Zünftige Berufe

Zweifellos umfasste die Safranzunft in der ersten Zeit ihres Bestehens die Krämer als einziges Gewerbe, wie dies schon aus der ältesten Bezeichnung der Korporation, Zunft zu Krämern, hervorgeht.  Erst seit dem 14.  Jahrhundert hat die Entwicklung und fortschreitende Spezialisierung der Handwerke und Gewerbe den Krämern mehr als jeder andern Zunft Berufe zugeführt, ohne dass die Gründe für die Zugehörigkeit zum Safran jeweilen klar zutage treten. Bei mehreren der im Mittelalter safranzünftig gewordenen Handwerke mag es sich um solche handeln, die durch ihre Erzeugnisse auf die Krämer als Abnehmer angewiesen waren und in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis standen, ohne dass es ihnen gelungen wäre, sich zu einer selbständigen Zunft durchzusetzen, wie in andern Reichsstädten etwa den Hutmachern.

Im Gegensatz zu der dem Safran wirtschaftspolitisch und gesellschaftlich nahestehenden Schlüsselzunft, die ein einziges Handwerk – die Tuchscherer – aufwies, überrascht die Vielheit der zum Safran Handwerksgattungen.  Nicht auf einen Schlag -wurde diese nach Technik und Arbeitsmaterial mannigfaltige Gewerbswelt safranzünftig; ihre Eingliederung ist das Resultat einer nahezu zweihundert Jahre umspannenden wirtschaftlich-zünftigen Entwicklung.  Als deren Ergebnis sehen wir bis zur grossen Gewerbereform von 1526 folgende Berufsarten der «werbenden» und «werkenden» Hand entweder dem Zunftzwang zum Safran direkt unterstellt oder aus freien Stücken in der Stärke ganzer Gruppen die Krämerzunft bevorzugen:

Abenteurer, Armbruster, Apotheker, Barettleinmacher, Buchbinder, Buchdrucker, Buchführer, Bürstenmacher, Eisenkrämer, Gufenmacher, Gürtler, Helgenmaler, Hutmacher, Kartenmacher, Krämer, Lautenmacher, Lebkucher, Nadler, Nestler, Oflater, Papierer, Paternosterer, Permenter, Pfeilmacher, Ringler, Rotgiesser, Saitenmacher, Scheidenmacher, Seckler, Silberkrämer, Spengler, Spiegler, Strelmacher, Taschenmacher, Weissgerber, Würfler.

Das 16. Jahrhundert brachte als weitere neue Berufsarten und Abspaltungen schon bestehender Gewerbe die Handschuhlismer, Haftenmacher, Hosenlismer, Hutstaffierer, Knopfmacher, Lederbereiter, Passementierer, Samtweber, Seiden- und Zeugkrämer, Seifensieder.

Im Jahre 1601 setzte der Zunftvorstand in seinem damals neu angelegten Eintrittsrodel folgende Berufsgruppierung fest:

«Hernach folgen alli gewerb, kremerj und handtwercken, welche hoch und nieder in eine ehren zunfft zu dem Saffer dienen sollen.

Von Gewerben: Item gewurtz oder bulver kremer.  Siden kremer, Abendecker, Grossier, Buochhandler, Gemein hand kremer.

Von Hantwercken: Bapirer. Huottmacher. Seckler.  Girtler.  Nestler Wissgerber.  Sidensticker.  Bermenter. Lederbreiter. Buochbinder. Gollermacher oder Daschner. Hentzenmacher oder Lismer. Passamentmacher. Sametweber.  Sidenferber und Breiter. Lutenmacher. Nadler. Spengler. Knepffmacher oder Hiettfieter. Seyffensieder. Seittenmacher. Armbruster. Hefftlinmacher.  Birstenbinder.  Strellmacher.  Karten- oder Brieffmaler.  Ringler.  Liebkuochenbacher, Guffenmacher.

Hernach volgen gewerb und handtwerek, so in anderi zinfft dienen und ein ehren zunfft zum Safferen empfachen, dieselbige mit dem wax gelt und guten jar erhalten alss namfichen:

Duochlitt, so duoch feil haben wz under 7 s. giltet.

Wulweber, so erkauffti war feill haben was under 7 s. gilt.

Linen- oder Barchetweber, so war feill haben, so under 7 s. gilt.

Wuligarnferber, (so) ir wahri beim gewicht verkeuffen.

Item Isenkremer, so kurtzi wahr und spitzwerck feill haben.

Item Zwilchschneider, so uff den kauff wercken.»

Im 17.resp. 18.  Jahrhundert endlich schlossen die Lederhandschuhmacher, die Materialisten, die Strumpfweber, die Streichenmacher, die Tapezierer und die Perückenmacher endgültig den Zunftkreis zu Krämern.

