Geschichte des Hauses

Das Zunfthaus

Die älteste nachweisbare Trinkstube der Krämer befand sich in unmittelbarer Nähe der St. Andreaskapelle im Hause «zem Walraven». Sie wird 1345 erstmals erwähnt. Nach der dort zusammenkommenden Gesellschaft «zem Ingber» bekam auch das Haus den Namen zum Imber.

Noch im 14. Jahrhundert verlegten die Krämer ihre Zunft- und Gesellschaftsstube an den Rindermarkt in das Haus zum Safran, zwischen dem Haus zum «Tribogk» und der Zunftlaube der Kürschner gelegen, an Stelle der heutigen Liegenschaft Eiche, Gerbergasse 12.

Als Zunftstube wird es erstmals in einer Ratsurkunde vom 1. Juni 1383 erwähnt, worin den «meistern des huses zem Saffrant» befohlen wird, das Wasser, welches hinten von der Kürschner Hof fiel in ihr Höflein abzuleiten. Um 1389 hauste im Hause zum Safran als der Zunft Stubenknecht der aus Zofingen stammende Koch Hans Feierabend. Von seines Amtes wegen wurde er auch als Henselinus dictus zem «Saffran» bezeichnet.

Im Jahre1423 schritt nun die Krämerzunft zum Bau eines stattlichen, ihrem Ansehen entsprechenden, neuen Zunfthauses. Am 7.Januar 1423 erwarb sie von Bürgermeister und Rat um die Summe von 450 rheinischen Goldgulden den Ballhof mit allen Rechten und Zubehörden, willens, auf dieser am alten Rindermarkt, zwischen dem städtischen Kaufhaus und dem zum Birsig hinabführenden Gässlein gelegenen Hofstatt ein Zunfthaus aufzuführen. Die gekaufte Liegenschaft hatte bis 1373 zur Lagerung der Kaufmannsgüter und Warenballen gedient und trug davon den Namen Ballhof. Gleichzeitig war er auch Absteigequartier der fremden Kaufleute gewesen und in den letzten Jahren vor dem Verkauf durch die Stadt als Herberge an Hans Koch vermietet worden.

Ausdrücklich wurde laut Kaufbrief den Krämern gestattet, an ihrem Neubau nach Belieben vorn sowohl als hinten «phenster und gesicht» anzubringen. Andererseits verpflichtete die Übernahme der Liegenschaft, die vom Domstift zu Erbe ging, die Zunft zur jährlichen Lieferung einer Ohm roten Baselweins an die Domherren auf Burg, sowie zur Zahlung eines Geldzinses im Betrag von einem Pfund und fünf Schillingen neuer Basler Münze an die «armen lüt», d.h. an das Spital. Zuverlässige Nachrichten über die Art und Gestalt des durchgeführten Baues fehlen. Doch scheint sich der Bauherr an schon vorhandene Dispositionen gehalten zu haben. «Die weder durch die Zwecke eines Zunfthauses noch durch Besonderheiten der Lage geforderte Anordnung eines freien, ungedeckten Raumes in der Mitte, um den Säle, Stuben und Gänge sich gruppierten, ging unmittelbar zurück auf den alten Ballhof» Jedenfalls aber war dieses erste Safranzunfthaus ein Gebäude, das seinem Ersteller zur Ehre gereichte. Denn als 1431 die Stadt Mülhausen ihr Rathaus zu bauen sich anschickte, beschloss sie, das Zunfthaus der Basler Krämer zum Vorbild zu nehmen.

Nach dem Bezug des neuen Zunfthauses hatte die Zunft ihr altes, gegenüberliegendes Gesellschaftshaus nicht mehr vonnöten. In ihrem Auftrag verkaufte es der damalige Zunftmeister Henman Krangkwerk an den reichen Spengler Heinrich Scherman und dessen Sohn Peter Scherman um 200 Gulden. Es führte von da an den Namen zum «alten Safran», zeitweilig auch zum «kleinen Safran».

Wie schon bemerkt, grenzte der Krämer Heim birsigaufwärts an das 1376/78 erbaute städtische Kaufhaus (jetzt Hauptpost); niederwärts trennte ein zum Birsig führendes Gässlein das Zunfthaus von seinem Nachbarhaus «Mülhausen». Ein Spruch der mit der Baupolizei betrauten Fünferherren vom Jahre 1471 bestimmte, dass dieses Gässlein mit einer Türe verwahrt sein sollte, die aber tagsüber offen bleiben musste, damit die nächsten Anwohner vom Rindermarkt ihre Notdurft, jedoch ohne Verunreinigung des Gässleins, in den Birsig tragen konnten ...

