Zünftige Berufe

BUCHDRUCKER

Nach Gutenbergs unsterblicher Erfindung der beweglichen Lettern und mit der Ausbreitung des Geheimnisses der schwarzen Kunst infolge der Eroberung von Mainz (1462), erstanden bereits in den 1460er Jahren durch einwandernde Buchdrucker Basels erste Druckereien. Nicht die kurz zuvor eröffnete Universität zog das neue Gewerbe nach Basel; vielmehr waren es wirtschaftliche Zustände, die den Buchdruckern ermöglichten, hier zu gedeihen: die verkehrsreiche Stadt an der Grenze mehrerer Länder, ihre reichen Kaufleute und die seit dem Konzil aufblühende Papiererei. Zudem befanden sich in Basel zahlreiche Karten- und Briefmaler, Kalendermacher und Formenschneider, deren Fertigkeit sich die Buchdruckerkunst zur Ausschmückung ihrer Werke bediente.

Das Buchdrucken galt nicht als ein Handwerk gleich andern, sondern als freie Kunst. Diesem Standpunkt gab der Rat, unter Bestätigung der von Anfang an geübten Praxis, durch eine Erkanntnis vom 27. November 1508 Ausdruck: «Uff Montag nach Sannt Katherinentag anno etc. VIII haben min herren die rete erkannt, daz alle die, so den gewerb des buchdruckens in unnser statt triben, daz die selben zu welichen zunfften sy wellen und jnen geliept, wol tun, die kouffen und haben, aller anderer zunfften halb unverhindert, angesechen, daz soliches gewerb fry, der statt nutzlich, und ouch solich meynung vormals ouch erkant ist, und sol ouch solich ordnung uns erkantnuss hinfür festenclich gehalten werden.»

Den Buchdruckern stand also offen, nach Belieben eine Zunft wählen, um zu ihren bürgerlichen Rechten zu kommen. Weitaus die Mehrzahl wandte sich der Safranzunft zu mit ihren geldmächtigen Krämern, die dem neuen Gewerbe reges Interesse entgegenbrachten, nicht als Mäzene, sondern als weitblickende Geschäftsleute, die ihr Kapital in Druckerei und Verlag gewinnbringend anlegten.

Nicht behutsam eingeengt durch berufliche Zunftschranken, sondern ausserhalb der zünftischen Wirtschaftsordnung stehend, waren die Drucker aller Vorschriften über Art und Weise des Betriebes, ob Klein- oder Grossbetrieb, ledig. Ihrem eigenen Ermessen stand es zu, Gesellenzahl, Arbeitszeit und Lohn zu normieren. Dieser Umstand, das Fehlen einer rechtsgiltigen Handwerksordnung, trug wesentlich dazu bei, dass schon 1471 die Druckerknechte einen regelrechten Streik auslösten. Sie verbanden sich untereinander gegen ihre Meister, von denen sie sich beeinträchtigt hielten und verliessen Arbeit und Werkstätte, bis das Stadtgericht durch einen Vergleich den Span beilegte. Nicht die Zunft, sondern der Rat wachte als oberste Behörde über dem typographischen Gewerbe und liess ihm Begünstigungen zukommen wie kaum einer andern Berufsgruppe.

Im Jahre 1505 wurde den Druckern Joh. Amerbach, Hans Petri und Joh. Froben, die für den Nürnberger Verleger Anton Koberger das grosse Bibelwerk druckten, auf ihre Bitte gestattet, das Werk «allen zöllen und beschwernus einer statt halb» dem Koberger frei folgen zu lassen, in der Weise, dass der Verleger oder seine Erben für Pfund- oder andere Zölle nicht mehr als zwölf rhein. Gulden zu geben schuldig sei. Sollten aber die Verabredungen mit Koberger zunichte gehen und die drei Meister das Werk «auf ihre wagnis », d.h. auf eigene Rechnung und Gefahr vertreiben, so sollte ihnen für die Ausfuhr Zollfreiheit eingeräumt werden. Ferner durften die drei Drucker das zu diesem Werk importierte Papier mit Umgehung des Kaufhauszwanges direkt in ihre Offizinen führen. Gleichzeitig wurden sie, gegen Ersatzstellung, persönlich von der zünftigen Pflicht des Hütens, Wachens und Reisens befreit. Da endlich die drei Meister «einen mercklichen gebruch und vil hussgesindt haben» und deshalb viel Holz brauchten, sollte ihnen von jedem Schiff Holzes, das an den Rhein kam, ein Klafter verabfolgt und durch den städtischen Karrer zugestellt werden.