Als im Jahre 1779 die Basler Regierung eine Volkszählung vornehmen liess, ergab sich für die Stadt ein Bevölkerungsstand von 15040 Einwohnern, die sich aus 7607, Bürgern und 7433 Fremden zusammensetzten. Von den letzteren verdienten sich nach Iselins Schätzung rund 5000 ihr Brot durch Fabrikarbeit.  Eine 1780 obrigkeitlich angestellte Untersuchung über die zünftigen Handwerke stellte 874 Handwerksmeister mit 1006 Gesellen und Lehrlingen fest.  Die damals in Basel am stärksten vertretenen Handwerke waren die Schuhmacher mit 118 Meistern und 169 Gesellen und Lehrlingen, dann die Metzger mit 106 Meistern und 50 Gesellen und Lehrlingen und an dritter Stelle Bäcker mit 80 Meistern und 69 Knechten und Lehrlingen.  Auf die Safran genössigen Handwerke entfielen:

Handwerke

Meister

Gesellen und Lehrlinge

Bürger

Fremde

Buchbinder

14

2

14

Buchdrucker

8

-

-

Bürstenbinder

3

-

3

Gürtler

3

2

2

Handschuhmacher

7

2

11

Hutmacher

7

-

1

Knopfmacher

7

5

7

Nadler

1

-

6

Nestler

3

-

-

Passementer

22

4

-

Pergamenter

1

-

-

Perückenmacher

10

5

26

Seckler

5

1

2

Spengler

10

-

4

Strelmacher

6

-

3

Streichenmacher

2

-

-

Strumpfweber

4

-

-

Tapezierer

3

1

-

Weissgerber

9

5

8

Total

125

27

87

An Hand der Zunftakten und Ratsbücher verteilen sich die seit der 2. Hälfte des 14.  Jahrhunderts bis 1798 hoch und nieder dienenden und die geldzünftigen, d.h. auf einer andern Zunft leibzünftigen Mitglieder zu Safran zahlenmässig auf folgende Handwerke und Gewerbe:

Beruf

1351
bis
1400

1401
bis
1450

1451
bis
1500

1501
bis
1550

1551
bis
1600

1601
bis
1650

1651
bis
1700

1701
bis
1750

1751
bis
1798

 

 

 

Abenteurer

-

4

-

-

-

-

-

-

-

 

Apotheker

3

9

6

14

13

21

15

12

12

 

Armbruster, Pfeilmacher

-

5

6

3

1

-

-

-

-

 

Barettmacher

-

-

-

23

18

-

-

-

-

 

Buchbinder

-

1

5

17

15

15

27

31

17

 

Buchdrucker

-

-

16

28

30

1

8

6

4

 

Buchführer

-

-

6

6

16

11

9

6

-

 

Bürstenbinder

-

-

-

2

4

5

6

7

9

 

Eisenkrämer

-

-

1

4

14

10

-

-

1

 

Gewürzkrämer resp. Spezierer

-

-

2

12

49

56

72

110

53

 

Gürtler

7

36

16

18

13

9

7

7

5

 

Handelsleute

-

-

-

2

16

63

30

87

147

 

Handschuhlismer, Hosenlismer

-

-

-

-

17

72

57

68

4

 

Hutmacher

2

23

37

18

34

49

48

19

12

 

Huthändler

-

-

-

-

1

1

6

1

-

 

Kartenmacher, Helgenmaler, Formschneider

1

11

20

18

3

2

-

-

5

 

Knopfmacher, Hutstaffierer

-

-

-

-

4

29

30

30

11

 

Krämer

76

111

92

67

43

43

36

29

12

 

Lautenmacher, Saitenmacher

-

3

4

1

4

1

-

-

-

 

Lebkucher, Oflater, Zuckerbäcker

6

7

13

2

5

10

5

7

14

 

Lederbereiter

-

-

-

2

5

21

33

-

-

 

Lederhandschuhmacher

-

-

-

-

-

2

3

18

15

 

Materialisten

-

-

-

-

-

5

5

6

7

 

Nadler, Gufenmacher

5

8

12

8

8

3

1

8

3

 

Nestler

-

2

13

23

3

1

12

2

5

 

Papierer

-

3

29

20

17

12

6

5

5

 

Passementierer, Seidenfärber, Bandfabrikanten

-

-

-

-

35

46

22

9

24

 

Paternosterer

3

2

-

-

-

-

-

-

-

 

Pergamenter

7

4

1

1

5

2

2

6

3

 

Perückenrnacher

-

-

-

-

-

-

-

9

20

 

Ringler

-

19

12

5

-

-

-

-

-

 

Rot- u. Zapfengiesser

3

10

11

3

7

2

-

-

-

 

Samtweber

-

-

-

-

7

6

-

-

-

 

Scheidenmacher

5

-

1

-

4

3

1

10

4

 

Seckler

12

27

31

44

35

12

31

12

8

 

Seiden- u. Zeugkrämer

-

-

-

1

26

54

56

13

3

 

Seifensieder

-

-

-

4

-

-

-

1

1

 

Silberkrämer

-

-

4

2

2

1

-

-

-

 

Spengler

34

35

7

13

3

2

6

1

6

 

Spiegler

1

3.

2

-

-

-

-

-

-

 

Streichenmacher

-

-

-

-

-

-

1

2

1

 

Strelmacher

1

4

-

11

7

5

11

7

5

 

Strumpfweber

-

-

-

-

-

-

2

32

21

 

Tapezierer

-

-

-

-

-

-

-

1

3

 

Taschenmacher

11

23

9

1

2

-

-

-

-

 

Tuchleute

-

13

23

67

53

48

41

3

1

 

Weissgerber

7

9

10

9

24

23

13

18

11

 

Würfler

1

3

2

-

-

-

-

-

-

 

Beamte, Kleriker, Gelehrte, Offiziere

1

41

30

24

67

41

12

17

40

 

Nicht safranzünftige Berufe

-

34

64

36

41

14

1

9

12