Chronik Paul Koelner

Die vorliegende Geschichte der Krämerzunft zum Safran und der ihr angeschlossenen Handwerke und Gewerbe versucht das Wesen der Zunft in Zügen, wie sie in erster Linie durch die Quellen des Zunftarchivs zu Gebote standen, aufleben zu lassen und dadurch Werden, Sein und Vergehen der Zunft und ihrer eigentümlichen Kultur, ihre Bedeutung und Auswirkung innerhalb des baslerischen Stadtstaates bis 1798 zu würdigen.

Man braucht nicht ohne Sinn für die Probleme der Gegenwart zu sein, wenn man mit Anteilnahme die Vergangenheit verfolgt und ihr geschichtliches Werk schätzt, zumal man auf den langen Weg eines halben Jahrtausends zurückblickend, immer wieder inne wird, wie Arbeitsfreude, Unternehmungslust und schöpferischer Trieb der Vorfahren viel des Grossen und Merkwürdigen hervorgebracht haben, ohne darob der Schattenseiten zünftigen Rechtes und Brauches zu vergessen.

Der harte Daseinskampf vergangener, am eng begrenzten Kreis der Heimatscholle haftender Geschlechter, das wirtschaftliche Ringen handwerklicher und gewerblicher Berufsgruppen für und wider einander in unaufhörlicher Wechselwirkung lässt denselben Herzschlag erkennen, der auch uns die jagenden Gedanken der Stunde regelt.

In ihrem Archiv - dem grössten und reichhaltigsten aller Basler Zünfte - besitzt die Safranzunft einen überaus wertvollen Schatz vorab kultur- und wirtschaftsgeschichtlichen Gedankengutes, der bis vor 55 Jahren ungehoben im sogenannten «Gewölbe» des alten Zunfthauses ruhte. Auf eine im Winter 1879/80 im Schosse der Historischen Gesellschaft gemachte Anregung des damaligen Staatsarchivars Rudolf Wackernagel hin, wurde die Sichtung und Ordnung der zerstreut und an den unmöglichsten Orten untergebrachten baslerischen Zunftarchive beschlossen. Als Erster unternahm Rud. Wackernagel die mühevolle Repertorisierung des aus gegen 50 Urkunden, über 200 Büchern und Tausenden von Aktenstücken bestehenden Safranarchivs, das beim Abbruch des Zunfthauses im Jahre 1900 als Depositum dem Staatsarchiv überwiesen und dadurch der Forschung in vollem Umfang zugänglich gemacht wurde.

In seinem 1886 erschienenen grundlegenden Werk «Handel und Industrie der Stadt Basel» hat Traugott Geering erstmals wichtige Bestände des Safranarchivs berücksichtigt und verwertet. Und 1902 schenkte Rudolf Wackernagel in seiner Eigenschaft als alt Zunftvorgesetzter anlässlich der Einweihung des neuen Zunftgebäudes den Zunftbrüdern mit seinen «Mitteilungen aus der Geschichte der Safranzunft» eine im knappen Rahmen von 30 Seiten meisterhaft geschriebene Festgabe.

Im Jahre 1923, zwei Jahre vor seinem Ableben, machte Prof. Rud. Wackernagel den Schreibenden darauf aufmerksam, wie vieles noch aus dem mächtigen Quellenmaterial zu schöpfen sei. Dem Hinweis Folge gebend, begann der Unterzeichnete in der Folgezeit mit der planmässigen Durchforschung des Zunftarchivs, deren Frucht nach mehrjähriger Arbeit diese Geschichte bildet. Hiebei wurde das rein Zunftgeschichtliche nur in sofern berücksichtigt, als es galt, besondere Eigenheiten und Abweichungen im Vergleich mit andern Basler Zünften herauszuheben. Der Schwerpunkt der Darstellung wurde auf die Geschichte der safranzünftigen Handwerke und Gewerbe bis zum Untergang der alten Zunftherrlichkeit im Jahre 1798 verlegt und zugleich versucht, die seit Ende des 14. Jahrhunderts bis 1798 der Zunft beigetretenen Mitglieder nach Beruf und Herkunft zu erfassen. Dass dieses schwierige Unterfangen nicht restlos glücken konnte, liegt vor allem in der Lückenhaftigkeit der Quellen selbst.

Durch einen vom Vorstand E. E. Zunft zu Safran ins Leben gerufenen Archivfonds wurden seit mehreren Jahren die finanziellen Mittel bereit gestellt, um die Herausgabe des Werkes zu sichern. Mit ihrer Publikation erfüllt die Safranzunft eine ehrenvolle Pflicht im Sinne des Wortes, das Peter Ochs 1785 seinem Basler Geschichtswerk voranstellte: das die Geschichte der Heimat die Liebe zu ihr erhöhe und veredle (Bd. I, 3).

Der steten, zuvorkommenden Hilfsbereitschaft des Staatsarchivs, des Historischen Museums und des Kupferstichkabinetts sei auch an dieser Stelle mit verbindlichem Dank gedacht.

Bottmingen-Basel, im Oktober 1934

Dr. Paul Koelner

 

Statthalter zu Safran