Erst seit den 1460er Jahren verraten uns die Zunftrechnungsbücher manche interessante Einzelheiten über das Zunfthaus und seine Einrichtung und Ausstattung. Ob den Kreuzfenstern der Vorderfassade prangten übersilberte Wappenschilde mit der Zunftlilie, und das hochgiebelige Ziegeldach gipfelte in zwei Türmchen, die mit Baselschilden geschmückte Windfahnen trugen. Ein Torbogen, mit hölzernem Gatter verschliessbar, bildete vom Rindermarkt her den Hauseingang durch den man in den offenen ungedeckten, mit einer «Besetzi» versehenen Hof gelangte. Zu beiden Seiten des Tores waren seit den Konzilsjahren an der Strassenfront mehrere schindelgedeckte hölzerne Gaden dem Zunfthause vorgebaut, sogenannte «Ledlin», «Stelli», «Kromhüssly», die gegen Zins von der Zunft an Handwerker und Kleinhändler verliehen wurden, nicht nur an Zunftangehörige wie Wurzler, Ringler, Nadler, Spengler, Täscher, sondern auch an Anderszünftige: Messerschmiede, Schuhmacher, Schneider, Harnischer. So heisst es im Notatabüchlein z.B. zum Jahre 1437: « Hengin von Mechel hett di aller obreste stelly empfangen ze nechst an den brotbenken und gitt alle ior 11½ lb.», oder 1438: «Jacob von Rütlingen der gürtler hat die stelly empfangen zu nechst am dor um VI s. alle fronfasten. » Und zum Jahr 1510 lesen wir: «Uff suntag noch Sant Thomestag hand min heren gerechnet, mit Annely, bantzermacherin und sind iren abzogen XII kragen, so ir man selig minen heren gemacht hat, desglichen VI bantzer gefegt, harnuwert und blipt sy minen heren schuldig VIII s. und sind al zinss vom ledlin zalt biss uff wienacht.» Während der Jahrmesse liess die Zunft auch für ihre Krämer, die «düechlin» feilhalten wollten, im Hofe Verkaufsstände herrichten. Für einen solchen sieben Schuh langen Stand forderte die Zunft 1540 von einem Zunftbruder zwei Basler Plappart, von einem fremden Händler aber einen Gulden Basler Währung als Mietpreis. Jeweilen zu Ende der Messe wurde das Standgeld durch den obrigkeitlichen Standmeister eingezogen und zur einen Hälfte an den Staat, zur andern an die Zunft abgeliefert.

Im Jahre 1571 befahlen die Vorgesetzten die alten, an der Zunfthausfassade angebauten Gaden abzureissen und durch zwei neue Läden zu ersetzen, von denen der eine gegen einen Jahreszins von fünf Pfund an Roselin den Färber, der andere an Meister Heinrich Heidelins Witwe um den gleichen Zins verpachtet wurde. Im Jahre 1580 reservierte dann die Zunft ihre zwei Läden dem damals in hoher Blüte stehenden safranzünftigen Handwerk der Weissgerber. Durch einen an die Hausfront angebauten Schopf, der weitere drei Läden enthielt, wurde allen Meistern, die um den Platz losen mussten, Gelegenheit verschafft, bei- und miteinander zu verkaufen.

Bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts hatten auch die fremden Feilbecken aus dem Sundgau, die an gewissen Tagen an die ärmere Stadtbevölkerung Brot verkaufen durften, im Hof und vor dem Zunfthaus ihre Brotbänke. Wegen dieser Brotbecken, die dem Zunfthaus mit ihren Karren und dem Feilhaben allerlei Ungelegenheiten schufen, richtete der Zunftvorstand 1609 eine Bittschrift an den Rat, worauf dieser die fremden Bäcker in den alten Marstall beim Spalenschwibbogen verwies.

In dem geräumigen Zunfthof zu Safran befand sich von Anbeginn an ein Brunnen. In seiner Nähe stand ein kleine «Schol», ein hölzerner Galgen, an welchem das für die Zunftessen bestimmte Kleinvieh zum Metzgen aufgehängt wurde. In «kärlin», grossen Holzmulden trug man von da das zerlegte Fleisch nach der Zunftküche.