Im Jahre 1506 billigte der Rat überhaupt allen hiesigen Druckern Zollermässigung zu. Von jedem Werk im Wert von tausend Gulden, das sie für sich selbst oder einen Fremden druckten, betrug die Zollgebühr vier Gulden. Auflagen unter tausend Gulden Wert waren nach «Margzal» (Proportion) zu verzollen. Eine Ratserkanntnis vom Jahre 1521 gewährte dann völlige Zollfreiheit für alle hier gedruckten Bücher, die am Platz verkauft oder in Kommission fortgeschickt wurden, und ermässigte den Pfundzoll vom Lohnwerk für auswärtige Verleger auf 5 s. bei einer Sendung von 50 Gulden Wert und 10 s. bei einer Wertsendung von 100 Gulden.

Diesen vielfachen Vergünstigungen trat 1524 erstmals als einschränkende Neuerung die Einführung einer Zensur gegenüber. Am 12 Dezember 1524 erkannten beide Räte, dass hinfür alle Drucker in Basel nichts drucken lassen oder selbst drucken sollten, weder Latein, Hebräisch, Griechisch noch Deutsch, es wäre denn zuvor durch die vom Rat dazu verordneten Herren besichtigt und zugelassen. Was ihnen zu drucken vergünstigt, dazu sollten sie ihren Namen drucken. Wer das übersähe, sollte nach seinem Verdienen auf Erkanntnis des Rats schwerlich darum gestraft werden. Die Zensurbehörde bildeten beide alten Häupter (Bürgermeister und Oberstzunftmeister) und der Stadtschreiber, denen die Drucker ihre Werke vor dem Druck in Abschrift vorzulegen hatten.

Einer besondern Kontrolle, allerdings als spezielle Sanitätsmassregel, wurden seit 1518 auch die sogenannten Lassbriefe unterworfen d.h. die Aderlasstafeln, auf denen die alljährlich geltenden Zeiten angegeben waren, da gut «lassen» war. Sie mussten fortan vor dem Druck, bei Strafe von fünf Pfund im Unterlassungsfall, dem Stadtarzt und der medizinischen Fakultät zur Durchsicht und Korrektur vorgelegt werden, die für diese Mühewaltung fünfhundert Freiexemplare erhielten.

Eine weitere Zensurverfügung traf der Rat im Jahre 1550. Da ohne Vorwissen der Obrigkeit allerlei «Büchlein» in italienischer Sprache und andern fremden Zungen hier heimlich gedruckt und ins Ausland geführt worden waren, woraus der Stadt Basel Nachrede und Schaden entstehen mochte, verbot der Rat durch Dekret vom 24. April 1550 jeglichen Buchdruck in französischer, italienischer, englischer und spanischer Sprache. Auch die Bibel und andere religiöse Schriften sollten die Drucker nicht anders drucken, «denn allein lateinisch, griechisch, hebräischer und tütscher sprochen».

Seit 1558 teilten sich der jeweilige Rektor und die vier Dekane der Universität in die Zensur der wissenschaftlichen Schriften.

Anfänglich überliess es der Rat den Druckern, sich durch selbst getroffene Abmachungen gegen den Nachdruckschaden zu sichern. Da es aber deswegen zu Streitigkeiten kam, nahm die Obrigkeit 1531 erstmals offiziell gegen den Büchernachdruck Stellung durch den Beschluss, dass vor Ablauf dreier Jahr nach der Herausgabe kein Werk, bei Strafe von hundert Gulden, nachgedruckt werden durfte.

