Zünftige Berufe

APOTHEKER

Urkundlich nachweisbar bilden die Laienapotheker  erst seit dem 14. Jahrhundert eine der Krämerzunft zum Safran zugewiesene Berufsgruppe. Es lag im öffentlichen Interesse und im Bewusstsein einer weiten Verantwortlichkeit, wenn die Obrigkeit der städtischen Medikamentenversorgung zeitig ihre Aufmerksamkeit schenkte. Dies geschah durch eine Ordnung, die wahrscheinlich zu Beginn des 14. Jahrhunderts, spätestens 1322, durch Bürgermeister, Rat und Zunftmeister erlassen wurde.

Dieser älteste Beleg für Basels mittelalterliches Medizinalwesen fordert in erster Linie eine deutliche Trennung des Apothekerberufes vom Arztberuf. Ein Verquickung beider Berufe, die anderwärts vielfach geduldet wurde, liess der Rat nicht zu. Kein Arzt kann zugleich Apotheker sein und kein Arzt darf an einer Apotheke und am Arzneienhandel eines Apothekers Teil und Gemeinschaft haben. Den bisherigen Arztapothekern wird eine Frist gesetzt, innerhalb der sie sich ihrer Apothekergaden und Arzneivorräten zu entledigen haben. Aerzte, die sich nach Ablauf der Frist noch als Apotheker betätigen, sollen ohne Gnade jedes Mal mit der hohen Strafe von einer Mark Silber gebüsst werden.

Man geht kaum fehl, die Ursache dieser von den Apothekern, wohl selbst gewünschten Berufstrennung in dem urzünftigen Axiom der Konzentration und Ausschliesslichkeit zu suchen. Wie ein Scherer nicht schröpfen, ein Bader nicht scheren durfte, so vertrug sich auch die Vereinigung von Arzt und Apotheker in einer Person nicht. Auch das Verbot geschäftlicher Gemeinschaft zwischen Arzt und Apotheker entspricht ganz der strengen mittelalterlichen Auffassung der Stadtwirtschaft. Das zu Eigennutz verlockende private Geschäftsinteresse hat sich «um des gemeinen Nutzens willen» dem allgemein-öffentlichen Interesse unterzuordnen.

Derselben Absicht dient auch die weitere Forderung des Rates, die das Bestehen einer Apotheke an eine obrigkeitliche Bewilligung knüpft und den Apotheker oder die Apothekerin unter eidliche Pflicht stellt. Nur diejenige Person wird zur Ausübung des Apothekerberufes zugelassen, die vor Rat schwört, an Können, Wissen und Erfahrung dem Beruf zu genügen.

Wer Apotheker ist, soll alle Arzneien, die der Arzt verlangt, «in den eren und in dem nücze» d. h. währschaft, in guter Qualität vorlegen können, damit die «confection», die der Arzt daraus macht, gut und nützlich sei. Wir ersehen hieraus, dass damals nicht der Apotheker, sondern der Arzt die Zusammensetzung der komplizierten Medikamente, selbst besorgte und der Apotheker in erster Linie Händler und Verkäufer von Arzneimitteln und Drogen zu Handen des Arztes war.

Darauf deutet auch die Stelle «swes er nicht het, das sol er veriehen» d.h. dem Arzt hat der Apotheker zu bekennen, wenn ihm in seinem Gaden gewisse Artikel fehlen.

Die letzte Bestimmung der Verordnung regelt den Giftverkauf. Ihr Eid auferlegte den Apothekern, auf dass niemand zu Schaden komme, Gift nur an solche Leute abzugeben, die zwei gute Bürgen stellten.

Im Jahre 1404 befasste sich der Rat neuerdings mit dem Apothekerwesen durch Herausgabe einer neuen Ordnung. Sie wiederholte die alte Forderung der Berufstrennung, «weler ein appoteker ist, das der kein artzet sein sol», und betonte wiederum die Wichtigkeit der Abgabe guter und frischer Arzneien, die auch nicht anders als nach dem ärztlichen Rezept angefertigt werden sollten, weil es bei diesen Dingen «des Menschen Leben und des Arztes Ehre» gelte. Zur Verhütung von Zauberei und tödlicher Vergiftung sollen ganz besonders Gift und treibende Mittel nur an bewährte Meister abgegeben werden, die wissen, was sie damit tun.

Was der knappen Ratsverordnung von 1404 besondere Bedeutung verleiht, ist die Beigabe eines Tarifs für die damals gebräuchlichen Medikamente. Die Aufstellung lautet folgendermassen:

«die appoteker sollen geben ein pfundt Syruppen umb ... X s.

Item ein gemeine Cristene  umb ... VII S.

Item der trabenden artzneye  ein lot umb ... XVIII stebler.

Item der gemeinen Latwergen  ein lot umb ... I s.

Item die Salbe und die Oelie, ein lot umb ... VI s. stebler.

Item die Oppyat, als Trickers und semblich ding, ist ein lot umb ... VIII s. stebler.

Item die Gumy, als Galbanum, Armoniach und semlich ding ein lot umb ... I s. stebler.

Item die Bönlin, wie die genant sindt, ein lot in das ander umb ... II s. stebler

Item und darnach jegkliches dinge als bescheidenlich seie.»

In diesem Arzneimittelverzeichnis mit Preisangaben haben wir nach dem Stande der heutigen Forschung die älteste deutsche Apothekertaxe diesseits der Alpen zu erblicken.