Links vom Hofeingang lagen im Erdgeschoss die sogenannte untere Stube mit drei Fenstern gegen den Hof, die untere Küche und die Rüstkammer, d.h. das der Obhut des Oberknechtes anvertraute zünftige Arsenal, dessen Bestand durch Kauf und Vermächtnisse geäufnet wurde. Da lagerten allerlei Schutz- und Trutzwaffen: Harnische, Eisenhüte, Helme sog. Hundskappen, Hals- und Brustbleche, Armzeug und Blechhandschuhe, Armbrüste, Köcher, Mordäxte, Hellebarden und, lange Spiesse, die vor allem gut gelegt sein mussten, um sie vor dem Krummwerden und Rosten zu schützen. An der Decke hingen in grossen umschnürten Ballen die mit Emblemen bemalten Reis- oder Kriegszelte, deren der Safran ein grosses und ein kleines besass. Beson. ders das grosse Zelt muss aus unverwüstlichem Stoff geschaffen gewesen sein, trug es doch noch 1731 das Datum seiner Anfertigung aufgemalt, – den 12. Mai 1334 – und stammte somit aus der Zeit vor dem Erdbeben! Alljährlich wurden die Zelte herabgenommen, gesonnt und evtl ausgebessert, was den damit beauftragten Zunftbrüdern jeweilen Anlass bot, sich aus dem Zunftseckel einen bescheidenen Imbiss zu gönnen. Im Jahre 1600 geschah dieses «Zelten» folgendermassen:

«Auff den 24. dag Augusti hab ich, Lux Marthin, uss erkhantnuss unserer heren ratsheren, meisteren und sechs, die zwo zellten uffgeschlagen in sant Alben klostersgarten, wachen gestanden von dato an bis uff den 5. Septembri, widerumb in packtt, uffgehenck; und was harzu gemanglet hat, ist widerumb verbessert worden. Ist frisch und drocken zu samen kumen.»

Letztmals erfolgte die Zeltprozedur am 28. Juni 1731. «Sind die zwo der e.zunfft zugehörigen zelten auff dem bollwerckh bey St. Pettersplatz aufgeschlagen und nach demselbigen sechs wochen gestanden und erlufftet worden, wiederum eingepackt und am behörigen orth auff die e.zunfft gethan worden.»

Die Rüstkammer, die im 18. Jahrhundert für die Zunft kein lebenswichtiges Bedürfnis mehr war, fand später auf dem Dachboden ein friedliches Asyl. Hier lagen einige Jahrzehnte später neben den halb. vermoderten Zelten nur noch ein paar verrostete Panzer, zwei alte Trommeln und eine Harzpfanne ...

Rechter Hand des Hofes war ein Raum, der die ganze Tiefe des Gebäudes einnahm; Inventare des 17. Jahrhunderts nennen ihn den «Tanzplatz» oder «Tanzboden» und weisen damit auf seine ursprüngliche Bestimmung hin. Ein grosser Zugvorhang aus «Schertter» bildete statt einer Türe den Abschluss dieses Raumes nach der Hofseite hin. Hier wurde seit dem Mittelalter während der guten Jahreszeit auch gegessen und getrunken. Jeweilen auf Jergentag (23. April) trugen zu diesem Zwecke der Stubenknecht und einige Gesellen Tische und Stühle herab, die man dann gewöhnlich auf Michaelis (29. September) im Hause oben wieder versorgte. Ein bescheidener Imbiss belohnte jeweilen diese freiwillig geübte Tätigkeit.

Im Hofe war auch zum Zeitvertreib der Zunftbrüder eine Kegelbahn eingerichtet. Sie wurde im Jahre 1511 durch den Meister Zimmermann und den Maurer erneuert. Im Jahre 1574 liess die Zunft zu mehrerer Erlustigung an der Hofwand bei dem Kegelries eine gemalte Tafel mit heiteren Sprüchen anbringen. Das dichterische Opus scheint die vollste Zufriedenheit hervorgerufen zu haben, massen die Zunftherren den Verfasser nicht nur mit der respektablen Summe von 7½ Pfund belohnten, sondern ihn überdies mit einem recht solennen Mahl ehrten. Der, also gelungene Verse zu stellen wusste, war jener gelehrte Hans Fügli, Prädikant zu St.Leonhard und Professor der Eloquenz, dessen Weinfreudigkeit sein Freund Dekan Wolfgang Müslin von Bern mit den spassigen Worten kommentierte:

Herr Füegli, Herr Füegli,
ich verstand, ihr trinkend gern ussem Krüegli!

worauf der baslerische Amtsbruder dem Berner ebenso prompt zurückgab:

Herr Müsli, Herr Müsli,
ich verstand, ihr trinkend auch gern ussem Krüsli!