Es ist begreiflich, dass ein von Anbeginn derart emporgehobenes Gewerbe in Basel gedeihen musste. Wenige Jahrzehnte nach seiner Niederlassung erwuchs es denn auch zu ungeahnter Blüte. Auf allen Strassen ritten bald seine Druckerherren und ihre Reisenden zu den Messen nach Frankfurt, Leipzig und ins Welschland; ja bis nach England gingen grosse Büchersendungen. Wagemutige Basler Drucker gründeten irgendwo draussen neue Werkstätten im spanischen Burgos, im mittäglichen Toulouse, in der Dogenstadt, im ewigen Rom. In Paris und Lyon entstanden Buchläden, die den Baselstab als Aushängeschild tragen und die Erzeugnisse der heimischen Pressen feilboten. Zu dem wirtschaftlichen Aufschwung, den der Buchdruck und die Verlegerei Basel brachten, gesellte sich die tiefgehende Bedeutung der neuen Kunst für die Wissenschaft. Jetzt erst recht wurden Bücher die treibende Kraft des geistigen Lebens und das wirksamste Geräte im Dienste neuer Bildung. Man begann das allgemein Menschliche in Geschichte und Gegenwart zu ergründen. Die Träger dieser modernen weltlichen Bildung, die Humanisten, hielten die Erforschung des Menschen und der Dinge und die allseitige Ausbildung des menschlichen Geistes und der Persönlichkeit für das wertvollste Ziel. Sie studierten die alten klassischen Sprachen und Schriftwerke und suchten in der Gedankenwelt der Antike heimisch zu werden. Und die Buchdruckerstadt ward zu einem Brennpunkt der freien Geistesbewegung des Humanismus. Ihm dienten in schöner Zusammenarbeit grosse Gelehrte und emsige Drucker. Aus dem Umstand, dass die Druckerherren sich der mittelalterlichen Gelehrtensprache bedienten, in der ja die meisten Bücher gedruckt wurden, erklärt sich die grosse Zahl lateinischer Wörter, die in der Druckersprache heute noch gebräuchlich sind. Man denke nur Ausdrücke wie Manuskript (Handschrift, Druckvorlage), Lettern (Buchstaben), Note (Anmerkung), Kolumne (Druckseite), Faksimile («mach ähnlich», Handschriftendruck), Offizin (Buchdruckerwerkstätte) usw.

Unter Basels Druckerherren tat sich als glänzendes Vorbild der 1481 safranzünftig gewordene Johann Amerbach hervor. Ungebrochen und rastlos tätig bis in sein dreiundachtzigstes Jahr († 1513), lebte er seiner Arbeit geradezu als einer «heiligen» Kunst. Mehr denn siebzig, z.T. vielbändige Werke, kamen durch ihn in Druck.

Noch ruhmvoller als Amerbach, brachte sein Landsmann, der 1492 der Safranzunft beitretende Johann Froben († 1527) die Buchdruckerkunst zur Geltung. Aus seiner Offizin im Hause zum Sessel am Totengässlein gingen, aufs zierlichste gedruckt, die gelehrten Schriften des Grössten damaliger Zeit, des Erasmus von Rotterdam, hervor und trugen mit ihrem geistigen Gut Basels Namen in die Ferne. Wie man Erasmus als Leuchte der gebildeten Welt und König der Wissenschaften pries, so feierten Humanisten und Bücherfreunde in seinem Drucker Johann Froben den Fürsten der Typographen.

Dergestalt erhob sich Basel in den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts zur klassischen Stätte des deutschen Buchdrucks. Was diesen noch besonders adelte, war der Umstand, dass sich Basels grösste Künstler, ein Hans Holbein, ein Urs Graf, in den Dienst des Buchgewerbes stellten und für die Druckerherren Titelblätter, Leisten, Initialen und Signete schufen.

So hoch angesehen war der Buchdruckerberuf, dass es sich hoffärtige Baslerinnen zum Ehrgeiz machten, eines Druckerherrn Frau zu heissen. In seiner naiven Weise berichtet Thomas Plater über einen solchen Fall:

«Do was Ruprecht Winter, der hat ein frowen, die wolt auch gären ein truckerherren frow gsin, gsach wie die truckerherren wiber so ein pracht trieben, an welchem iren gar nütz brast, dan si hat guets gnug, muths nur zviel. Die berett iren mann, den Ruprechten, er sol sim schwager Oporinus ein truckerherr werden.» Freilich gab es auch Frauen gegenteiliger Meinung, wie derselbe Thomas Plater indiskret von der Frau des Druckers Andreas Cratander erzählt, der 1539 sein Offizin verkaufte und Buchhändler wurde, «die will sin frow nit mehr mit der sudlerei wollt umbgan».