Zwei Zahrzehnte nach dem Erlass der Taxordnung, die sowohl dem Schutze des Publikums als dem der Apotheker diente, wurde zwischen 1423/26 dem Rat ein grossangelegtes Gutachten unterbreitet, das auf eine gründliche Reform des Apothekerwesens drang. Der Verfasser dieser bedeutsamen Denkschrift  war der damalige Stadtarzt Meister Diether von Wesel, der aus eigener Anschauung in welschen Landen die fremden Hauptstädte mit ihren grossen Apotheken kannte. Als geschworener Hüter des städtischen Gesundheitswesens fühlte er sich verpflichtet, die Aufmerksamkeit seiner Behörde, mehr als bisher geschehen war, auf Basels scheinbar ungenügendes Apothekerwesen zu lenken. Es dünkte ihn unbillig, dass man zu Dingen, die Leib und Leben berührten, weniger sah, als zu nur zeitliches Gut betreffenden Sachen, «wann ich weiss, das ir kein zunfft so klein nienen handt in üwer statt, si sye besetzt, wie man si han söll, das menigklichenn davon ein glichs geschäche». Wohl nicht absichtslos hat der Autor seiner Denkschrift den Spruch vorangestellt: «O mors, quam amara est memoria tua.» Ohne bewährte Apotheker und deren gute Arbeit könne auch der kunstreiche Arzt und dessen noch so trefflicher Rat dem Kranken allein nicht helfen.

Das stadtärztliche Gutachten zerfällt in zwei Teile: in einen lateinischen, zwölf Paragraphen umfassenden Text  und in ein sich anschliessendes, deutschabgefasstes, erläuterndes und begründendes Begleitschreiben an den Rat.

Nachdrücklich verlangt Meister Diether die allem Anschein in Abgang gekommene Vereidigung der Apotheker, deren man in Basel notdürftiger sei als im Welschland. Mit der praktischen Ausbildung in grossen Apotheken und bei guten Meistern müsse der Besitz und die Kenntnis «gerechter» d.h. korrekter, vollständiger und schreibfehlerloser Apothekerbücher als des wissenschaftlichen Rüstzeuges Hand in Hand gehen. Zur Bücherei des Apothekers sollte gehören ein Wörterbuch (Synonima), «daz wiset unnd leret ze verstan alle verborgenn und frömbde wortt, als die dann uss ebrayschem unnd kriechischem unnd arabischem gezogenn sindt, wann unser kunst ist uss disen zungen zem meisten gezogenn unnd genomen». Der Apothekerberuf bedürfe dieser «verborgenen Worte», damit nicht ein jeglicher schlechte Laie und jedes alte Weib sich herausnehme, Arzneien zu bereiten! Dann gehöre zu den Handbüchern der «Servitor Serapionis », der «leret einenn appotecker wie er vil ding bereitenn sol, des er dann täglichen notturftig ist». Das dritte Buch «Circa instans»  genannt «wiset einen jeden appotecker zu welchen zitenn er ein jegklich krut oder wurtz oder wie es genant ist, solle lesenn unnd samnen unnd wie lang ein jedes nach sinem zit werenn mag unnd wann er ein jegklichs vernüwen sol, wann ettlichs mag lang werenn unnd ettlichs nitt lang». Endlich soll ein Apotheker für die Rezeptur und Defektur mindestens das «Antidotarium»  des Nicolaus von Salerno und dasjenige des Johann Mesüe besitzen. Nennt ein Apotheker aber mehr Nachschlagewerke eigen, umso besser, «wann des guten kan nitt zuvil sein».

Wie schon die früheren Ratserlasse, so fordert auch das stadtärztliche Gutachten, dass die Apotheker stets mit frischer, erstklassiger Ware versehen seien; denn so wenig ein Koch aus schlechtem Material eine gute Speise bereiten könne, so wenig ein Apotheker eine heilsame Arznei aus minderwertigen Zutaten! Auch an Vorschriften über das Einsammeln, Trocknen und Aufbewahren der Pflanzendrogen lässt es Meister Diether nicht fehlen. Gewisse Medikamente «als ougen artznie», sollen in Kupfergeschirr, Fette aber in irdenen Gefässen aufbewahrt werden.

Die Rezepte sollen gewissenhaft und unverändert nach ärztlicher Angabe ausgeführt werden. In Zweifelsfällen, bei offenkundiger Verschreibung und Irrtümern, muss sich der Apotheker vorerst mit dem Ordinierenden ins Einvernehmen setzen und soll erst nach erfolgter Rücksprache die Arznei bereiten. Ohne Rezept darf der Apotheker keine Mittel herausgeben, es sei denn, dass der Arznei Heischende ihm die Arznei «mit dem mund» nennen könne.

Ironisch kritisiert  Diether, wie sich Apotheker des Arznens nicht enthalten können: «Es kompt ein arm einfaltig mönsch zu einem appound spricht: lieber meistern mir ist im houpt we, oder umb daz oder im mlagenn, gebent mir ettwas, das darzu gut ist" so spricht potecker wol der wortten, daz er gelt löse unnd daz sin vertribe iinnd git dem mönschenn artznye unnd weist nitt, ob der gebrest von hitz oder von kellte oder von füchte oder von trockne ist, ob der siechtag von bösem blut oder von colera oder von flegma oder von meiencoly ist, unnd gibt dem mönschenn in tag hin an artzny uff ein gerat wol, unnd git als schir, daz imm schad ist als gut.»

