geändert. Bis zum Untergang der alten Zunftherrlichkeit verharrte es in egoistischem Starrsinn auf der mittelalterlichen Forderung, dass ihm der Staat Arbeit und Erwerb zu garantieren habe. Bei keinem safranzünftigen Handwerk hielt es so schwer als gerade bei den Hutmachern, sie – unter einen Hut zu bringen!