Um diese Zeit ging der Schulmeister Thomas Plater selbst unter die Drucker. Er verband sich mit dem nicht minder gelehrten Schulmeister Johann Oporin, mit dem vorgenannten Ruprecht Winter und dem im Frobenschen Betrieb tätig gewesenen Setzer Balthasar Ruch zu einer Geschäftsgemeinschaft. Sie erwarben 1539 mit aufgenommenem Geld Cratanders «werchzüg» um achthundert Gulden. Aber ihrem Betrieb mangelte die richtige kaufmännische Leitung und die Gewinne, die man auf der Frankfurtermesse machte, zerronnen grossenteils in Geschenken für die anspruchsvollen Hausfrauen der Gemeinder. «So wollten denn die wiber, man sollt viel kramen; die wollt hüpsche kissen, die zinnin gschir, ich kouff isin häven, brachten etlich mal ein ganz fass voll krampt ding, aber gelt wenig», schreibt Plater drastisch in seiner Selbstbiographie. Schulden und Streit waren die Folge und die Gesellschaft löste sich auf. Oporin setzte das Druckereigeschäft fort und baute es zu einem grossen, fruchtbaren Unternehmen aus, das zeitweise über fünfzig Arbeitskräfte zählte. Gleichwohl hinterliess Oporin zerrüttete Vermögensverhältnisse. Aus seiner rastlosen Tätigkeit ist als singuläres Moment der Streit über die Herausgabe des Koran in lateinischer Sprache zu erwähnen. Die Zensurbehörde verweigerte das Imprimatur und Oporin musste sich des ketzerischen Werkes wegen vor Rat verantworten, da sich die Obrigkeit durch Begünstigung eines «so unerhörten, gottlosen Unternehmens» vor aller Welt blosszustellen glaubte. Es bedurfte der Verwendung aufgeklärter Zürcher, Strassburger und selbst Luthers, bis die Regierung sich bewegen liess, die Herausgabe des Buches zu gestatten, das endlich 1543 bei Oporin erschien, und zwar unter der ausdrücklichen Bedingung, dass das Werk keinesfalls in Basel verkauft und dass weder des Druckorts noch des Druckers darin gedacht werde.

Eine freiere Auffassung und mehr Einsicht trug die Obrigkeit dreieinhalb Jahrzehnte später zur Schau, als der Drucker Ambrosius Froben eine Talmudausgabe wagte, ein geschäftliches dessen Begleitumstände die Machenschaften der Kurie geradezu als Tragikomödie erscheinen lassen ...

Die um die ersten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts errungene Höhe des Buchgewerbes, dessen Können vornehmlich der Wissenschaft gehört hatte und auf das innigste mit Gelehrtenarbeit und geistiger Herrschaft verknüpft gewesen, war gegen die Mitte des Jahrhunderts einem ruhigen Uebernehmen und Verwerten dessen gewichen, was die Reihe der grossen Vorgänger geschaffen hatte. Zwar bewegte sich von 1550-1600 das Gewerbe zahlenmässig auf der gleichen Linie wie im halben Jahrhundert zuvor, aber das bei der Nennung des Druckortes einst so ruhmvolle Prädikat «inclyta Basilea» war bereits erloschen. Gleichwohl bedeutete im genannten Zeitraum die Tätigkeit der Basler Druckerschaft immer noch eine wertvolle Beisteuer zum geistigen und wirtschaftlichen Leben Basels.

Zeitgemäss war, dass nun der Nachdruck immer mehr zu reden gab. In Basel selbst war er im allgemeinen nicht zu Hause. Wenn auch einzelne Versuche vorkamen, so schritt die Obrigkeit jeweilen streng ein, wie beispielsweise 1576, als sich der Konstanzer Hans Ehrenberg beklagte, dass Samuel Apiarius «Ein raiss zum heil. grab zu Hierusalem» hinterrucks, ohne des Klägers Auftrag gedruckt habe, was ihn ehrlichen und verständigen Leuten Spott, Schaden und Nachrede verursacht habe.