Unter ausdrückliches Verbot gestellt wissen will Diether die Abgabe von Abortiva, von Stoffen, die künstliche Sterilität hervorrufen, und von Betäubungsmitteln wie «twalenn drank, davon man schlaffen wirt zwen tag oder dry». Sittengeschichtlich interessant ist die Anspielung des Stadtarztes, dass man von den erstgenannten Mitteln viel hole, «die man in klöster und anderswa unredelichen bruchet».

Gifte sollen entsprechend den früheren Verboten nur an geschworene mit gutem Leumund nach Zweckangabe verabreicht werden, au Fremde, sofern sie Bürgen stellen.

Die letzte Forderung betrifft die behende Dienstbereitschaft in Notfällen, «es si nacht oder tag».

Schliesslich lässt das Gutachten noch einen Hinweis betreffend die Apothekergebühren folgen. Als Norm sollte gelten, was «uf Rinstrom gewonlich ist», d.h. die Taxen, wie sie in den rheinischen Städten gebräuchlich waren.

In wie weit der Rat von Basel die sachlich und menschlich von hoher Warte ausgegangenen Vorschläge des erfahrenen Praktikers verwirklichte, ob teils, ob ganz, lässt sich nicht ermitteln. Zum mindesten aber musste die klare und verständige Denkschrift die Stadthäupter von der Notwendigkeit und Wichtigkeit «guter und getreuer» Apotheker überzeugen, auf deren Tätigkeit es nach Meister Diethers eigenem Urteil noch «vaste mer» ankam als auf die ärztliche Kunst.

Mit der Eröffnung der Universität im Jahre 1460 wurde der medizinischen Fakultät die Neuordnung der städtischen sanitarischen Organisation übertragen. Dem medizinischen Kollegium stand fortan Prüfung und Zulassung der Apotheker zu, sowie die Visitation der Apotheken. Im Interesse der Allgemeinheit hatten die städtischen Amtleute gegen Unberufene und Pfuscher, die sog. «Wildwurzler» einzuschreiten. Die Apothekerordnung wurde neuerdings in Berat gezogen. Im Jahre 1463 erwog der Rat die Gewinnung eines «bewährten Apothekers ». Basel hatte damals nachweisbar nur zwei Apotheker, Jakob von Sennheim in der alten Apotheke an der Ecke Totengässlein-Stadthausgasse und Heinrich Dominicus Caramellis im zum Roten Leuen an der Freien Strasse.

Einige Jahre später zog Basels Obrigkeit Erkundigungen über die Apothekenverhältnisse in Venedig, Frankfurt, dann auch in Konstanz ein, um Vergleichsmaterial für den Erlass einer neuen Ordnung zu bekommen. Im Jahre 1484 beauftragte der Rat eine Sonderkommission mit der Aufgabe, die Aerzte einzuberufen und sie der Apotheker wegen zu verhören; desgleichen sollten auch die Apotheker der Aerzte wegen einvernommen werden, um nachher darüber zu ratschlagen, wie die Aerzte und Apotheker «gereformiert» und die Stadt nach Notdurft versehen werden möchten. Eine Frucht dieser Bemühungen ist die undatierte, zweifellos von einem Fakultätsmitglied verfasste Schrift «Ordnung apotecker beruren». Im grossen und ganzen fusst auch diese Ordnung auf den Diether'schen Grundsätzen.

Die erhöhten Anforderungen im Bildungsgange des Apothekers spiegeln sich in der verlangten Beherrschung des Lateinischen und in der Vermehrung der Handbücher, speziell durch die Schrift des Saladin von Ascolo. Berufstreue und Gewissenhaftigkeit des Apothekers soll auch darin zum Ausdruck kommen, dass er weder aus Geiz noch aus Hass «den doctor abziehen noch hynder reden» soll, sondern in allen Dingen dem Armen wie dem Reichen, Feind wie Freund, mit gleichem Fleiss und gleicher Gunst warte. Junge, unerfahrene Aerzte, die «unliebliche» oder «sust ungeschickte» Mittel verschreiben, hat der Apotheker mit treulicher Warnung zu beraten.

Neu in der Ordnung ist die Forderung, Arzneien, Sirup und Latwergen, zu deren Bereitung bis anhin Honig verwendet wurde, fortan mit Zucker  zu bereiten.

Zum erstenmal werden in dieser Ordnung auch Hinweise über die Beschaffenheit der sog. Standgefässe laut, was in Gold, Silber, Blei, Eisen, Zinn, Glas, Holz oder Leder aufzubewahren sei.

Eine amtliche Visitation der Apotheken soll jährlich wenigstens einmal, auf Martini stattfinden.

Auf Grund der im 15. Jahrhundert erlassenen Bestimmungen vollzog sich auch im 16. Jahrhundert Basels Arzneimittelversorgung. Dies erhellt deutlich aus der am 18. Oktober 1536 erlassenen Ratserkanntnis, laut welcher die Apotheker bei ihren alten Ordnungen, «wie die gesetzt und innen vor jaren übergeben», bleiben sollten.

Mitte der 1540er Jahre fand der Rat Veranlassung, sich wiederum mit dem Apothekergewerbe zu befassen, nicht wegen der beruflichen Ausbildung, sondern wegen der Taxen, gegen deren Höhe das Publikum bittere Klagen führte. Der Rat, gewillt zum Rechten zu sehen, beauftragte 1545 den aus dem Apothekerberuf hervorgegangenen Medizinprofessor und Stadtarzt Oswald Bär  mit einem Gutachten.