Wohl auf Veranlassung des rührigen Schützenmeisters Andreas Ryff wurde 1577 im Zunfthofe bei der Säule eine «thunderschiben», d.h. eine Schützenscheibe aufgestellt, an der die Zunftbrüder ihre Schiessfertigkeit erproben konnten.

Mitten aus diesem militärischen Spiel rief am 13. Mai 1594 ein Rasbefehl den Andreas Ryff und seine Schützen vom Safranzunfthaus weg zur Dämpfung eines Aufstandes in den oberen Aemtern – des sogen. Rappenkrieges – nach Liestal zu ziehen.

Eigentlicher Schauplatz der zahlreichen Bankette und Mahlzeiten waren die im ersten Stockwerk gelegene grosse Zunftstube und die kleine Stube, als Lokal des Vorstandes auch die Herrenstube genannt deren Decke polychrom behandelte Ornamente «rosen» und «kepfli» aufwies.

Lediglich von der Herrenstube aus zugänglich war das über dem Almendgässlein gebaute sogen. Gewölbe, der sichere Gewahrsam für das Archiv und Vermögen der Zunft. Im Jahre 1607 fuhr man mit dem Gewölbebau in der Höhe von acht Schuh über das Gässlein an Meister Othmar Eglins Behausung, seine Mauer als Widerlager benützend. Hier wurden neben den Zunftbüchern Gültbriefe und Bargeld aufbewahrt. Nur im Beisein von Ratsherr oder Zunftmeister durfte der Seckelmeister dem Behältnis Geld entnehmen oder einlegen. Im Jahre 1439 hatte die Zunft an Gülten unter anderen hinter sich liegen ein Schuldbrief auf Ritter Stüssi von Zürich lautend, im Betrage von dreihundert Gulden, einen auf Hans Röslin von zweihundert Gulden, ein auf Herr Heinrich von Ramstein zu hundertfünfzig Gulden, auf «min herren die rett» hundert Gulden, auf Hans Bischof den Landfahrer hundertzwanzig Gulden, auf Lienhart von Tunsel hundert Gulden, eine Grundpfandverschreibung ab einem Rebacker «litt enhalb Rines in dem Bann am Horenberg», eine solche ab dem Hause zur Scher, ferner ab dem Hause «ze st. Andres das man nennt der Gebhartten hus». Auch Wertschriften Privater wurden gelegentlich aus Gefälligkeit in Verwahrung genommen. Später barg da der Zunftseckel bisweilen ganz respektable Summen Bargeldes, bis zu mehreren tausend Pfund. Im Jahre 1679 verkaufte die Zunft beispielsweise einen Gültbrief auf den Edeln von Reinach in Münstrol lautend, und legte das Geld in folgenden Sorten in das Gewölbe: 23 spanische vierfache Dublonen zu 33 Pfund, eine spanische doppelte Dublone zu 16 Pfund und 10 Schilling, 2 Louistaler und 1 Schilling Münz zu 5 Pfund und 15 Schilling, alles zusammen 781 Pfund 5 Schilling wert. Im Jahre 1688 wurden 1250 Pfund dem Gewölbe entnommen, die auf das Haus des Stückgiessers Hans Heinrich Weitnauer jenseits Rheines ausgelegt wurden; 1692 lieh die Zunft aus dem Gewölbe zwei Zunftbrüdern 3200 Reichstaler auf ihre Häuser.