Je weniger demnach andere über die Stadt Basel sich zu besschweren hatten, desto mehr diese über andere Städte, vor allem über Genf und seine Drucker, die seit den 1580er Jahren Werke der Basler Eusebius Bischoff, Hieronymus Gemuseus, Konrad Waldkirch nachdruckten. Vergeblich waren persönliche Vorstellungen und offizielle Schreiben, «dass sie solcher unbilligkeit stillstehen und in das künftig ihre sicheln in frömbde frucht nicht brauchen sollten». Besonders heftig entbrannte der Streit über den Nachdruck, als 1606 Sebastian Henricpetri, der letzte namhafte Spross aus der berühmten Druckerfamilie der Petri, klagend vor den Basler Rat trat, um eine Fürschrift an die Stadt Genf zu erwirken, damit sie ihre Bürger vom Nachdrucken abhalte. Das Schreiben der Basler Obrigkeit war deutlich und ernst: «… Nun hatten wir uns zu euch versehen, ihr würden unser mehrfeltig gethanes ersuochen zu erhaltung und fortpflantzung nachbarlicher freundtschafft, solch unbefugt nachtrucken bei den eueren abschaffen. Weil nun aber dieser gefassten hoffnung entgegen es nicht beschehen, ja vielmehr dero stracks zuwider mit nachtruckung anderer exemplarien den unsren ferner unverantwortlich thätlicher Übergriff von den eueren zugestattet, müssen wir gedenkhen, unser freundtschafft ihr im geringen ansehen halten ... ». Der Rat von Genf blieb aber in seiner Buchdruckerpolitik konsequent: er suchte alle Klagen von der Hand zu weisen und liess sich auf energische Massnahmen nicht ein. Dieses Verhalten erscheint umso befremdlicher, als Genf allen Grund gehabt hätte, Basel entgegenzukommen; schuldete Genf doch unserer Stadt ein Darlehen von 19,000 Sonnenkronen in Gold, von welcher Summe trotz aller Mahnungen 1606 nicht nur kein Pfennig zurückbezahlt war, wohl aber fünfundzwanzig Jahreszinse ausstanden!

Schutz gegen Nachdruck boten kaiserliche Privilegien, die schon seit den 1520er Jahren zugenommen hatten und für bedeutende Werke beinahe zur Regel wurden. Aus der Erteilung eines solchen Privilegs an den 1657 safranzünftig gewordenen Theodor Falkeisen erwuchs Basel ein mehrjähriger, weit ausgreifender Streithandel, der 1671 mit der Hinrichtung Falkeisens einen aufsehenerregenden Ausgang nahm.

Mit dem 17. Jahrhundert schwand die Fülle der Basler Bücherproduktion. Die Zeit war dahin, da ein Amerbach ausgerufen hatte: «Gute Götter, welcher Haufe von Büchern, die Tag um Tag hier ausgegeben werden»

Der Glanz und Ruhm der Basler Druckereien ging auf Amsterdam und Leiden über, wo die Elzevier ihre vorbildlichen Meisterwerke der Typographie schufen. Mit der Universität teilte das Basler Buchgewerbe «das kühle Zwielicht einer bescheidenen Zurückgezogenheit». Der Ausdruck «freie Kunst», den die Drucker einst stolz für sich beansprucht hatten, wurde im 17. Jahrhundert in Zunftkreisen die verächtliche Bezeichnung für handwerkliche Unehrlichkeit. Um diesen Makel von ihrem Gewerbe fern zu halten, konstituierte sich 1661 die Meistersame der Basler Drucker unter dem vielfach missverstandenen Namen «Kunstbuchdruckerey» nach zünftischem Muster. Eine ihrer ersten Massnahmen war die Gründung einer Hilfskasse.

Erst nach der Mitte des 18. Jahrhunderts kam die Basler Druckerkunst durch die genialen Erfindungen und die ausdauernde Emsigkeit der beiden Drucker und Schriftgiesser Wilhelm Haas, Vater und Sohn zu neuen Ehren. Von Basel aus, aus den Haas'schen Werkstätten, ward für die ganze Welt der Mechanismus des Setzens und Druck in den wesentlichsten Teilen umgestaltet und der Ruf und der Gebrauch Haasischer Schriften verbreitete sich über Europa hin.