Basel besass damals vier Offizinen. Ihre Inhaber waren Niklaus Werenfels, d.a., Thomas Silberberg (von Tunsel), Ludwig Gengenbach und Chrysostomus Gengenbach, d.j. Sobald diese von der Absicht des Rates Kenntnis bekamen, beeilten sie sich, in einer längeren Supplikation  ihren bisherigen Tarif zu rechtfertigen. Die Bittschrift gewährt einen interessanten Einblick in die konkreten Verhältnisse im Apothekergewerbe jener Zeit. Die Bittsteller wiesen auf den mit grossen Kosten, schwerer Mühe und Arbeit verbundenen Werdegang des Apothekers hin, dessen Beruf nicht unter die Handwerke gezählt oder mit andern landläufigen Gewerbshantierungen verglichen werden könne. Sei dann einer endlich Apotheker, so kämen die Schwierigkeiten des Einkaufs der Materialien, vorab der überseeischen, welche die Türken, «ehe sie uns Christen recht werden», zum grossen Teil fälschten. Neben dem mussten die Apotheker mit ihrem Leib männiglich, Reichen und Armen, dienen, besonders in Zeiten grausamer Sterbensläufe, da etliche, ja der Mehrteil der Aerzte nicht hinkomme, sondern fliehe. Sie müssten auch ihre Apotheken sauber und mit frischer und nicht verlegener Ware erhalten und deswegen obrigkeitliche Visitationen und Strafen erdulden, während die Winkelärzte dessen frei und ledig seien, obwohl sie auch Materialien in ihren Häusern hätten. Ungebührlicher Eintrag geschehe ihnen auch von Seite der Pulverkrämer, die schon lange in ihren Läden Pflaster, Salben, Rauchkerzlein, Zuckertäfelein, gewürzten Zucker, gebackenen Ingwer, etliche Latwergen und Rhabarber gebrauchten. Etliche Doctoren seien so Kunden der Pulverkrämer, bereiteten auch in deren Läden Arzneien oder kochten solche in ihren Arzthäusern. Was den Apothekern besonders grossen Abgang mache, sei der Umstand, dass früher der Bischof, Prälaten, Domherren, Mönche, Nonnen und Pfaffen, auch Adelspersonen hier gewesen seien, «davon die Apotheker reich geworden». Jetzt müssten die Apotheker allein auf den armen Mann warten und sich desselben nähren, denn der Adel, der noch in Basel sitze, habe seinen Einkauf, ehe er es den hiesigen Apothekern gönne, in Frankfurt und Strassburg.

Die Eingabe der Apotheker schloss mit der Bitte, wenn denn der Rat eine Taxe aufstelle, so möge er ihnen wenigstens in folgenden Stücken die Hand bieten: 1. Die Winkelärzte abzustellen. 2. Die Pulverkrämer dahin zu weisen, dass sie Pulverkrämer und keine Apotheker seien. 3. Die Doctores dahin zu vermögen, ihre Arzneien bei den Apothekern zu nehmen und dort zubereiten zu lassen.

Oswald Bär war mittlerweile gründlich zu Werk gegangen. Er liess sich von den vier Apothekern auf elf Jahre zurück ihre Kaufrodel von den Messen zu Frankfurt, Lyon und Strassburg vorlegen, um auf Grund der Einstandspreise die geforderten Taxen zu prüfen. Nicht zur besonderen Freude der Apotheker, die missbilligend erklärten, in keinen Städten andern Städten seien bisher die Apotheker «ihrer heimlichkeit des einkaufs wegen ersucht worden».

Neben der jährlichen Visitation der Apotheken wandte fortan die die damit betraute Deputation ihre besondere Aufmerksamkeit den Taxen zu. So geschah es z.B. in sehr gründlicher Weise 1559 bei den vier Apotheken  durch die sieben Deputierten, unter denen sich erstmals auch der Zunftmeister zu Safran, Lux Gebhard, befand. Ihr Bericht gipfelte in dem Lob: «Es ist auch alles dermassen ordenlich und frisch erfunden, dass man ein gut vernüegen gehebt und wol zufriden ist ».

Als Kuriosum mag aus den bei jedem der vier Apotheker aufgenommenen Preislisten erwähnt sein, dass bei Balthasar Hummel nicht nur wie bei den drei andern Apothekern als Heilmittel Gemsen-, Kapaunen-, Dachs-, Fuchs-, Hirsch-, Hunde- und Katzenschmalz, das Lot durchgängig um 8 Pfennig, zu haben war, sondern auch Menschenschmalz, der allerdings sechsmal höher im Preise stand als Tierfett.

Dass die Basler Apotheker noch im 16. Jahrhundert die Krämerei nicht völlig abgestreift hatten, beweist ihr Verkauf von Konfekt, Südfrüchten, Olivenöl, Zucker, alles Artikel, mit denen sich auch die Krämer befassten.

Einen hübschen Beleg hiefür bilden zwei aus der Zeit von 1558 bis 1585 stammende Apothekerrechnungen  aus dem Nachlass des 1585 im Hatstätterhof jenseits Rheins verstorbenen Ritters und Obersten Klaus von Hatstatt, dessen reiches Erbe zur Hälfte an Basel fiel. Neben zahlreichen gelieferten Arzneien und Heilmitteln wie Violen- und Gilgenöl, Pertramwurzeln, Breitwegerich, Tormentilpulver, Rauchzäpflein, Wurmwasser, purgierender Rosensyrup und Laussalbe, stehen in diesen Apothekerrechnungen – den belieferten Gourmand verratend – allerhand eingemachte Zitronen und « candets » (kandierte Früchte) Marzipan, Granatäpfel, Trauben, Feigen, Mandeln, Rosinen, Reis, «schön wyssen zucker», Safran, Ingwer, Pfeffer, Baumöl und Hausenblasen zu Gallerten ...