Im Jahre 1683 hatte sich der Zunftvorstand sogar in ein Spekulationsgeschäft eingelassen, indem er von seinem Mitrat Andreas Mitz über zweihundert Zentner Villacher Blei zum Selbstkostenpreise übernahm und aus dem im Gewölbe deponierten Barbestand bezahlte, «dieweilen selbiges geld ohne einigen nutzen und zins in bemeltem gewölb ligen tue, hingegen an dem blei bessern nutzen zu erhoffen, in betrachtung selbiger war nichts abgehe und leichtlich auf höhern preis zu bringen ... »

In nicht geringe Aufregung gerieten wohl die fürsichtigen Zunftherren, als in den 1670er Jahren ein vom Markgrafen von Baden hinterlegter Pfandbrief, auf tausend Gulden lautend, von den Hunden des Herrn Seckelmeister Rudolf Burckhardt ganz zerrissen ward, sodass man durch Vermittlung des Stadtschreibers Harder in der markgräflichen Kanzlei zu Durlach umständlich um Erneuerung des Briefes ansuchen musste.

Angesichts der Vermögenswerte, die das Zunftgewölbe barg, ist es begreiflich, dass die Safranherren jedes unbefugte Betreten der zum Gewölbe führenden Räume scharf ahndeten. So hatten der Oberknecht und der Stubenknecht gemessenen Befehl, ihr wachsames Auge auch auf alle Vorgänge bei den zahlreichen, auf der Stube gehaltenen Hochzeiten zu richten. Die Zunftstube war von altersher der gegebene Ort, wo der zünftige Bürger Brautlauf und Hochzeit feierte. Eine Ratserkanntnis vom Jahre 1546 gebot bei 50 Pfund Strafe, diese Ehrenmähler nicht in Herbergen und Wirtshäusern, sondern auf den Zunft- und Gesellschaftsstuben zu verdingen; Fremde und nichtzünftige, arme Personen wies der Rat an, ihre Hochzeit in den Häusern, in die sie heirateten, «ziemlich und ohne überfluss» zu begehen. Seit dem Jahre 1580 erhob die Safranzunft für die Benützung ihrer Stube zu hochzeitlichen Anlässen eine Gebühr. Sie betrug für einen Zunftbruder, der mit der Zunft «hoch und nieder diente», d.h. vollzünftig war, per Tisch 6 Schilling und 8 Pfennig, für einen Anderszünftigen 10 Schillinge. Ausgenommen von dieser Gebühr waren Hochzeiten der Söhne und Töchter von Ratsmitgliedern. Die Veranstalter hatten Holz, Kohlen, Salz «und was man sonst zu einer Hochzeit braucht», ohne Zutun der Zunft selbst zu liefern. Hingegen wurde ihnen Schiff und Geschirr, Tischlaken, Platten, Häfen, Kannen zur Verfügung gestellt, mit dem ausdrücklichen Hinweis, dieselben sauber gewaschen und gefegt Zunft zurückzuerstatten und Fehlendes oder Zerbrochenes zu ersetzen. Später lieh die Zunft auch für solche Anlässe ihren Silberschatz aus, bei vornehmen Standespersonen aus «Verehrung», d. h. gratis, bei anderen gegen Bezahlung von drei Gulden. Nicht immer war es der Stubenknecht zu Safran, den die Hochzeitsleute mit der Zurüstung der Speisen betrauten. Bisweilen nahm man hiezu die Dienste eines andern Stubenknechts oder eines als trefflich geltenden Garkochs inAnspruch, wobei etwa allerlei Missgeschick mit unterlaufen konnte. Als im Jahre 1658 Martin Löw, der kochkundige Stubenknecht zu Spinnwettern auf dem Safranzunfthaus für den schwerreichen Säfränler Handelsherr Andreas Mitz das Hochzeitsmahl rüstete und im Drange der Geschäfte die Türschlüssel zu beiden Zunftstuben verlor und ohne Befragen des Zunftvorstandes kurzerhand mittelst einer Leiter in die Stuben eindrang, musste er nicht nur die verdorbenen Schlösser und Schlüssel bezahlen, sondern wurde von den hochgeachteten Herren aufs ärgste abgekanzelt und zu der gesalzenen Busse von einer halben Mark Silber verdonnert, die ihm erst auf sein inständiges Bitten auf zwei Gulden ermässigt wurde. Auch in der gegenüber dem Mittelalter viel geruhsameren Zeit des «stillen» Jahrhunderts ging es bei Hochzeiten nicht immer anständig zu. Im Jahre 1725 beklagten sich zwei deutsche Chirurgengesellen beim Zunftvorstand, weil sie von dem Stubenknecht anlässlich einer zu Safran gehaltenen Hochzeit übel traktiert worden seien, wobei der eine der Kläger «ein gulden hembderknöpflin» und der andere seinen Haarseckel verloren habe. Der hitzige Stubenknecht musste denn auch den beiden die verlorenen Gegenstände ersetzen.