Während noch 1559 laut dem Visitationsbericht nur vier Apotheken betrieben wurden, stieg ihre Zahl in der Folgezeit, namentlich seit dem 17. Jahrhundert, stark an, erwarben doch von 1600 bis 1650 nicht weniger als 21 Apotheker die Safranzunft. Dieses starke Anwachen zeitigte vielfache Übelstände. Im Zusammenhang mit der Neuordnung des Taxwesens rügt eine aus den 1640er Jahren stammende, amtliche  Vernehmlassung, dass zu viele Apotheken aufgerichtet werden, während das wohlbestellte Regiment anderer Städte nur eine gewisse Zahl dulde. Bei so grosser Menge der Apotheken könne schwerlich die so notwendige und nützliche Taxierung richtig observiert werden. Auch sei in Betracht zu ziehen, dass die einheimischen Medikamente wohl taxiert werden könnten, aber die Preise der ausländischen müssten, so oft sie auf- oder abschlügen, stets von neuem festgesetzt werden, wozu es von jeder Frankfurter Messe des verlässlichen Berichts getreuer Leute bedürfe. Zur Herstellung eines richtigen «Catalogus medicamentorum» sei es angebracht, aus obrigkeitlichem Befehl die Apotheker zu veranlassen, ihre Rezept- und Taxbücher einzulegen.

Zu der im Werk begriffenen Taxordnung liessen sich nun auch die Apotheker in Wahrung ihrer Interessen, vorab zur Abwehr unerlaubter Konkurrenz, deutlich hören, wie schon aus dem Eingangswort ihres Schreibens hervorgeht: In diesen verworrenen Zeiten – es waren die Endjahre des dreissigjährigen Kriegs – gebe es Leute, die gerne ihre Sichel in fremde Ernte einschlagen! Sie verlangten, dass der neuen Taxordnung in einem besondern Anhang ein Mandat beigedruckt werde, das folgende neun Punkte betraf:

Weibspersonen und alle die, welche Medizin nicht studiert und deren Beruf und Stand es nicht mit sich bringt, haben sich des Kräuter- und Wasserbrennens zu enthalten und dürfen damit kein Gewerbe treiben.

Kein Chirurg oder Wundarzt soll sich unterstehen, Säfte, Konserven und andere «Composita und Chymica» zu bereiten oder Rezepte zu verschreiben und zu applizieren. Ein Chirurg soll auch niemanden irgendwelche Purgationen ohne Anweisung eines Arztes verordnen noch eingeben.

Den Krämern soll weder innerhalb noch ausserhalb der Jahrmesse gestattet sein, Stücke, die eigentlich in die Apotheken gehören, wie Theriak Anistäfelein, Manus Christi mit Perlen, «Kreseneyer»-Rhabarber, Sennesblätter, Mandelöl u.dgl. in ihren Kram einzubeziehen.

Sowohl fremde als hiesige Materialisten sollen sich nicht mit dem von altersher den Apothekern zustehenden Handkauf purgierender Mittel befassen und daher nicht unter einem Viertelpfund oder 8 Lot verkaufen; ebenso sollen sie keine Composita weder selbst noch durch ihre Diener präparieren. Ihre Simplicia und einfachen Waren sollen die Materialisten nur stück- und pfundweise verkaufen und die Pretiosa nur bei Unzen und halben Unzen, keineswegs aber bei Lot, Halblot, Quintlein und Gran.

Betrügerischen und geldsüchtigen Winkelärzten, «als da sind empirici oder versuchärzte», sowie eigennützigen Weibsbildern, Krankenwärtern, Zahnbrechern und Quacksalbern solle die Obrigkeit das Handwerk legen; immerhin mögen diese Leute in der freien Messe ihre Waren – sofern diese unverboten sind – feil haben.

Apotheker, die regelrecht gelernt haben, aber wegen Verhütung der Überzahl oder aus anderen Ursachen keine öffentliche Offizinen zu führen befugt sind, haben sich aller heimlichen Operationen im Hoheitsgebiet der Stadt zu enthalten und dürfen den Apothekern die Kundsame nicht abziehen.

Im Jahre 1647 erschien die neugeschaffene Taxordnung unter dem Titel «Der Statt Basel Apothecker-Tax » als ziemlich umfangreiches Büchlein erstmals gedruckt, aber ohne den von den Apothekern gewünschten Verbotanhang.

Ein Jahr später, 1648 stellte die medizinische Fakultät neue Richtlinien für das Apothekerwesen und eine aus 23 Paragraphen bestehende Ordnung auf Ihr Vorschlag ging dahin, nicht mehr als vier Apotheken zu konzessionieren, weil man dadurch eine Garantie für frischere Arzneien habe. Keinem sollte inskünftig eine Apotheke zu verwalten gestattet werden, er wäre denn zuvor durch den Stadtarzt und die ihm zugeordneten Visitatoren samt den beiden ältesten Apothekern  examiniert und für qualifiziert befunden worden.

Die jährliche Hauptvisitation der Apotheken hatte in der Zeit stattzufinden, wann man die Kräuter gesammelt und die Wasser destilliert hatte. Den Apothekern wurde eingeschärft, dass keiner vom andern zu Visitation etwas entleihe. In der Zwischenzeit sollte es dem Stadtarzt unbenommen sein, nach Gutdünken weitere Visitationen vorzunehmen.

Zum erstenmal erliess die Fakultät in einem Anhang «von den apothekeren diener und jünger» auch Vorschriften betreffend das Personal.