Beide obere Zunftstuben trugen schon im 15. Jahrhundert farbigen Fensterschmuck zur Schau. Nach dem Hagelwetter im Sommer 1487 hatte der Glasmaler Ludwig Han dreihundert Scheiben darin zu ersetzen und den beschädigten Pannerherrn im Fenster zu reparieren. Im Jahre 1501 führte Meister Jakob Wolgemüt grössere Arbeiten in der Herrenstube aus; 1518 wurden vierzehn Fenster der grossen Stube neu gemacht und um eine Scheibe mit einem Wappner (Schildhalter) vermehrt.

Auch die grossen Kachelöfen in den Stuben wiesen bemalten Zierat auf; 1478 führte Hans Balduff Malerwerk an den Oefen aus. Im Jahre 1501 wurde das Bemalen der Ofenschilde jenem Rudolf Herri übertragen, der kurz zuvor für den Rat der Stadt Solothurn ein Gemälde der Dornacherschlacht geschaffen hatte, und 1521 gab sich Basels grösster Künstler, Hans Holbein, zu dieser eher handwerklichen Arbeit her, wie er schon einige Monate zuvor die zwei «dürnen» am Ofen gemalt hatte.

Eine Verschönerung der grossen Zunftstube bildeten die 1538 an Matheus Han verdingten drei Leuchter, vom Deckengebälke herabhängende Hirschgeweihe, mit geschnitzten, bemalten Figuren und achtzehn vergoldeten Knöpfen. Eine Neuerung waren auch die zwei Spiegel, welche die Zunft 1545, wahrscheinlich für die Herrenstube, machen liess. Ueberhaupt machte sich jetzt mehr und mehr das Bestreben geltend, das Zunfthaus aussen und innen wohnlicher und reicher auszugestalten. Im Jahre 1569 übernahm der durch seine Uebermalung des Totentanzes am Predigerkloster bekannte Hans Hug Kluber die Ausschmückung des Zunfthauses. Seine Hauptarbeit bestand in einem «Gemell», wahrscheinlich einem Wandbild, das er schon nach fünf Jahren renovieren musste und das wohl infolge seiner geringen Dauerhaftigkeit bald verblichen und abgetan worden sein mag. Gleichzeitig mit Kluber lieferte Meister Balthasar Groff an der Wissengasse der Zunft allerlei Tischlerwerk: Getäfer und ein «khensterli» mit Beschlägen.

Mit Klubers Beistand wurde auch der vor dem Herrentisch angebrachte Umhang durch einen neuen aus feinem Taffet ersetzt, auf dem «Gilgen» und « Safranblumen», wahrscheinlich als Stickerei, aufgenäht waren.

Lediglich der Bequemlichkeit aber diente das vom Zapfengiesser gelieferte Halbdutzend «Striblin, bim herrendisch, das man die barett dran hängt».

Auch im 17. Jahrhundert vernehmen wir von verschiedenen Aenderungen und Verschönerungen der hier besprochenen Lokalitäten. Für die Herrenstube schuf 1609 der durch seine Rathausmalereien wie als Porträtist zu Ansehen gekommene Hans Bock vier Oelgemälde. Leider erfahren wir nichts Näheres über die um den Preis von vierzig Pfund gemalten «vier kunststuck», die anfangs der 1830er Jahre spurlos aus dem Zunfthaus verschwanden. Wahrscheinlich handelte es sich um eine allegorische Darstellung, vielleicht der vier Jahreszeiten, etwa in der Art der noch im Kupferstichkabinett befindlichen vier Blätter von Bocks Hand, von denen besonders das eine, den Winter darstellend, mit zugefrorenem Rhein und Schlittschuhläufern, bekannt ist.

Ein Jahrzehnt später lieferte der als Künstler weit unter dem Vater stehende Felix Bock für die grosse Zunftstube fünf grosse Oelbilder, die fünf Sinne darstellend. Um die nämliche Zeit, 1617, liess die Zunft die alte Türe zur grossen Stube durch ein Portal ersetzen, zu dem der welsche ausgezeichnete Bildschnitzer Franz Pergo den schönen aus Lindenholz geschnitzten Türaufsatz mit dem Safranwappen verfertigte, der beim Abbruch des Zunfthauses in den Besitz des Historischen Museums übererging.

Mit den in die Augen springenden Neuerungen geht, harmonisch Ganzen fügend, eine Menge unscheinbarer und doch bezeichnender Details einher: die alten Bankdecken weichen kostspieligen, grünsamtenen Bankkissen, welche Peter Perna auf besonderes Verlangen der Zunft von Frankfurt her beschaffte, und von Refugiantenhand verfertigt – von der «welschen Christin» gewoben – füllen sich Kasten und Truhen zu Safran mit schneeweissem feinstem Linnen ...

Im Zusammenhang mit Renovationsarbeiten im Hause zu Ende der 1660er Jahre steht wohl die Anfertigung des nussbaumenen Prunkbüffets durch den glänzend geschulten Basler Kunstschreiner Job. Heinrich Keller (1627-1708). Am Neujahrstag 1664 mag das reichgeschnitzte Möbel erstmals die grosse Zunftstube geschmückt haben, deren vornehme Zier es über anderthalb Jahrhunderte blieb, bis es im Jahre 1830 auf den Estrich wanderte und bald darauf – leider erfahren wir nicht durch wen – verschachert wurde. Freilich verschwand es nicht spurlos, wie die um die gleiche Zeit abhanden gekommenen Bilder von Hans Bock. Das «pompöseste aller Basler Barockmöbel» fand seinen Weg in die königlich preussische Kunstkammer, von , der es zu Beginn der 1880er Jahre dem neugegründeten Kunstgewerbemuseum in Berlin und in unserer Zeit dem Schlossmuseum zugewiesen wurde.

Von baulichen Veränderungen am Zunfthaus ist während der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts weiter nicht die Rede. Wohl bat 1667 Stubenknecht Christoph Brombach, «um eine Gelegenheit bauen zu lassen, damit er seine kinder besser legen und versorgen könne». Er schlug vor, in der Stube im Erdgeschoss durch Verrücken der Fenster eine Nebenkammer mit einem «Kastenbett» zu gewinnen. Sein «ohnverschamptes begeren» wurde aber mit grösstem Missfallen angehört und abgewiesen. Vielmehr liess man ihn wissen, vorerst sein noch schuldiges Zinngeschirr abzustatten und sich gefasst zu machen, «dafern bei jetz grassierender contagion, ein oder mehr von seinen Kindern von Gott sollte angegriffen werden, solche nicht auf der zunft liegen zu lassen, sondern anderwärts transportieren».

Sache ernsthafter Beratung bot 1682 der Zunftbrunnen im Hof, der ganz verstopft, stinkend und unbrauchbar geworden war. Nach Ansicht des Zunftvorstandes rührte der Schaden vom Ablauf des Brunnens und andern Wassers des gegenüberliegenden Wirtshauses zum Schnabel. Der Oberknecht erhielt den Auftrag, den Schnabelwirt aufzufordern, zu seinem Brunnenablauf graben und Reifen ziehen zu lassen, ansonst man an das Fünferamt gelangen werde.

Das Wirtshaus zum Schnabel bereitete überhaupt den Herren vom Safran allerlei Ungemach. Schon früher, 1615, hatte die Zunft mit dessen Inhaber Bernhard Dorwardt Auseinandersetzungen, weil er den Mist aus seinen Stallungen einfach auf die Gasse warf und dort liegen liess. Man vereinbarte sich dann, dass er ihn wenigstens alle Samstage wegführen sollte, aber der saubere Wirt hielt sich nicht an die Abmachung, so dass auf Initiative der Zunft hin die ganze Nachbarschaft, welcher der «bese gestanck zuwider», in einer Supplikation an die gnädigen Herren und Obern um Abhilfe ersuchen musste.