Kein Junge sollte in eine Apothekerlehre treten, der nicht «ziemlicher massen» in der lateinischen Sprache erfahren war. Der Stadtarzt sollte darauf achten und gegebenenfalls mit einem Visitator die Diener und Jungen vor ihrer Einstellung examinieren. Weiter sollen die «Apotheker gesellen und lehrjungen» jeweilen bei der Aufnahme dem Stadtarzt oder seinem Stellvertreter an Eides statt angeloben, alle ihnen anbefohlenen Sachen treu und mit bestem Fleiss zu verrichten. So oft ein neuer Diener oder Lehrling angenommen wurde, sollte derselbe innert vierzehn Tagen vom Stadtarzt vereidigt werden.

Kein Apothekerdiener oder Gehilfe war ermächtigt, ohne seines Brotherrn Bewilligung Gift herauszugeben. Ebenso wenig durfte ein Lehrling vor 1½ Jahren Rezepte allein ausführen.

Schliesslich sollten Gehilfen, und Lehrlinge «aller verdrunckener gesellschaften und unnöthig gasteryen miessig gehn» und sich nüchtern und bescheiden halten. Wenn aber ihr Herr ihnen zu einer Hochzeit oder sonst einer ehrlichen Gasterei Urlaub gab, so sollte er selbst die Apotheke versehen und keinen bezechten Gesellen eine Arznei bereiten lassen.

Über die Dauer der Lehrzeit und das Lehrgeld, die eine zünftige Angelegenheit waren, gibt die Ordnung keine Anhaltspunkte. Solche erhalten wir erstmals aus einem den 22. April 1657 vor dem Vorgesetztenbott zu Safran geschlossenen Verding, kraft welchem sich der Apotheker Johannes Brandmüller verpflichtete, den Lehrling Amadis Varro von Genf in drei Jahren die Kunst zu lehren gegen ein Lehrgeld von hundert Gulden, wovon fünfzig bar, nebst drei Dublonen «Beigeld» bei Antritt der Lehre zu entrichten waren. Das Lehrgeld betrug somit den drei- bis vierfachen Betrag dessen, was Lehrjungen anderer safrananzünftiger Handwerke und Gewerbe bezahlten. Nach Aussage der Basler Apotheker dauerte normalerweise die Lehrzeit eines bewährten Apothekers vier Jahre, worauf er nachher noch wenigstens vier Jahre im «Servieren», d.h. als Gehilfe zubringen musste. Das Gehalt der Gehilfen betreffend, ist aus den Zunftakten eine einzige Notiz namhaft zu machen: Im Jahre 1736 vereinbarte der Apotheker Gabriel Wick mit dem Apothekergesellen Jakob Heinrich Wilfing von Pfeffenrath  ein jährliches Salarium von 70 Gulden samt 7½ Gulden «Reisgeld per alhero ».

Nun zur Zahl der erlaubten Apotheken. Die von der Fakultät verlangte Vierzahl blieb ein Wunsch. Im Jahre 1650 kam zu den sechs  praktizierenden Apothekern als siebenter der aus der Mark Brandenburg stammende Johannes Gottfried. Als sich ein Jahr darauf der Basler Hans Christoph Stupanus um die Errichtung einer neuen Apotheke bewarb, liess der Rat zur Klärung der Frage zwei Gutachten ausarbeiten, das eine vom Stadtarzt und damaligen Universitätsrektor Felix Plater, das andere aus der Feder des Medizinprofessors Joh. Jak. von Brunn. Platers Vorschlag drang auf Beschränkung der Apotheken aus den schon bekannten Gründen (bessere Kontrolle, bessere Qualität der Medikamente). Er zog vergleichsweise das Apothekenwesen deutscher Städte bei: Braunschweig 1 Apotheke, Lübeck 2, Königsberg 3, Hamburg «nicht viel über drei und davon zum Teil dem Rat zuständig», Frankfurt 4, wobei der vierte Apotheker, da sich die Obrigkeit widersetzt hatte, nur mit vieler Mühe und grossen Unkosten sein Begehren beim Kaiser hatte durchsetzen können.

Im ganzen lautete Platers Urteil über die Basler Apotheker nicht allzu freundlich, warf er ihnen doch Nachäffung der Aerzte und hochgetriebene Preise vor. Milder sprach sich von Brunn aus. Der Rat machte Platers Folgerungen zu den seinigen. Durch Ratsspruch vom 29. November 1651 erkannte er, dass keine neue Apotheke errichtet werden dürfe, vielmehr sei dahin zu trachten, wie mit der Zeit die Zahl der übrigen vermindert werden könne. Damit war Stupanus «seines vorhabens und begehrens» abgewiesen. Auf eine bestimmte Zahl legte sich der Rat nicht fest. Sie sank temporär auf fünf, um dann auf acht anzusteigen. Dies war im Jahre 1681, als der Basler Rat vom Magistrat von Laufenburg wegen der dort akut gewordenen Streitfrage, ob ein Medicus eine Apotheke zu führen berechtigt sei, um seine Meinung angefragt wurde.

Die medizinische Fakultät bejahte die Frage mit der Begründung, dass die Kunst der Arzneibereitung einen Teil der auf den Universitäten gelehrten praktischen Medizin bilde, wie auch die Apothekerlehrbücher von Aerzten ausgegangen seien. Ein ordnungsgemäss promovierter Arzt sei daher wohl befugt, entweder selbst oder durch einen Diener Arzneien zu bereiten und diese Kunst zu treiben.

Die gesamte Basler Apothekerschaft hingegen lehnte diese Auffassung entschieden ab, konnte ihr doch hieraus nur unerwünschte Konkurrenz erwachsen. Sie betonten, dass nach ihren in ausländischen Offizinen gemachten Erfahrungen, sich die Herren Aerzte «mit apothekarischen operationibus nicht zu beladen pflegen». Arzt und Apotheker seien undisputierlich zwei verschiedene Professionen, wobei die Aerzte die Aufsicht über die Apotheker führten. Auch in den Reichstädten stehe die Trennung zu Recht. So habe Frankfurt in seiner 1588 erlassenen Apothekerordnung auf die Ausübung beider Berufe eine Strafe von zehn Gulden gesetzt; auch sei durch den Rat der Stadt St.Gallen im Jahre 1677 ein solcher Fall zu Gunsten der Apotheker ,entschieden worden.

Der Eifer, mit dem die Apotheker sich für ihre Berufskompetenzen wehrten, zeigt deutlich, dass sich ihr Gewerbe durchaus nicht in konkurrenzloser Sicherheit ergehen konnte. Seine Träger waren dem Kampfe der wirtschaftlichen Kräfte nicht minder ausgesetzt, denn irgend eine andere safranzünftige Berufsgruppe. Solches erhellt nicht zuletzt aus ihrem Verhältnis zu den Spezierern.

Auch im 17. Jahrhundert berührten sich Kramladen und Apotheke immer noch. So waren Konfekt und kandierte Früchte Verkaufsartikel, auf welche die Spezierer und die Apotheker im besonderen Anrecht hatten, betraute doch 1605, anlässlich des grossen Gesellenschiessens, der Rat den Apotheker Ludwig Im Hoff mit der Lieferung des Konfekts für den Nachtisch  und als 1633 Peter Urben der «welsch sigerist» recte Pierre Urbain aus Pfalzweiler sich zum Safran meldete, willens mit «allerhand eingemachten sachen» zu handeln, da wurde ihm das Zunftrecht nur unter der Bedingung zuteil, dass er nicht überlästig falle.

In der Streitsache vom Jahre 1677 waren in erster Linie die Apotheker die Kläger gegenüber dem Spezierer Christoph Halter, weil sich dieser gelüsten liess, Medikamente zu verkaufen und Rezepte auszuführen. Halter wurde verwarnt, aber auch die Apotheker mussten sich die die Mahnung gefallen lassen, keine Spezereien zu verkaufen. Zwei Jahre darauf legte das gesamte Apothekergewerbe 21 Auszüge auf den Vorgesetztentisch zu Safran, aus denen ersichtlich war, dass Halter sich neuerdings verfehlt und Pillen und Pflaster hingegeben hatte. Er wendete ein, Pillen würden bald in allen Spezereiläden verkauft, im übrigen täten die Apotheker den Spezierern auch allerhand Eingriffe. Dies trat besonders bei der Auseinandersetzung vom Jahre 1683 zutage, wobei es sich freilich um gangbare Dinge handelte. Mit unverkennbarem Neid erklärten die Spezierer, wie die Obrigkeit in favor der Apotheker einen Ratsbeschluss habe ergehen lassen, der nur eine gewisse Zahl Apotheken in Basel dulde. «Ueber dies herrliche privilegium» hinaus unterständen sich nun die Apotheker in das Spezierergewerbe zu greifen und Baumöl, Branntwein, Gewürze, Farben und dergleichen bei kleinem und grossem Gewicht zu verkaufen. Hier lag in der Tat, namentlich wegen des Verkaufs bei grossem Gewicht, d.h. in beträchtlichen Mengen, eine deutliche Verletzung alter Krämerrechte vor. Doch liessen es die Zunftregenten bei einer durch den Oberknecht ausgesprochenen Verwarnung an die fehlbaren bewenden ....

Das Bestreben der privilegierten Apotheker, jede Vermehrung von Apotheken zu verhindern, wirkte sich für sie selbst unliebsam aus, indem die abgewiesenen Bewerber durch «Stümpeleien» und Verkauf von Medikamenten und Drogen en détail die zugelassenen Pharmazeuten konkurrenzierten. Derart gab ihnen ganz besonders der zum Apotheker ausgebildete Hieronymus I Bernoulli zu schaffen. Der Vater Niklaus Bernoulli, Spezierer und Seckelmeister zu Safran, war seit 1693 bemüht, für seinen Sohn Hieronymus die im Hause zur Taube am Marktplatz gelegene Apotheke zu erwerben. Ihr letzter Besitzer Friedr. Niklaus Krüger hatte 1687 Basel verlassen und starb kinderlos in der Fremde. Am 2. Mai 1694 entschied der Rat, es den hiesigen Apothekern und Herrn Niklaus Bernoulli zu überlassen, sich wegen der umstrittenen Apotheke zu vergleichen; würde sie von Niklaus Bernoulli gekauft, so stände seinem Sohn das Privileg zu, widrigenfalls sollte selbiges supprimiert sein. Da der geforderte Preis für die verschuldete Apotheke Bernoulli zu hoch schien, ging diese durch gemeinsamen Kauf um 450 Reichstaler in die Hände der gesamten Apothekerschaft  über, welche die Offizin schloss. Dergestalt wurde es Hieronymus Bernoulli verunmöglicht, sich in seiner Heimatstadt als Apotheker zu betätigen. Er trat darum 1700 als Materialist der Zunft bei. Bereits ein Jahr darauf musste er auf Klagen etlicher Apothekerwitwen von der Zunft verwarnt werden, sich auf die den Materialisten gebührenden Waren zu beschränken, bei fünfzig Gulden Strafe im Übertretungsfall. Bei einer Besichtigung seiner Geschäftsräume stellte sich heraus, dass er neben den eigentlichen Materialwaren auch gebrannte Wasser, Essenzen, Tinkturen und dergleichen Apothekerwaren herstellte und unter den Apothekerpreisen feilhielt. Eine Folge dieser Feststellung war die Herausgabe der gedruckten neuen Apothekertaxen im Jahre 1701.