Um die Wende des 17. Jahrhunderts nahm dann die Zunft unter Leitung des städtischen Werkmeisters Balthasar Hüglin eine gründliche, auf mehr als fünftausend Pfund sich belaufende Renovation ihres Hauses vor, nachdem man schon 1698 als Vorarbeit das die Liegenschaft begrenzende Birsigbord instandgestellt hatte, wozu es zweieinhalb Schiffsladungen Steine bedurfte. Nicht nur wurde 1700/01 der Dachstuhl erneuert, das Dach mit neuen Dachrinnen und zwei «saubern Drachenköpfen» als deren Abschluss versehen, das Sommerhaus mit neuen roten Steinplatten besetzt, Fussböden und Türen der Gänge und Stuben frisch belegt, alle Fenster mit hellen Scheiben verglast, sondern die Inneneinrichtung dem Geschmack der Zeit angepasst. Die Holzdecken der Zunftstuben mussten figurenreicher Stuckarbeit weichen, die ein auswärtiger Meister, der «Stockathor» Thomas Bader, übernahm. Allein dessen Auftrag kostete 374 Gulden, ungerechnet der zwanzig Saum Wein, die er und seine Gehilfen bei ihrem Werken vertranken. Damals entstand auch das schöne Eingangsportal, flankiert von zwei Säulen und bekrönt von einem ornamentreichen Aufsatz mit dem Zunftwappen, alles aus rotem Sandstein gehauen, eine Arbeit des Steinmetzen Melchior Schauberer und seiner Brüder Hieronymus und Jakob. An die Eingangspforte lieferte Rotgiesser Friedrich Weitnauer einen stattlichen Türklopfer. Zur Erinnerung an die abgeschlossenen Renovationsarbeiten wurde innerhalb ob dem Tor durch Werkmeister Balthasar Hüglin eine Steininschrift mit den sauber gehauenen Wappen der damaligen vier Zunfthäupter Peter Sarasin, Leonhard Respinger, Hans Jakob Heussler und Reinhard Harscher eingelassen. Auch die heute noch im Zunfthaus aufgehängte Tafel mit den drei «Birsigwassergrössen» verdankte der damaligen Hausverschönerung ihr Entstehen. Leider wurden nach vollendetem Umbau die alten, glasgemalten Fenster, in völliger Verkennung ihres historischen und künstlerischen Wertes, um das lächerliche Entgelt von 18 Pfund Basler Währung an den Baron von Reichenstein auf Schloss Inzlingen verhandelt. Auch der alten Türbeschläge und kunstvollen Schlösser entledigte man sich als altes Eisen.

Stolz auf ihr an Haupt und Gliedern verjüngtes Heim gebot der Vorstand dem Stubenknecht, inskünftig das Zunftgebäude in bessern Ehren als bisher zu halten, und «mit abladung der kollbeenen, saltz, kässfassen, auch der kässtanden vor der e.zunfft und anderer dergleichen dingen, die der zunfft schädlich, sich gäntziglich zu müssigen ... »

Die aus dem Mittelalter übernommenen Zustände des Safranzunfthauses gingen  zum Teil bei den Umbauten unter, welche zu Ende der 1850er Jahre durchgeführt wurden, wobei vor allem der vordere Verbindungsgang zwischen den beiden Häusern in einen Speisesaal und das hintere Sommerhaus in Zimmer für den Zunftwirt umgewandelt wurden. Ein Jahrzehnt später, anfangs der 1870er Jahre, erfolgte dann die Einrichtung des grossen Wirtschaftslokals ebener Erde rechts. Ein letzter Umbau des alten Hauses – im Jahre 1888 – war bedingt durch die grosse Birsigkorrektion. Dem Aufbau eines zweiten Stockwerks entsprach die Anbringung zweier hoher Giebel an der Fassade, die mit Malereien und Sprüchen verziert wurden, im Geschmack falsch verstandener sogenannter altdeutscher Kunst.

Dafür bereicherte der im September 1900 begonnene und im Sommer 1901 in seinem Aeussern vollendete Neubau – das heutige Zunfthaus – die Stadt Basel um ein wertvolles Denkmal mittelalterlicher Bauweise im Stil der niederländischen Gotik aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Eine Stadt, die wie Basel nicht nur durch die reizvolle Gestaltung der Erdoberfläche und der landschaftlichen Umgebung, sondern auch durch eine grosse Anzahl von den Vorfahren überkommener Bauwerke von hoher künstlerischer Bedeutung einen ehrenvollen Platz unter den Rheinstädten einnimmt, hat ein Anrecht auf besondere Sorgfalt und Behutsamkeit, wenn es sich darum handelt, das uns überlieferte Stadtbild zu ändern. Dieser Forderung, das Zunfthaus zu Safran in seinem schlichten Schmuck aus hellgrünem Moselsandstein, seiner Umgebung glücklich eingeordnet zu haben, ist der geistige Schöpfer des Werkes, Architekt Visscher van Gaasbeck, in schöner Weise gerecht geworden