Vier Jahre darauf wurde Bernoulli neuerdings von den Apothekern verzeigt. Der Rat büsste ihn mit 25 Gulden und auferlegte ihm bei 100 Gulden Strafandrohung, innert vierzehn Tagen alle ihm nicht gebührenden Waren im Beisein des Stadtarztes und der Herren Deputierten abzuschaffen; die Räumungsfrist wurde ihm dann nachträglich auf ein Vierteljahr verlängert.

Auch andere Materialisten, wie Gabriel Wick, der ebenfalls Apotheker war, liessen sich ähnliche Vergehen wie Bernoulli zu Schulden kommen, klagten doch 1730 die Apotheker, die alten Missbräuche seien wieder stark eingeschlichen, ein jeder tue, was er wolle und halte das Apothekerwesen für eine Sache, die man viel eher als das Weinschenken treiben könne.

Im Jahre 1779 sahen sich die Apotheker wiederum genötigt, wegen eines Materialisten – Hans Rudolf Geigy – vor Zunftgericht Klage zu führen, weil Geigy «Rezepte mache». Geigy machte geltend, er treibe seinen Beruf so, wie er ihn erlernt habe. Er vermeine, wenn jemand das Vertrauen in ihn setze, so solle es ihm unverwehrt sein, seinen Freunden zu dienen. Öffentlich praktiziere er nicht. Der Zunftvorstand erkannte aber: «Soll H. Geigy, Materialist, in Kraft der von den H. Apothekern vorgelegten Rathserkantnuss von 1701 das Receptieren bey 50 fl. 8 verbotten sein ».

Angesichts der Menge, bisweilen recht larmoyanten Bitt-, und Klageschriften des Gewerbes, wirkt es geradezu wohltuend, gelegentlich ein Wort des Lobes zu hören, wie es Basels Apothekerschaft einer bescheidenen Hilfskraft ihres Berufs in einem Attest zollte, «dass Regina Ifenthaler von Münchenstein sich auf das Kräutersuchen wohl verstehet und uns schon nutzliche dienste geleistet, auch damit ihr brodt gewonnen und sonderheitlich jetzo gewünnen könnte ... ».

Im 18. Jahrhundert erfuhr das Basler Apothekenwesen keine gesetzlichen Neuerungen. Die Aufrichtung neuer Apotheken blieb nach wie vor verboten. Im Maximum waren sieben Apotheken in Betrieb. Versuche der Apothekerschaft, durch Aufkauf auch die privilegierten Apotheken zu vermindern, scheiterten 1744 und 1780 am Widerstand des Rates. Erst die Neuzeit brachte Änderungen. Im Jahre 1837 bewilligte die Obrigkeit, einem Gesuch der Kleinbasler Bürgerschaft und der Drei E. Gesellschaften entsprechend, gegen den Wunsch der Apotheker, eine achte Apotheke für die «Mindere Stadt».

Erst die Bundesbeschlüsse der Jahre 1867 und 1881 beseitigten die letzten Schranken und öffneten Basels Tore der freien Ausübung des Apothekerberufs auf Grund des eidgenössischen Staatsexamens.

Über ein halbes Jahrtausend waren die beruflich auf verantwortungsvollen Posten stehenden Apotheker der Safranzunft zugewiesen. Obwohl zahlenmässig nicht überragend, haben sie zu allen Zeiten dem Zunftregiment und dem Rat der Respublica basiliensis erprobte und verlässliche Männer gestellt. Nicht weniger als neun Apotheker bekleideten bis zum Untergang der alten Zunftherrlichkeit im Jahre 1798 das wichtige und angesehene Amt eines Zunftmeisters der vierten Herrenzunft: der grosse Wohltäter Konrad zem Haupt (1411), der bedeutende Staatsmann Henman Offenburg (1412), Jakob von Sennheim (1473), Heinrich von Sennheim (1486), Chrysostomus Gengenbach (1522), Thomas Silberberg (1553), Andreas Bletz (1636), Wernhard Huber (1678) und Hans Jakob I Huber (1730). Mit dem beschwerlichen Geschäft eines Seckelmeisters betraut waren Chrysostomus II Gengenbach (1532), Thomas Silberberg (1549), Niklaus Werenfels (1554) und Jakob Heitzmann (1579). Das Schreiberamt besorgten Thomas Silberberg (1537), Jakob Heitzmann (1569) und Andreas Bletz, von dessen Ordnungssinn und Akribie seine von 1624-1636 geführten Protokolle heute noch ein schönes Zeugnis geben. Als Sechser der Zunft gehörten im Laufe dreier Jahrhunderte, bis 1798 achtzehn Apotheker dem Grossen Rat an. Mit Bezug auf ihre bürgerliche Tätigkeit im Dienste der Zunft und am Gemeinwesen darf daher von den Apothekern des alten Basel der im Safranbuch  niedergelegte Spruch gelten:

«Dein Sach ist gschlicht,
Wand dienst nach Pflicht».